„Deine Schönheit ist nichts wert ...“: Emotionen eines kleinen Zuwanderers im Spielfilm-Wettbewerb von Karlsbad

Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary

„Deine Schönheit ist nichts wert ...“ Dieser erste Vers eines türkischen Gedichts hat dem Film den Namen gegeben, mit dem die österreichische Kinematographie im Hauptwettbewerb des Filmfestivals in Karlsbad vertreten ist. Darin wird das schwere Leben der Zuwanderer mit den Augen eines zwölfjährigen Jungen gesehen. Markéta Kachlíková hat sich den Film angeschaut und anschließend mit seinem Regisseur gesprochen.

„Deine Schönheit ist nichts wert ...“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)
Der Film „Deine Schönheit ist nichts wert ...“ ist zwar ein Beitrag der deutschsprachigen Kinematographie im Hauptwettbewerb des Festivals, doch im Film selbst wird überwiegend türkisch gesprochen. Er erzählt von einem zwölfjährigen Türken, der mit seinen Eltern nach Wien kommt. Weder der Junge namens Veysel noch seine Eltern sprechen Deutsch und die Sprachbarriere trennt sie noch stärker von ihrer Umgebung. Bei diesem Film handelt es sich um das abendfüllende Debüt des deutschen Regisseurs türkischer Herkunft Hüseyin Tabak. Der 31-jährige Filmemacher hat damit seine Studien an der Filmakademie in Wien abgeschlossen. Er hat nicht nur die Regie geführt, sondern auch das Drehbuch verfasst:

Hüseyin Tabak (Foto: Barbora Kmentová)
„Es war von Anfang an eine Idee von mir. Ich habe in meiner Heimat, der Osttürkei, einen Musikfilm mit einem kleinen Jungen gedreht. Er sollte nach Deutschland ziehen, wo seine Mutter lebt, die er seit vier Jahren nicht gesehen hat. Er hat aber auf ein Visum gewartet. Ich habe mir immer gedacht, was muss in dem Kopf dieses Jungen vorgehen? Und was passiert, wenn er da ist? Ich wusste, dass er auch private beziehungsweise familiäre Probleme hat. Ich habe Monate darüber nachgedacht; in einer Nacht aber begann ich zu schreiben und konnte nicht mehr aufhören. Ich habe die Geschichte in drei Nächten geschrieben und nach fünf Monaten haben wir gedreht. Ich wollte zuerst, dass dieser Junge selbst die Hauptrolle spielt, aber er hat leider kein Visum bekommen. Dann aber haben wir im Casting Abdulkadir gefunden.“

Abdulkadir Tuncer ist als Dreijähriger nach Wien gekommen und lebt dort seit neun Jahren. Er erzählt, wie er seine Rolle bekommen hat:

„Deine Schönheit ist nichts wert ...“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)
„Sie sind zu unserer Schule gekommen und haben gesagt, sie bräuchten türkische Jungs zwischen elf und zwölf Jahren, die könnten kommen und sich anmelden. Meine Freunde sind dann dort hingegangen, ich aber hatte überhaupt nicht vor, am Casting teilzunehmen. Dann habe ich jedoch gesagt: ´Okay, ich komme mit´. Sie haben ein paar Fotos gemacht, eine Videoaufnahme und haben vier Leute von uns eingeladen. Dann hat Hüsseyin gesagt, wer mitspielen darf und wer ausscheidet. Es hat mir super gefallen und auch Spaß gemacht. Alle waren sehr nett, sehr höflich und hilfsbereit.“

„Deine Schönheit ist nichts wert ...“
Der Titel des Films wurde einem Gedicht des türkischen Dichters und Musikers Asik Veysel entlehnt. Veysel ist ein typischer Repräsentant der türkischen Klassik und Tradition, und er war auch die Inspirationsquelle für Hüsseyin Tabak zu dessen Film. Nicht zufällig ist es gerade eine Übersetzung von Veysels Versen ins Deutsche, die dem zwölfjährigen Haupthelden den Weg zu seiner Umgebung erschließt. Und sie hilft ihm auch, seine Liebe zu einer Klassenfreundin zum Ausdruck zu bringen.

„Ich habe über die Geschichte oft nachgedacht. Man bekommt dann manchmal so einen Flash im Kopf, wo du auf einmal, innerhalb von einer Sekunde auf die andere, alles siehst: das Gedicht, die eigene Kultur, der verliebte Junge. Es ist doch ein Liebesgedicht. Also, ich habe noch nie eine Geschichte so schnell geschrieben.“

Foto: Barbora Kmentová
Soweit Regisseur Hüseyin Tabak, der seinen Film „Deine Schönheit ist nichts wert ...“ beim 47. Filmfestival in Karlovy Vary präsentiert hat. Die westböhmische Kurstadt hat er dabei zum ersten Mal besucht:

„Ja, ich bin verliebt in das Festival. Und sollte ich mal eine Einladung aus Cannes und Karlovy Vary zugleich kriegen, dann muss ich echt überlegen.“