Der Moldaustrand mit Tradition: Freibad Žluté lázně feiert 100. Jubiläum

Gelbes Bad

In Prag ist es heutzutage kaum möglich, bei Sommerwetter in Ruhe und ausgiebig baden gehen zu können. Zwar sind in den letzten Jahren einige neue Bäder einschließlich der Aquaparks am Stadtrand errichtet wurden, das Interesse der badelustigen Pragerinnen und Prager ist jedoch viel größer als die Kapazität sämtlicher Badeeinrichtungen. Und in der Moldau zu baden – auf diese Idee würden vielleicht nur ein paar mutige Bewohner der tschechischen Metropole kommen. Nichtsdestotrotz wurden gerade am Flussufer in den letzten Jahren einige der einst so beliebten Freibäder wieder eröffnet. Das wohl bekannteste von den Badeeinrichtungen der Ersten Republik ist das Freibad „Žluté lázně“ – zu Deutsch etwa das „Gelbe Bad“. In diesem Jahr begeht es sein 100-jähriges Jubiläum.

Am rechten Moldauufer unweit des Prager Wasserwerks und der Festung Vyšehrad befindet sich das Freibad Žluté lázně. Auch wenn dort heute kaum noch jemand badet, wurde der Name das „Gelbe Bad“ beibehalten, als die Einrichtung vor fünf Jahren wieder eröffnet wurde. Das Freibad wurde am 16. Juni 1910 von der Genossenschaft der Flussbäder gegründet. Damals wurden am Moldauufer das so genannte „Blaue“ und „Gelbe“ Bad eingerichtet. Benannt wurden die Bäder nach der Farbe der Zäune, die sie von der Straße trennten.

Gelbes Bad
Es waren damals nicht die ersten Prager Badeeinrichtungen an der Moldau. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Freibad „Občanská plovárna“ – zu Deutsch das „Zivile Freibad“ errichtet. Kurz vor der Jahrhundertwende entstanden zudem einige Freibäder auf der Moldauinsel Žofín / Sophieninsel. Wie viele Leute dort wirklich in der Moldau badeten, lässt sich kaum abschätzen.

In Žluté lázně haben die Prager aber schon tüchtig geschwommen. Zudem wurde auf dem Strand Volleyball und Tischtennis gespielt. Viele der Besucher hatten für die ganze Saison eine Umkleidekabine gebucht. Am Strand gab es ein Restaurant, eine Konditorei sowie viele Kiosks. Die Blütezeit erlebte das Bad in den dreißiger bis sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Auf dem Moldaustrand konnte man damals auch populäre tschechische Filmstars antreffen. Der international berühmte Kicker Pepi Bican soll dort oft Fußballtennis gespielt haben.

Gelbes Bad
Die Verwalter von Žluté lázně bereiten für Juni eine Serie von Veranstaltungen zum 100. Jubiläum der Badeeinrichtung vor. Eine Woche lang werden die Besucher die Chance haben, die Prager Atmosphäre aus dem Jahr 1910 zu erleben. Zur Inspektion des Moldaustrands soll auch Kaiser Franz Josef I. kommen. In einer Ausstellung kann man mehr über die Geschichte des Ortes am rechten Moldauufer erfahren. Dort, wo sich das Gelbe Freibad befindet, war einst ein Umschlagsplatz und Anlegeplatz für Flöße, erzählt Architekt Pavel Kocych:

Gelbes Bad
„Die Geschichte des Freibads begann 1910. Damals bestand das hiesige Freibad aus dem gelben und blauen Teil. Ursprünglich war das Blaue Freibad für die damaligen VIPs bestimmt. Das Gelbe Freibad stand dagegen der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Nachdem die Kommunisten 1948 in der Tschechoslowakei an die Macht gekommen waren, war für sie das Blaue Freibad, als eine Einrichtung der VIPs, unannehmbar. Es hörte einfach auf, zu existieren.“

1949 wurden die beiden Freibäder – das ehemalige Blaue und das Gelbe – zusammengeschlossen. Die Zahl der Besucher des Bads ist bedeutend gesunken, nachdem der Bau des Stausystems an der Moldau Anfang der 1960er Jahre beendet worden war. Zuvor haben Tausende Prager das Bad besucht, jetzt waren es nur noch Hunderte. Während der Jahre verfiel die ganze Einrichtung.Die Renovierungen an der Einrichtung wurden durch das verheerende Hochwasser vom August 2002 gestoppt.

Gelbes Bad
Das Areal von Žluté lázně wurde nach dem Hochwasser vom neuen Betreiber gründlich renoviert und 2005 geöffnet. Architekt Kocych:

„Als ein Andenken an das Blaue Bad aus den 1930er Jahren haben wir im nördlichsten Teil des Freibads Kneipen gebaut. Wir haben sie Blaue Bars genannt. In einer der Bars befindet sich das einzige Fragment, das aus der ursprünglichen Einrichtung erhalten geblieben ist: Es handelt sich um verzinkte Konstruktionsteile, die um das Jahr 1918 in den Stahlwerken in Kladno hergestellt wurden. Es ist das einzige Fragment von der Einrichtung des Freibads, das alle Regime, Hochwasserkatastrophen und den Umbau überlebte.“

Gelbes Bad - Tanzraum
Als man 2004 mit der Instandsetzung des Areals begann, habe es noch einiges von der Einrichtung aus den 1930er Jahren auf dem Gelände gegeben, sagt der Architekt. Es seien meistens aber leichte Konstruktionen aus Holz gewesen.

„Diese ursprünglichen Bauten befanden sich leider in einem sehr schlechten Zustand. Uns blieb nichts anderes übrig, als sie zu dokumentieren und niederzureißen. Wir haben uns aber bei der Gestaltung des Areals von den alten Konstruktionen inspirieren lassen. Vieles wurde hier aus Holz gebaut, mit der Art der Lattenmontagen wollen wir an die ursprüngliche Architektur erinnern.“

Gelbes Bad - Bar
Das Freibad Žluté lázně wird heutzutage kaum als Badeort, sondern viel mehr als ein Ort zur Entspannung genutzt, wo man auch ein bisschen Sport treiben, sich unterhalten und sich nicht zuletzt auch an den Bars erfrischen kann. Bei den bevorstehenden Jubiläumsveranstaltungen wollen wir auch nicht fehlen, eine Reportage aus Žluté lázně von 1910 bringen wir in einer der nächsten Ausgaben des Spaziergangs.

Pepi Bican (Foto: Slavia Praha)
Zu den renommierten Besuchern des Freibads Žluté lázně gehörte einst auch der Kicker Pepi Bican. Falls Sie wissen, für welchen berühmten Prager Fußballklub Bican gespielt hat, können Sie es uns schreiben, denn so lautet die heutige Quizfrage, für deren richtige Beantwortung Sie ein Buch über Prag gewinnen können. Ihre Zuschriften richten Sie bitte an Radio Prag, Vinohradská 12, PLZ 120 99 Prag 2. Aus den richtigen Antworten wird in vier Wochen ein Gewinner eines Buches ausgelost.

Die richtige Antwort auf die Frage vom April lautet: gesucht wurde die Rotunde des heiligen Longinus. Ein Buch geht diesmal an Kurt Zuber aus Bitterfeld.