Der Verein Klicek für schwer kranke Kinder und ihre Eltern wird zehn Jahre alt

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Guten Tag bei unserer regelmäßigen Rubrik - dem Themenkaleidoskop. Ich hatte vor etwa einer Woche das Glück, das Wochenende mit fabelhaften Leuten zu verbringen, und zwar mit Marketa und Jiri Kralovec. Dieses Ehepaar hilft seit bereits zehn Jahren schwer kranken Kindern und deren Eltern. Wie, erfahren Sie im folgenden Beitrag, zu dem Sie Martina Schneibergova und Daniela Kralova herzlich begrüßen.

Es begann alles mit einer Diplomarbeit: Marketa Kralovcova, die damals Kunstgeschichte und Ästhetik studierte, besuchte wegen ihrer Forschungsarbeit fast täglich die Kinderonkologie in einem Prager Krankenhaus. Dabei stellte sie bald fest, dass es den kranken Kindern oft an ganz einfachen Dingen mangelt: Mal gibt es kein Toilettenpapier, mal wünschen sich die kleinen Patienten ein Essen, das sie im Krankenhaus nicht bekommen können. Marketa Kralovcova und ihr Mann Jiri versuchten alle diese Kinderwünsche zu erfüllen. Bald merkten sie aber, dass ihnen die Kräfte dafür nicht reichen. Deshalb gründeten sie den Verein "Klicek" - auf Deutsch "Der Keim". Ich fragte Marketa Kralovcova, die heute - etwa 12 Jahre nach ihrer Diplomarbeit - als Direktorin des Vereins arbeitet, womit sich Klicek genau beschäftigt.

"Im Herbst 1991 entstand der Verein Klicek, der allmählich die Ziele umzusetzen begann, die wir schon zu Beginn in unseren Richtlinien festgehalten haben: nämlich die Beschäftigung von freiwilligen Helfern in Kinderkliniken, Förderung der Rechte von Kindern im Krankenhaus und ihrer Eltern. Dann kam die Förderung der Hospizpflege, weil das meiner Meinung etwas ist, was hierzulande noch fehlt."

Deshalb ist das momentane Hauptprojekt von Klicek der Bau eines Kinderhospizes. Die Einrichtung entsteht in Malejovice, einem wunderschönen kleinen Dorf etwa fünfzig Kilometer von Prag entfernt. Seit etwa drei Jahren bemühen sich dort die Eheleute Kralovec gemeinsam mit einer Anzahl von Freiwilligen, das Hospiz für die Kinder so bald wie möglich zu eröffnen.

Ein vorübergehendes Zuhause sollen dort acht Kinder und deren Familien finden. Damit ein Kind ein Anrecht auf diese Pflege bekommt, muss ihm eine lebensbedrohliche Krankheit diagnostiziert werden. Über die Bedeutung des Hospizes spricht die Direktorin von Klicek Marketa Kralovcova:

"Die meisten Kinder können ein Hospiz zumeist mehrmals besuchen. Bei Kinderhospizen spricht man deshalb von der sogenannten erleichternden Pflege. Das heißt, dass sich die Familie hier erholen kann. Ältere Kinder können sich zum Beispiel wünschen, alleine auszugehen oder einen Ausflug zu machen. Sie können dann irgendwohin gehen, wo es ihnen gefällt, weil sie meistens nicht ständig in Krankenhäusern sein wollen, sondern an Orten, an denen es schön ist. Die Kinder kommen meistens wiederholt in ein Hospiz, und es kommt nur auf die Familie und das Kind an, ob sie herkommen, auch wenn es ihnen sehr schlecht geht und ob sie sich entscheiden, hier bis zum Ende ihres Lebens zu bleiben."

Wie Marketa Kralovcova ergänzt, verlieren die Hospize ihre Funktion auch dann nicht, wenn ein Kind seiner Krankheit erliegt:

"Hospize sind mit einem Raum ausgestattet, in dem die Körper von verstorbenen Menschen bis zur Beerdigung aufbewahrt werden können. Bei den Kinderhospizen hat dieser Raum eine enorme Bedeutung, weil bei Kindern der Verlust natürlich unglaublich groß ist. Ich glaube, dass wenn Eltern ihre Kinder überleben, es einer der größten Schmerzen ist, den es überhaupt geben kann. Und für die Heilung dieser Wunde ist es sehr wichtig, wenn die Familie ihr Kind nochmals sieht und wenn sie es nochmals umarmen kann - selbst dann, wenn der Körper nicht mehr lebt. Es ist eines der wesentlichsten Dinge, an die Verbliebenen zu denken. Die Familie muss nämlich irgendwie weiter leben: sie hat andere Kinder und das Leben vor sich. Das Leben geht weiter, auch wenn es aussieht, als könnte man nie wieder lachen und weiter leben.

Dieser Raum ist auch genau das Gegenteil dessen, wovon uns die Mütter erzählen, deren Kinder in Krankenhäusern starben: Manchmal haben sie die Krankenschwestern einfach rausgeschmissen, nachdem das Kind gestorben war und sie es waschen mussten. Sie konnten nicht begreifen, dass die Mutter dort - bei ihrem toten Kind überhaupt noch sein wollte. Obwohl es zwar nicht überall so schlimm ist, bietet das Krankenhaus einfach nicht genug Zeit und Raum für einen richtigen Abschied vom Kind."

Neben dem Hospizbau organisiert die Stiftung seit Jahren Sommerlager und seit diesem Jahr auch Englischkurse. Diese Veranstaltungen sind offen für Kinder und Jugendliche, die nach Jahren, die sie in Krankenhäusern verbrachten, schließlich geheilt wurden, sowie für Eltern und Geschwister von Kindern, die an den Folgen ihrer Krankheiten gestorben sind. Eine von den regelmäßigen Besuchern in Malejovice ist auch Drahomira Pecenkova:

"Im Sommerlager in Malejovice bin ich zum zweiten Mal, aber in Sommerlager gehe ich insgesamt seit fünf Jahren. Dieses Jahr kam ich mit meinen zwei Söhnen. Zum aller ersten Mal nahm ich im Jahre 1997 an einem Sommerlager teil, damals noch mit meiner Tochter. Sie litt zu dieser Zeit bereits seit mehr als einem Jahr an einem Gehirntumor. Leider konnte meine Tochter nicht geheilt werden, sie starb im Frühling 1998 - ein knappes Jahr nach diesem Ferienlager. Seitdem komme ich mit meinen beiden Söhnen hierher. Wenn ich hier bin, kommt es mir so vor, als wäre meine Tochter immer noch hier mit uns - ich glaube, sie wäre gerne hier und wir könnten hier wie jedes Jahr schöne Augenblicke erleben. Für mich ist dieses Lager deshalb ein guter Anlass zur Erinnerung an mein Kind. Gleichzeitig fühle ich mich hier unter jenen Leuten, die mit uns da sind, sehr gut. Ich kann mich hier seelisch sehr gut erholen."

Wie Frau Pecenkova sagt, kann sie die Hilfe, die ihr Klicek bei der Erkrankung ihrer Tochter leistete, nicht vergessen. Anstatt dass sie sich nun - nach dem Tod ihrer Tochter - von ähnlich traurigen Fällen so fern wie möglich hält, verspricht sie dem Verein ihre Treue zu halten.

"Wer einmal mit Klicek in Kontakt kommt und die Eheleute Kralovec und das Umfeld des Vereins kennen lernt, der bleibt hier für immer. Für mich war es ein Teil meines Lebens. Während der Krankheit meiner Tochter verbrachte ich hier zwei Jahre - und es wurde zu meinem zweiten Zuhause. Und ich weiß, dass ich es nie vergessen werde: vor allem die Leute, die ich hier getroffen habe und immer noch treffe. Man kann es aus dem Leben nicht herausnehmen. Und für mich war es eine große Unterstützung, dass ich dort mit Leuten sein konnte, die ein ähnliches oder gleiches Schicksal hatten."

Heute steht der Verein Klicek auf einem relativ festen Boden: Hunderte von freiwilligen Helfern oder Gebern erkennen die Bedeutung des Vereins und versuchen so oft und so gut wie möglich zu helfen. Wie Marketa Kralovcova erzählt, war es aber nicht immer so:

"Die ersten zehn Jahre waren ziemlich schwer. Sie waren mit viel Verzicht verbunden, es war eine ziemlich bescheidene Zeit. Sie hat uns aber - so hoffe ich - stärker gemacht. Sie war auch eine Probe für die Leute aus unserem Umkreis: Viele sind nämlich weggegangen. Entweder waren sie erschöpft von der ständigen Improvisation oder davon, dass diese Arbeit keinen materiellen Gewinn brachte. Manche fanden einfach einen anderen Job oder heirateten und zogen weg. Auf der anderen Seite kamen aber viele neue Leute hinzu, und ich bin sehr froh, dass ich mich heute auf eine breite Basis von Leuten verlassen kann. Wenn etwas Dringendes zu machen wäre, könnte ich heutzutage ziemlich viele Leute anrufen. Das ist ein schönes Gefühl, weil wir noch vor einigen Jahren befürchteten, dass wenn uns etwas passieren würde, hier niemand wäre, der diese Arbeit fortsetzen würde."

Der Verein Klicek wird im Herbst sein zehnjähriges Jubiläum feiern. Wir können ihm aus diesem Anlass wünschen, dass er immer mehr Leute findet, die sich an seiner bedeutenden Arbeit beteiligen möchten.

Autoren: Martina Schneibergová , Daniela Kralova
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