Der weinende Eroberer: Weltpremiere von "Lacrimae Alexandri Magni" in Prag

Foto: Narodni divadlo

Es geschieht nicht jeden Tag, dass das Prager Nationaltheater bei einem jungen Komponisten eine Oper bestellt. Bereits aus diesem Grund kann man die Weltpremiere der Oper "Lacrimae Alexandri Magni" von Tomas Hanzlik, die vorige Woche im Prager Ständetheater stattfand, für ein echtes Kulturereignis halten.

Tomas Hanzlik mit Schauspielerin Sona Cervena  (Foto: CTK)
Musikliebhaber, die bereits frühere Werke von Hanzlik kannten, waren von der Musik, die der Komponist selbst als "neobarocken Minimalismus" bezeichnet, bestimmt nicht enttäuscht.

Die Oper heißt auf Deutsch "Die Tränen von Alexander dem Großen" und sie schildert eine Episode aus der Jugend des berühmten Eroberers. Der zwölfjährige Alexander sehnt sich nach einem militärischen Erfolg. Es wird ihm prophezeit, dass ihn bald etwas traurig machen wird, und er glaubt deshalb, sein Vater Philipp werde im Kampf geschlagen. Es kommt jedoch eine Bote, der die Nachricht von Philipps Sieg bringt. Alexander fängt an zu weinen, weil sein Vater ihm wieder einmal den Ruhm auf dem Schlachtfeld genommen hat.

Der Komponist und Musikwissenschaftler Tomas Hanzlik hat Erfahrung mit der Vertonung von Barocktexten. Diesmal griff er nach einem Schuldrama, das im 18. Jahrhundert am Piaristen-Gymnasium im nordmährischen Lipnik nad Becvou aufgeführt worden war.

"Ich suchte gezielt nach einem Libretto aus der Barockzeit. Ich stellte eine ganze Liste von im Archiv erhalten gebliebenen Libretti zusammen. Am meisten fesselte mich der Titel ´Tränen von Alexander dem Großen´. Denn schon der Titel selbst enthält einen Konflikt: Der Heerführer und seine Tränen. Mit Texten aus der Barockzeit arbeite ich seit Jahren. Meine Arbeit mit dem Text bestand vor allem in seiner Kürzung. Denn in der Barockzeit sparte man nicht mit Zeit, alle damaligen Vorstellungen dauerten drei oder vier Stunden. Ich reduzierte außerdem die Zahl der Personen, die in dem Stück auftreten. Denn der ursprüngliche Sinn des Schuldramas bestand darin, jedem zu ermöglichen, etwas auf der Bühne vorzutragen. Von den vielen Personen sind in meiner Oper schließlich sieben Sänger und vier Schauspielerrollen übrig geblieben."

In der Titelrolle Alexanders des Großen stellte sich in Prag der deutsche Kontratenor Steve Wächter vor und erntete viel Beifall. Die Regie der Vorstellung hatte der slowenische Opernregisseur und bildende Künstler Rocc, der das Bühnenbild und gemeinsam mit Vendula Johnova auch die Kostüme entwarf. Rocc sagte über sich selbst, er arbeite sehr viel mit Intuition und halte den Komponisten Tomas Hanzlik, wie sich selbst auch, für einen emotionalen und intuitiven Künstler:

"Es war für uns beide wichtig, seine Auffassung des so genannten ´neobarocken Minimalismus´ umzusetzen. Der Neobarock ist in den Kostümen zu erkennen. Die Bühne ist eher minimalistisch, auch was die Farbpalette anbelangt: Es wird da Weiß und Blau benutzt. Als Überraschung taucht auf der Bühne die Farbe Rot auf. Sie verkörpert das Leben, den Esprit, die Energie, die wir auf den Zuschauer übertragen wollen."