„Kleiner Prinz“ als Oper und „Leichenverbrenner“ als Ballett: Pläne des Südböhmischen Theaters

Das Südböhmische Theater aus České Budějovice / Budweis hat vorige Woche in Prag seine Pläne für die nächsten Monate vorgestellt. Das Schauspiel-, das Opern- sowie das Ballettensemble bereiten sich auf das Festival „Jižní svéráz“ (South Specific) vor, das von Mai bis September stattfinden wird. Martina Schneibergová hat mit der Direktorin des Südböhmischen Theaters, Martina Schlegelová, und dem Leiter des Ballettensembles des Theaters, Lukáš Slavický, gesprochen.

Martina Schlegelová | Foto: Petr Lundák,  MAFRA / Profimedia

Frau Schlegelová, wie ist das Festival „Jižní svéráz“ entstanden?

„Das war vor zwei Jahren. 2028 wird Budweis Europäische Kulturhauptstadt, und dazu tragen wir mit diesem neuen Festival bei. Die nullte Auflage haben wir vor zwei Jahren organisiert, und sie war ein großer Erfolg. Mehr als 20.000 Zuschauer kamen. In diesem Jahr werden wir weitermachen. Das Festival wird immer als Biennale organisiert.“

Diesmal wird das Festival sogar von Mai bis Ende September stattfinden, und nicht nur in Budweis, sondern auch an anderen Orten. Rechnen Sie dabei auch mit weiteren tschechischen Theaterensembles?

Foto: Südböhmisches Theater

„Ja, das Projekt ist für verschiedene tschechische Theaterensembles bestimmt. Wir haben die Idee, ein Slow Festival zu organisieren. Denn wir wollen, dass die Besucher nicht nur an den Kulturveranstaltungen teilnehmen, sondern auch Südböhmen genießen. Darum dauert das Festival einige Monate lang, damit die Leute wiederkommen könnten. Gespielt wird unter anderem in Krumau, in Budweis, in Třeboň sowie in kleineren Dörfern wie beispielsweise Holašovice. Das bietet die Möglichkeit, Südböhmen wirklich kennenzulernen. Auf der Open-Air-Bühne in Krumau mit seinem drehbaren Zuschauerraum führen wir eine Musikproduktion auf – die Oper ,Der kleine Prinz‘ von der britischen Komponistin Rachel Portman. Es wird die tschechische Premiere des Stücks sein.“

Planen Sie in der Zukunft auch, ausländische Theaterensembles zu diesem Festival nach Südböhmen einzuladen?

„Ja, damit werden wir 2028 anfangen, wenn Budweis Europäische Kulturhauptstadt sein wird.“


Herr Slavický, mit welcher Ballettvorstellung stellt sich Ihr Ensemble im Rahmen des Festivals „Jižní spojka“ vor?

Lukáš Slavický | Foto: aus dem Archiv von Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Es ist eine Vorstellung, die auf Tschechisch „Mladí, Krásní a navždy“ heißt, auf Deutsch etwa „Jung, schön und für immer“. Es handelt sich um ein Stück der Choreografin und Regisseurin Jana Burkevičová. Die Vorstellung ist sehr aktuell, sie geht auf das Phänomen der Reality-Shows und TV-Wettbewerbe ein. Jana zeigt, wie der dazugehörige Leistung- und Erfolgsdruck in unserer Gesellschaft präsent ist. Die Vorstellung ist sehr dynamisch, und das ganze Tanzensemble nimmt daran teil. Wir haben viel Erfolg damit, obwohl es sich um eine Vorstellung handelt, die man vielleicht in einem Regionaltheater nicht erwarten würde. Umso mehr freue mich, dass wir eine solche Vorstellung anbieten können.“

Haben Sie mit der Vorstellung schon irgendwo gastiert?

„Noch nicht, es ist also das erste Mal. Aber ich kann sagen, dass wir sehr wahrscheinlich im Sommer nach Österreich, konkret nach Litschau reisen, wo wir das Stück auch im Rahmen eines dortigen Festivals aufführen wollen.“

Welche Musik gibt es zu dieser Tanzvorstellung?

„Die Musik hat der zeitgenössische Komponist Jiří Konvalinka geschrieben. Und ich denke, sie ist sehr spannend.“

Für den Sommer bereiten Sie mit Ihrem Ensemble eine besondere Tanzvorstellung vor. Diese lehnt sich an die Novelle „Der Leichenverbrenner“ von Ladislav Fuks und den gleichnamigen Film an. Wer ist der Choreograf?

„Die Choreografie ist von Alena Pešková. Es ist eine Weltpremiere als Tanzstück. Wir werden dieses Ballett in Krumau aufführen, in den Räumlichkeiten von Port 1560, das ist ein neues Kulturzentrum. Es handelt sich um eine immersive Tanzvorstellung. Sie ist eine Herausforderung für alle Beteiligten.“

Wie kann man sich dieses immersive Element vorstellen? Folgen die Zuschauer den Tänzern und sehen sich das Stück in den verschiedenen Räumlichkeiten an?

„Ja, genau so ist das. Die Kapazität liegt bei ungefähr 50 Zuschauern, denn so etwas lässt sich nicht für mehr Leute anbieten. Die Räume sind zwar groß, aber alle müssen gut sehen. Die Zuschauer gehen dann von einem Raum zum anderen. Das Stück dauert ungefähr eine Stunde. Das Publikum befindet sich dabei mittendrin.“

Stehen noch weitere Premieren auf dem Programm des Tanzensembles?

„Ja, im Südböhmischen Theater haben wir eine Premiere des Balletts ‚Die Schneekönigin‘ von Hans Christian Andersen. Die Choreografie und Regie übernimmt Paul Julius. Es ist ein neues Stück, das für uns kreiert wurde. Auch die Musik ist neu, sie wurde vom bekannten tschechischen Komponisten Jan Jirásek direkt für dieses Stück geschrieben.“

Alle drei Ensembles des Südböhmischen Theaters aus Budweis stellen sich in diesen Tagen beim Festival „Jižní spojka“ vor, das am Donnerstag in Prag eröffnet wird. Mehr über das Programm des Theaters erfahren Sie unter https://www.jihoceskedivadlo.cz/de.

schlüsselwort:
abspielen

Verbunden