Deutsch und Tschechisch auf dem Schulhof vereint – DSP feiert 35 Jahre

Die Deutsche Schule Prag, auch DSP genannt, feiert ihr 35-jähriges Bestehen. Am Samstag soll ein großes Fest stattfinden, um die Begegnungsschule zu feiern. Radio Prag International hat zuvor vorbeigeschaut und anlässlich der Feierlichkeiten mit Lehrern und der Schulleitung gesprochen.

Ausstellung zu 35 Jahren DSP | Foto: Emely Sander,  Radio Prague International

Am Samstag wird gefeiert. 35 Jahre gibt es nun die Deutsche Schule Prag. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ging sie aus der DDR-Botschaftsschule hervor. Zu DDR-Zeiten besuchten ungefähr 20 deutsche Schüler die Schule. Heute werden auf der DSP 500 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Tschechien unterrichtet. Von dem Kindergarten, über die Grundschule, bis zum Abitur können die Schüler hier begleitet werden.

Josef Hummer ist der Mittelstufenkoordinator und Vertretungsplaner. Seine Vergangenheit mit der DSP reicht schon einige Jahre zurück.

Eingang zur Grundschule | Foto: Emely Sander,  Radio Prague International

„In unterschiedlichen Funktionen bin ich sicherlich schon zehn Jahre an der Schule. Zu Anfang war ich für zehn Monate als naturwissenschaftliche Hilfskraft hier. Danach ging es zurück nach Deutschland. Dort habe ich mein Referendariat gemacht. Daraufhin ging es dann drei Jahre zurück an die DSP. Dann wieder zurück nach Deutschland, und mittlerweile bin ich als Auslandsdienstlehrkraft entsendet. Derzeit bin ich schon wieder das fünfte Jahr an der Schule.“

Über die Jahre kann Josef Hummer einige Veränderungen feststellen.

„Ich denke einerseits sind die baulichen Veränderungen das Offensichtlichste. Der alte Kindergarten wurde abgerissen, und dort kommt nun ein neues Gebäude hin. Andererseits gab es in den letzten Jahren verschiedenste Leute, die sich eingebracht haben, um das personalisierte Lernen auf den Weg zu bringen.“

Dazu gehören bestimmte Konzepte, die es den Schülern ermöglichen, fachübergreifendes Wissen zu erlangen und Schlüsselkompetenzen wie kritisches Denken auszubilden. So könne gewährleistet werden, dass die Stärken der Schüler besser ausgebaut würden – so die Schulleiterin Hanna Budde-Mäkinen. Die DSP nennt sich eine Begegnungsschule. Die Schulleiterin erklärt, was das bedeutet:

Schulleitung,  Josef Hummer  (hintere Reihe,  zweite von links),  Hanna Budde-Mäkinen  (vordere Reihe,  erste von rechts),  Ingo Steinweg-Whiteley  (vordere Reihe,  dritter von links) und Tomáš Radýsek  (hintere Reihe,  erster von links) | Foto: Deutsche Schule Prag

„Das Wort Begegnung steht bei uns an erster Stelle und ist aufzufassen als kulturelle Begegnung hinsichtlich der Sprache, der Kultur, Traditionen und Bräuche. Hier treffen deutsche und tschechische Kinder aufeinander und das schon im Kindergarten. Aber vor allem in der Schule, und das neuerdings auch ab der ersten Klasse. Die tschechischen Kinder werden mit verstärktem Deutschunterricht an den deutschen Fachunterricht herangeführt, und umgekehrt lernen natürlich auch die deutschen Kinder über die tschechischen Gepflogenheiten.“

Foto: Deutsche Schule Prag

Schulleiterin Hanna Budde-Mäkinen ist zwar erst seit Februar dieses Jahres mit dabei, fühle sich aber schon als Teil des Campus. Trotz der kurzen Zeit habe sie schon etwas gefunden, worauf sie an der DSP besonders stolz sein könne…

„Man ist stolz, dass der Begegnungscharakter jeden Tag weiterhin so ausgelebt wird. Mit der Gründung der neuen tschechischen Grundschule wird dieser Charakter weiter ausgeschärft. Wir hören jeden Tag einen Sprachmix auf dem Flur und sehen trotzdem wunderbare Ergebnisse in dem deutschen Abitur. Da zeigt sich, dass dieser Begegnungscharakter auf dem Flur, im Unterricht und im Pausenbereich funktioniert.“

Aufgeteilt ist das Schulsystem des Gymnasiums in zwei sogenannte Zweige. Zum einen gibt es den tschechischen Zweig. Dieser beginnt, wenn die tschechische Grundschule ab der sechsten Klasse endet. Und es gibt den deutschen Zweig. Der stellvertretende Schulleiter Ingo Steinweg-Whiteley veranschaulicht das System des Gymnasiums:

Kunstraum | Foto: Emely Sander,  Radio Prague International

„Anfangs haben wir zwar zwei Klassen, Jahr für Jahr haben sie jedoch immer mehr Fächer gemeinsam. Angefangen mit Sport und Mathematik, und dann kommen immer mehr Fächer dazu, in denen die tschechischen Kinder deutschsprachigen Fachunterricht haben. Im zehnten Jahrgang, wenn die Oberstufe beginnt, werden die beiden Zweige völlig durchmischt.“

Am Samstag werden nun 35 Jahre dieser Begegnungsschule gefeiert. Tomáš Radýsek ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Schule Prag und gibt einen Einblick in die diesjährigen Festlichkeiten:

„Es wird viele Attraktionen für die kleinen, über die mittleren, bis hin zu den großen Gästen geben. Es gibt außerdem ein Catering und Live-Musik. Wir werden auch den neuen deutschen Botschafter dabei haben, dessen Name noch geheim ist. Bei uns vor Ort wird er dann aber einen seiner ersten Arbeitsaufträge absolvieren, indem er das Fest eröffnet.“

Die Aula | Foto: Emely Sander,  Radio Prague International

Ein buntes Programm für die Schüler, ihre Verwandten und die Partner der Schule. Schulleiterin Hanna Budde-Mäkinen blickt mit Zuversicht auf die nächsten Jahre.

„Ich wünsche mir für diese Schule, dass weiterhin an ihren Entwicklungsvorhaben gearbeitet wird. Dazu zählt zum Beispiel der Aspekt des personalisierten Lernens. Ich empfinde die Entwicklung als sehr positiv. Es ist eine Öffnung in die Richtung zeitgemäßer und moderner Unterrichtsmethoden. Und ich wünsche mir, dass der Begegnungscharakter der Schule weiterhin ganz oben steht.“

Autor: Emely Sander
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