Deutsche Soldatenfriedhöfe in Tschechien

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Noch 55 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs befinden sich, amtlichen Schätzungen zufolge , etwa 178 000 gefallene oder verstorbene deutsche Soldaten auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei. Seit knapp zehn Jahren bemühen sich beide Länder, also Tschechien und die Slowakei, auch ihnen eine angemessene letzte Ruhestätte zu gewähren: Deutsche Soldatenfriedhöfe in der Tschechischen Republik. Liebe Hörerinnen und Hörer, willkommen zum Schauplatz. Am Mikrofon ist Jitka Mladkova, Redaktion hat Alexandra Klausmann:

Schon seit vielen Jahren bemüht sich der Verband deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK), um die Pflege von Gräbern gefallener deutscher Soldaten, natürlich nicht nur in Tschechien. Erst die politische Wende in Ost-Mitteleuropa und die damit verbundene Verbesserung des tschechisch-deutschen Verhältnisses haben es dem VDK überhaupt möglich gemacht, auch hier aktiv zu werden.

Über den rechtlich-diplomatischen Hintergrund dieser Angelegenheit erzählt uns der Presseattache der Deutschen Botschaft in Prag, Dr. Lorenz Barth.

Obwohl es also kein bilaterales Abkommen zwischen Deutschland und Tschechien über die Pflege deutscher Kriegsgräber hier im Land gibt, zeigen beide Nachbarn schon seit 1992 ihre Bereitschaft dieses, noch immer sensible Thema anzugehen. Im tschechoslowakisch-deutschen Nachbarschaftsvertrag von 1992, den Dr. Barth erwähnt hat, enthält der Artikel 30 eine Absichtserklärung beider Regierungen, Kriegsgräber zu schützen und zu pflegen. In der tschechisch-deutschen Erklärung von 1997 ist sogar schon von der Frage der Renovierung von Grabstätten die Rede.

In Tschechien kümmert sich die Firma Pargent um die Pflege der Gräber deutscher Gefallener. Diese Firma arbeitet in diesem Feld mit dem tschechischen Außen- und Innenministerium zusammen. Für die deutsche Seite ist hier, wie schon erwähnt der VDK zuständig. Zu dessen Rolle nochmals Dr. Barth:

Der erste deutsche Soldatenfriedhof wurde im Mai 1991 im mittelböhmischen Städtchen Rakovnik eingeweiht. Auf dem dortigen Stadtfriedhof fanden 36 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhe. Seitdem haben auch andere tschechische Städte und Gemeinden auf ihren Friedhöfen einen Platz für die deutschen Gefallenen eingerichtet: Marienbad, Karlsbad, Iglau, Pilsen, Pacau, Troppau und Brünn. Auf dem Zentralfriedhof der mährischen Metropole liegen seit Oktober 1993 3500 tote Soldaten begraben, insgesamt ruhen auf tschechischen Friedhöfen 9000 gefallene deutsche Soldaten. Im Vergleich zu den schon vorher erwähnten 178 000 scheint das eine kleine Anzahl, doch ausser den Friedhöfen gibt es in der ehemaligen Tschechoslowakei noch registrierte Grabanlagen an etwa 5200 Orten.

Befürchtungen, dass die Soldatenfriedhöfe geschändet werden könnten oder gar zu einer Art Pilgerstätte für Neonazis werden könnten, haben sich bis jetzt wenigstens noch nicht bestätigt. Auch innerhalb der tschechischen Bevölkerung scheint dieses Thema nicht zu viel Kritik und Aufregung hervorgerufen zu haben, doch dazu noch einmal Lorenz Barth:

Im östlichen Prag, im Stadtteil Strasnice, eingebettet zwischen der stark befahrenen Vinohradska Strasse und einem neugebauten Bürozentrum, liegt fast unbemerkt eine kleine Oase der Ruhe, die aussieht wie ein verwunschener Märchengarten: Der ehemalige deutsche evangelische Friedhof. Seit dem 19. Jahrhundert haben deutsche Protestanten hier ihre Angehörigen bestattet, im Jahre 1945 wurde er konfisziert und geschlossen. Heute sind die Gräber mit Efeu überwuchert, doch an den Grabsteinen sind noch Namen und Daten zu erkennen. In der Mitte dieses ehemaligen Friedhofs steht ein Holzkreuz mit der Inschrift "Ich bin die Auferstehung und...." Der Rest des Satzes ist schon verwittert.

Hier, in diesem ehemaligen evangelischen Friedhof sollen nun rund 2000 deutsche Soldaten, die in und um Prag herum gefallen oder ihren Verletzungen erlegen sind, ihre letzte Ruhestätte finden. Dazu muss die Firma Pargent, die mit der Aufgabe der Umgestaltung des Friedhofs betraut ist, die meisten der alten Gräber zuschütten, um dort Platz für die Soldaten zu machen. Etwa 25 Gräber wichtiger Persönlichkeiten hätten sie dort noch entdeckt, sagt Bedrich Martinic von der Firma Pargent, die würden sie doch erhalten. Sowohl der VDK als auch die deutsche Regierung wollen die Kosten für die Umgestaltung des Friedhofes planen. Die befinden sich Schätzungen zufolge um die 50 bis 60 Millionen Kronen, also etwas über 3 Millionen DM.

Warum auch hier in Prag ein Friedhof für deutsche Soldaten entstehen soll, dazu noch einmal Dr. Barth von der deutschen Botschaft Prag:

Die Alternative, die Dr. Barth anspricht, wäre doch die sprichwörtliche Faust ins Auge gewesen. Bis jetzt liegen die meisten der in Mittelböhmen Gefallenen im Stadtteil Dablice im Norden Prags. Gleich daneben, liegt die tschechische nationale Gedenkstätte Kobylisy. Dort befand sich während des Protektorats die Hinrichtungsstätte der deutschen Besatzer. Dass die Nähe dieser Stätte des Leidens kein angebrachter Ruheort für deutsche Soldaten gewesen wäre ist von beiden Seiten zu verstehen. Das glaubt auch Dr. Barth:

Es wird zwar noch lange dauern, bis aus dem efeuüberwucherten ehemaligen evangelischen Friedhof in Strasnice der deutsche Soldatenfriedhof Prag wird - Bedrich Martinic von Pargent rechnet damit, dass er nicht vor dem Jahre 2003 eingeweiht wird. Aber allein seine Konzeption, wie auch das Bestehen anderer deutscher Soldatenfriedhöfe in Tschechien, ist ein weiteres konkretes Anzeichen dafür, dass sich die Beziehungen beider Nachbarn in den letzten zehn Jahren verbessert haben und sich noch weiter verbessern werden.

Autoren: Jitka Mládková , Alexandra Klausmann
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