Die Prager Demos im Blickfeld tschechischer Intellektueller

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Einige Kommentatoren, Publizisten und Intellektuelle analysierten in den Freitagsausgaben tschechischer Zeitungen die Vorfälle der vergangenen Tage rund um die Jahrestagung. Hauptaugenmerk richtete man dabei auf die Forderungen der Globalisierungsgegner und die Randalierer, die in der Prager Innenstadt Schaufenster multinationaler Konzerne einschlugen. Der bekannte Publizist und Redakteur des Tschechischen Rundfunks Ivan Hoffman meinte diesbezüglich "Der Ideologe braucht jemanden, der die schmutzige Arbeit macht. Das aggressive Individuum braucht wiederum irgendeine hehre Ideologie, damit es kämpfen, jemanden verletzen und Sachen zerstören kann. Der Zweck heiligt die Mittel."

Der Soziologie Professor und Präsident der Christlichen Akademie, der prominente Intellektuelle Tomas Halik, versuchte während der alternativen Kundgebungen, die parallel zur IWF/Weltbank Jahreversammlung stattfanden, überall dort zu sein, wo es um einen konstruktiven Dialog über die soziökonomischen Folgen der berühmt berüchtigten Globalisierung ging. Er meint in seinem Artikel: "Die Globalisierungsgegner haben mit der Septemberschlacht in den Augen der Öffentlichkeit in moralischer, psychologischer, und politischer Sicht auf der ganzen Linie verloren. Übrig geblieben sind nur leere Flaschen, peinliche Slogans. Trotzdem oder gerade deswegen ist es wichtig sich wieder um einen Dialog zu bemühen, diesen Teil des gesellschaftlichen Spektrums nicht zu dämonisieren, nicht alle linksgerichteten Gruppierungen in einen Topf zu werfen, um sie damit noch mehr zu radikalisieren." Tomas Halik merkte zudem an, dass sich eine Reihe von konservativen Politikern jetzt auf dem hohen Ross fühlen werden. Als Beispiel dafür kann der Vize-Parteivorsitzende der ODS, der Bürgerlich- Demokratischen Partei dienen, Miroslav Macek meinte vor der Presse, er vertrete eine noch härtere Ansicht als seine Parteikollegen - er bezeichnete die Protestierenden als wildgewordene Rindviecher, auf die er geschossen hätte...

Die Schriftstellerin Eva Hauserova war enttäuscht über die aggressiven linksradikalen Proteste und kommt deshalb zum Schluss, dass sie halt doch eine eingefleischte konservative Rechte sei...

Der Geistliche Svatopluk Karasek hingegen sieht alles gelassener: "So sind die Medien: erst wenn die Aktivisten Schaufenster einschlagen kommen sie in die Nachrichten. Ansonsten wären es uninteressante Dummköpfe, die irgendwo diskutieren."