Die Zahl der jungen Drogensüchtigen in Tschechien ist alarmierend

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Was den Drogen und Alkoholkonsum betrifft, belegen junge Tschechen unter den europäischen Ländern den zweiten Platz, gleich hinter den Briten. Dies ergab eine Studie, die im Rahmen einer in dieser Woche stattgefundenen Konferenz der Weltgesundheitsorganisation in Stockholm präsentiert wurde. Mehr dazu von Lucie Krupickova:

Gemäß der Statistiken hat in Tschechien mehr als ein Drittel der jungen Menschen zwischen 15 und 16 Jahren bereits Erfahrungen mit Drogen gemacht, vor fünf Jahren waren es nur 23%.

Nach Meinung von Drogenexperten soll man diese Zahlen jedoch nicht überschätzen. In solchen Studien unterscheidet man z.B. nicht zwischen den sog. harten und weichen Drogen. Ca. 85 Prozent aller Menschen, die je eine Droge ausprobiert haben, haben Schätzungen zufolge nur Marihuana probiert, das zu den weichen Drogen gezählt wird. Jiri Presl, der Arzt aus der tschechischen Organisation zur Drogenbekämpfung Drop in, ist der Meinung, dass in der Bevölkerung eine höhere Toleranz gegenüber Drogen entwickelt werden muss. Er behauptet sogar, dass Marihuana nicht als Droge bezeichnet werden solle. Die gleiche Meinung vertreten viele junge Leute. Das Rauchen von Marihuana sei für sie dasselbe, wie das Biertrinken für ihre Eltern.

Vor dem Jahre 1989, also vor dem Fall des Kommunismus in Tschechien, war der Zugang zu Drogen viel geringer als heute. Nach den Worten von Jiri Presl wird es jetzt wohl noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis sich die Menschen in der Tschechischen Republik daran gewöhnen, dass es Drogen gibt.

Die Zahl von Drogensüchtigen steigt ständig. Der Grund dafür sei unter anderem einflussreiche Reklame, sowie ein Isolationsgefühl bei jungen Menschen. Wie könnte man diese Tendenz stoppen, wenn nicht gar vielleicht umkehren? Doktor Jiri Presl ist folgender Meinung:

"Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass allein durch repressive Maßnahmen die Situation nicht gelöst werden kann. vor allem der Staat sollte sich dafür einsetzen, vorbeugende Maßnahmen zur Drogenbekämpfung zu treffen."

Vor kurzer Zeit wurde vom tschechischen Parlament eine sog. Nationale Strategie zur Drogenbekämpfung für die Jahre 2001 bis 2004 verabschiedet. Mann kann also hoffen, dass die Situation in Tschechien in den nächsten Jahren verbessert werden könnte.

Autor: Lucie Krupickova
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