Dienstleistungen wie vor Jahrzehnten - die Tschechische Post

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Schlechtgelaunter Service, lange Wartezeiten, verlorene Pakete - kurzum, die Tschechische Post hat einen schlechten Ruf. Nun hat das Tschechische Amt für Telekommunikation die Post aufgefordert, ihren Service zu verbessern. Renate Zöller berichtet.

Zwei Jahre lang hat das Amt für Telekommunikation die Ceska Posta (Tschechische Post) unter die Lupe genommen. Das abschließende Urteil ist eine Rüge für die Post: Sie verhalte sich ihren Kunden gegenüber immer noch so, wie vor ein paar Jahrzehnten. Der Service sei schlecht: Manche Ämter würden kurzfristig inmitten der offiziellen Öffnungszeiten einfach für eine Weile schließen; in anderen müsse der Kunde viel zu lange Schlangestehen; oft seien die Öffnungszeiten so kurz und ungünstig gelegen, dass sie für Arbeitende nicht erreichbar wären. Der Sprecher der Tschechischen Post, Ladislav Vancura, glaubt allerdings, dass diese Probleme nicht so einfach zu lösen seien:

"Wir wissen, dass in Postämtern Warteschlangen vorkommen, aber nicht überall. Im Gegenteil, das passiert nur da, wo viele Leute zusammenkommen, das heißt in den großen Städten, Prag, Brno und Ostrava. Die Schlangen kommen zu Stoßzeiten vor. Aber dafür gibt es keine simple Lösung. Wir können nicht einfach mehr Leute einstellen um das Team zu verstärken, denn wenn die Stoßzeiten vorbei sind, gibt es für diese dann nichts zu tun."

Arbeitskräfte kosten Geld - und daran spart die Post. Für den Kunden aber wird der Service immer teurer, die Preise sind in den letzten Jahren schnell gestiegen. Chef-Ökonom Pavel Mertlik von der Raiffeisenbank sieht das Problem vor allem darin, dass bei Postsendungen bis zu 50 Gramm keine Konkurrenz im Lande existiert - und daher auch kein Druck, Service und Preise besser aufeinander abzustimmen. Mertlik schlägt eine teilweise Privatisierung des Kolosses Ceska Posta vor:

"Ich könnte mir ein Modell vorstellen, wie es zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt wurde. Dort wurde ein Teil der Aktien der Post auf den Markt gebracht. Die Situation ist ähnlich wie bei uns mit dem Energiemagnaten CEZ - der Großteil der Aktien gehört dem Staat und ein kleinerer Teil wurde verkauft. Der Unterschied liegt darin, dass dadurch die Post von einem Amt zu einem Unternehmer wird. Dem Unternehmer geht es darum, die Kosten zu senken und das bedeutet letztendlich eine schrittweise Verbesserung der Dienstleistungen und dabei eine geringfügige Senkung der Preise. Im Gegensatz zu einem Unternehmer hat ein staatliches Amt eben keine Ambitionen wirtschaftlich zu arbeiten."

Das Monopol der Tschechischen Post wird vorläufig allerdings nicht in Frage gestellt, auch nicht von Mertlik. Sollte das Monopol aufgehoben werden, gäbe es zwar durchaus schon Interessenten, die in den Startlöchern stehen. Aber die interessieren sich nur für die einträglichen Sendungen. Briefe und Wertsendungen, das sind die am häufigsten genutzten Dienste der Post, sie sind aber wenig lukrativ und lassen sich nur durch die teuren Pakete mitfinanzieren. Briefträger, die zu abgelegenen Bauernhöfen fahren oder den Briefkasten in entlegenen Dörfern leeren, die würde es wohl auch weiterhin nur von der Post geben.