Direktor Roman: ČEZ will Leader beim zukünftigen Betrieb von Elektroautos sein

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Unsere Umwelt wird zunehmend vom immer dichter werdenden Kraftverkehr belastet. Die Preise für Benzin und Diesel, die Antriebsstoffe für Motorrad, Pkw und Lkw, werden immer unkalkulierbarer. Was liegt also näher, als für die Zukunft alternative Fahrzeuge zu entwickeln. Zum Beispiel Elektroautos. Die Entwicklung solcher Autos zu fördern und deren serienmäßige Einführung durch infrastrukturelle Maßnahmen auch salonfähig zu machen – dieser Aufgabe stellt sich jetzt das tschechische Energieunternehmen ČEZ.

Wir haben Sie bereits darüber informiert: Der tschechische Energiegigant ČEZ will sich in den nächsten Jahren besonders stark bei der Entwicklung von Zukunftsmobilität engagieren. In Prag und Ostrava / Ostrau sollen darum Elektroautos getestet werden, um sie weiterentwickeln zu können. Die Elektromobile der Gegenwart sind nämlich noch nicht konkurrenzfähig, weiß ČEZ-Generaldirektor Martin Roman:

„Die Elektroautos, die zurzeit auf dem Markt sind, können mit einer Batterieladung nur etwas mehr als 100 Kilometer zurücklegen. Trotzdem gehen wir davon aus, dass modernisierte Elektroautos schon innerhalb der nächsten zehn Jahre ohne weiteres 250 bis 300 Kilometer je Ladung schaffen werden.“

Des Weiteren ist der Kaufpreis der heutigen Elektromobile mit umgerechnet knapp 40.000 Euro nicht attraktiv genug. Auch das ist auf die teure Batterie zurückzuführen:

„Die Batterie kostet heutzutage zwischen 200 und 250.000 Kronen. Um diese Summe ist dann auch das Elektroauto teurer als ein handelsüblicher Pkw.“

Umgerechnet acht- bis zehntausend Euro also beträgt der Anschaffungspreis für die Batterie des Elektroautos. Bis jetzt. Generaldirektor Roman ist jedoch zuversichtlich, dass sich das schon bald ändern wird:

„Das ist unbestritten. Ein Handy hat vor 15 Jahren noch 100.000 Kronen gekostet, und jetzt kostet es nur noch 1000 Kronen. Ich denke, dass auch die Technologie des Elektroautos ständig und sehr schnell verbessert wird, so dass die Kosten schon bald gesenkt werden.“

Um diese Entwicklung möglichst rasch voranzutreiben, wird ČEZ bis zum Jahr 2012 eine halbe Milliarde Kronen (knapp 20 Millionen Euro) investieren, in das Projekt „Future/E/Motion“. In Prag und Ostrau werden zunächst 10 bis 20 Elektromobile vom Typ Fiorino Qubo der italienischen Firma Micro-Vett SPA im Alltagsverkehr auf Herz und Nieren getestet. Nach Vorstellung von Martin Roman soll sich ihre Zahl aber noch erhöhen:

„In der ersten Phase werden zunächst nur ein paar Dutzend Fahrzeuge getestet. Die Erweiterung des Fuhrparks wird sehr davon abhängen, wie die Forscher und Techniker die Entwicklung vorantreiben. Sollten einzelne Teile verbessert oder aber die Batterie weit kostengünstiger hergestellt werden können, dann wird es auch dazu kommen, dass noch mehr Elektroautos in Tschechien fahren werden.“

Bis zum Jahr 2012 sollen es rund 100 Fahrzeuge sein, so das ehrgeizige Ziel von ČEZ, dem finanzstärksten Unternehmen der Tschechischen Republik. Damit die Elektroautos ständig fahren und immer weitere Strecken zurücklegen können, muss jedoch auch die erforderliche Infrastruktur aufgebaut werden. Das bedeutet, es müssen möglichst viele Batterie-Ladestationen errichtet werden. Auch das will ČEZ in Angriff nehmen:

„Ganz sicher wollen wir solche Ladestationen errichten. Diese Stationen werden nicht einheitlich sein – es wird Stationen geben, wo es bis zu vier Stunden dauert, ehe die Batterie geladen ist; aber ebenso Stationen, bei denen die Batterie innerhalb von nur zehn Minuten wieder voll ist. Um das zu erreichen, müssen aber erst noch viel bessere Stromanschlüsse geschaffen werden. Wie viele Stationen wir errichten werden, wird ganz davon abhängen, wie gut sich das Projekt entwickeln wird.“

Beim Energiekonzern ČEZ ist man sich jedoch schon heute sicher, mit dem Projekt „Future/E/Motion“ in ein zukunftsfähiges Gebiet zu investieren:

„Wir denken, dass das Elektroauto die Zukunft der Automobilität ist. Zudem ist das Projekt einer der besten Schritte zum Schutz der Umwelt, denn das Batterie betriebene Auto gibt keine Emissionen ab und es ist ein ziemlich geräuschloses Fahrzeug.“

Im gleichen Atemzug fügt Roman an, dass sein Unternehmen eines Tages aus diesem Projekt auch einen großen Nutzen ziehen will:

„Das ist für ČEZ natürlich eine gute Möglichkeit, in Zukunft neue Stromkunden zu gewinnen. Wir werden dann auch nachts mehr Strom liefern können und müssen. Der Vorteil des Elektroautos besteht nämlich darin, dass seine Batterie nach Tagesende mit preiswertem Nachtstrom geladen werden kann.“

Batterie betriebene Autos, die ständig geladen werden müssen, das bedeutet natürlich auch einen steigenden Verbrauch von Elektroenergie. Kann und wird ČEZ dem erhöhten Energiebedarf seiner Kunden gerecht werden?

„Elektroenergie wird es stets genug geben. Allein schon deshalb, weil es unser Ziel ist, im Rahmen anderer Projekte ausreichend Energie einzusparen. Wir arbeiten daran, immer effizientere Technologien zu entwickeln, aufgrund der wir mit Energie besser haushalten können. Von daher noch einmal: Es wird genügend Energie geben.“

In umweltfreundliche Technologien zu investieren, ist nicht zuletzt auch eine gesetzliche Pflicht für ČEZ. Weshalb? Über das modifizierte Verbrauchersteuer-Gesetz erhalten Energieunternehmen in Tschechien die Möglichkeit, einen Teil der Emissionsrechte kostenlos zu erlangen. Im Gegenzug dafür müssen sie Gelder in die Modernisierung der Elektroenergiegewinnung stecken. Diese Regelung wurde jüngst vom Parlament beschlossen.

Energieeinsparungen, neue Technologien oder die Nutzung von erneuerbaren Energien – all das sind Bereiche, denen sich ČEZ in Zukunft noch konsequenter widmen will, um den Energiebedarf weiter zu decken. Andererseits ist dieses Vorhaben nur die halbe Wahrheit. Wie ČEZ in dieser Richtung denkt und handelt, zeigt die Ausschreibung des Konzerns zum Bau zweier neuer Reaktoren im Atomkraftwerk Temelín. Der halbstaatliche Energiegigant veröffentlichte die Ausschreibung am Montag.

Zu Gute halten muss man dem ČEZ-Konzern aber eines: Die Energetiker aus Böhmen und Mähren sind ihrer Konkurrenz fast immer einen Schritt voraus. Auch deshalb, weil sie sich stets hohe Ziele setzen, wie Direktor Martin Roman abschließend versichert:

„Wir wollen eines Tages ganz bestimmt ein Leader sein bei der Sicherstellung der Dienstleistungen für Elektroautos. Und zwar für die gesamte Region, die wir mit Strom beliefern. Wir haben mit Prag und Ostrau begonnen, weil wir primär immer noch eine tschechische Firma sind. In der ersten Phase konzentrieren wir uns auf diese beiden Städte und erst, wenn wir unser Pilotprojekt einer gründlichen Bewertung unterzogen haben, werden wir unser Engagement fortsetzen.“