Ein Jahr nach Havels Tod: Niemand hat ihn vergessen

Václav Havel (Foto: Archiv ČRo 7)

Vor genau einem Jahr starb Václav Havel. Damals trafen sich die Menschen in Tschechien spontan zu Trauermärschen und stellten auf dem Prager Wenzelsplatz Tausende von Kerzen auf. Zum Begräbnis reisten Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt an. Ein Jahr nach seinem Tod wird im In- und Ausland erneut an Václav Havel erinnert.

Václav Havel (Foto: Archiv ČRo 7)
Havel ist auch ein Jahr nach seinem Tod nicht vergessen. In Tschechien wird in dieser Woche an vielen Orten des früheren Präsidenten und Schriftstellers gedacht.

Bereits am Montagabend trafen sich Angehörige und Freunde von Havel in der Annenkirche in Prag: Witwe Dagmar Havlová ließ am Vorabend des ersten Todestages eine Messe lesen. Der Prager Erzbischof Kardinal Dominik Duka erinnerte dabei an den Verdienst Havels um die Freiheit des damaligen tschechoslowakischen Staates:

„Er war ein Symbol dafür, dass das, was nach so vielen Jahren und so vielen Enttäuschungen undenkbar schien, möglich, wahr und wirklich wurde.“



Neon-Herz am Gebäude des Europäischen Parlaments (Foto: ČTK)
Aber auch in Brüssel wurde an den Dichterpräsidenten gedacht, und zwar mit einem roten Neon-Herz des tschechischen Künstlers Jiří David. Ein ähnliches Herz von ihm hatte 2002 für Aufsehen gesorgt. Havel hatte das rot leuchtende Zeichen an der Prager Burg anbringen lassen. Nun war es die Idee des Prager Magistrats, ein Neon-Herz am Gebäude des Europäischen Parlaments anbringen zu lassen. Bis Ende Januar soll es dort nun bleiben, am Montag wurde es im Beisein des Künstlers enthüllt:

„Mich freut das natürlich sehr und mich interessieren die Reaktionen. Als mein Herz im Jahr 2002 in Prag erstrahlte, haben die Menschen – beeinflusst von den Medien und den Politikern - auf das Herz sehr negativ reagiert“, so Jiří David.

Am Montagabend in Brüssel waren die Reaktionen jedoch durchweg positiv. So hatte die Führungsriege des Europaparlaments schließlich die Idee mit dem Neon-Herz unterstützt. Der stellvertretende Parlamentsvorsitzende Oldřich Vlasák gehört der ODS an – also jener tschechischen Partei, die Havels ewiger Gegenspieler Václav Klaus einst gegründet hat. Selbst Vlasák war begeistert:

Havels Gedenkplatte auf dem Sockel der Büste von US-Präsident Wilson (Foto: ČTK)
„Mir persönlich gefällt das Herz am Europaparlament sehr. Es sieht aus, als sei es schon immer hier gewesen.“

An die internationale Bedeutung von Havels Politik erinnert seit Montagabend auch eine neue Gedenkplatte nahe des Prager Hauptbahnhofs. Sie wurde auf dem Sockel der Büste von US-Präsident Wilson angebracht. Die Finanziers sind 250 tschechischstämmige Amerikaner. Robert W. Doubek ist einer von ihnen:

„Václav Havel hat mich stolz darauf werden lassen, dass ich ein Amerikaner mit tschechischen Wurzeln bin.“

Am Dienstag finden viele weitere Gedenkaktionen statt. Zudem haben tschechische Zeitungen Sonderbeilagen gedruckt, in Funk und Fernsehen laufen Sondersendungen. In einem Interview am Dienstagmorgen schilderte Ladislav Špaček, wie er das eine Jahr seit Havels Tod erlebt hat. Špaček war zehn Jahre lang Sprecher des damaligen Staatspräsidenten und sein enger Vertrauter gewesen:

Ladislav Špaček (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Ich habe an jedem einzelnen der 365 Tage seit seinem Tod an Václav Havel gedacht. In meinen Regalen stehen seine Bücher, im Computer habe ich viele seiner Texte gespeichert. Jeden Tag unterschreibe ich Ausgaben des Buches, das ich über ihn geschrieben habe.“