Eishockey-Extraliga beendet schwerste Hauptrunde aller Zeiten

Foto: ČTK / Roman Vondrouš

Die tschechische Eishockey-Extraliga hat am vergangenen Sonntag die ungewöhnlichste Hauptrunde in ihrer bisher 28-jährigen Geschichte abgeschlossen. Und die schwerste obendrein. Zwölf Mannschaften setzen ihren Wettbewerb ab Mittwoch mit den Playoffs fort, für zwei Teams aber ist die Saison seit Montag schon beendet.

Der Madeta Motor České Budějovice bestreitet seine Heimspiele in der Budvar Aréna  (Foto: Czeva,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0)

Wegen der ersten Corona-Welle im Frühjahr vergangenen Jahres wurde die Saison 2019/20 in der Eishockey-Extraliga frühzeitig abgebrochen. Dadurch wurde weder ein Meister ermittelt noch ein Aufsteiger aus der zweiten Liga. Da aber der Verein aus Kladno dem Reglement entsprechend abgestiegen war, musste der freie Platz neu besetzt werden. Der Hauptrunden-Erste der zweiten Liga, Madeta Motor České Budějovice, wurde daher am grünen Tisch in das Oberhaus kooptiert. Doch die große Frage blieb: Sollte man in die neue Saison starten, trotz aller Unwägbarkeiten, die die fortwährende Corona-Pandemie in sich birgt?

Die Vertreter des Liga-Verbands (APK) gingen dieses Wagnis ein, auch wenn sie von führenden Virologen gewarnt wurden. Diese sagten, das Virus könne sich gerade in den heruntergekühlten Eishallen gut verbreiten. Das merkten die Extraligisten dann auch im Juli und August, als mehrere Teams nach positiven Corona-Tests in Quarantäne mussten. Und diese Entwicklung setzte sich zunächst fort, schildert Ligaleiter Josef Řezníček:

Josef Řezníček  (Foto: Barbora Turazová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Auch im September mussten wir wegen Corona-Fällen mehrere Spiele verlegen. Ich schätze, es waren um die 40. Als wir dann aber den überarbeiteten Spielplan vorlegten, haben uns die ständigen Tests vor Rückschlägen bewahrt. Hierbei kamen den Clubs vor allem die Antigen-Tests finanziell sehr entgegen, die im Dezember eingeführt wurden. Die Liga nahm also Fahrt auf, denn es gab wirklich nur noch einzelne Corona-Fälle.“

Nachdem zu Saisonbeginn tatsächlich alle Mannschaften aufgrund einer Vielzahl positiver Testergebnisse in einer mehrtägigen Isolation waren, kam schließlich auch die so erlangte Immunität zum Tragen. Und die habe sich als langfristiger erwiesen als zunächst angenommen, erläutert Řezníček:

Illustrationsfoto: Markus Spiske,  Unsplash / CC0

„Anfangs wurde uns von den Gesundheitsämtern versichert, dass die Spieler durch ihre Infektion eine garantierte Immunität von 90 Tagen erlangt haben. Mittlerweile haben sie diese Grenze längst überschritten, einige Erwägungen sprechen jetzt davon, dass es auch sechs Monate sein können. Meiner Meinung nach haben Profisportler eine höhere Immunität als der Normalbürger. So erkläre ich mir auch, dass die Dauer der Immunität sogar noch länger sein dürfte als ein halbes Jahr.“

Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde die laufende Saison mit einer limitierten Besucherzahl begonnen. Nach dem sechsten Spieltag, der aufgrund von Quarantänen einiger Clubs bereits unvollständig war, aber fanden die Punktspiele dann durchgehend ohne Zuschauer statt. Zudem durfte im zweiten harten Lockdown ab 12. Oktober einen Monat lang überhaupt kein Indoor-Sport betrieben werden. Ab dem 7. November wurden daher alle ausstehenden Punktspiele im Akkord ausgetragen, darunter fünf Spieltage binnen neun Tagen zu Mitte Februar.

Josef Řezníček: „Die Clubs haben durch den Ausfall der Zuschauereinnahmen Verluste im zweistelligen Millionenbereich erlitten. Um die Verluste teilweise auszugleichen, haben sie vom Staat Kompensationszahlungen für das Jahr 2020 erhalten. Daraufhin mussten sie ihren Cashflow und ihre Ausgabenposten so anpassen, dass sie die Saison finanziell überstehen.“

Das größte Problem war und bleibt indes die Finanzierung des gesamten Spielbetriebs. Dafür sei eine ganze Reihe von Einschränkungen nötig gewesen, erklärt Řezníček:

„Dazu haben auch die Spieler beigetragen, indem sie einer Kürzung ihrer Gehälter zugestimmt haben. Die Clubs haben jedoch durch den Ausfall der Zuschauereinnahmen Verluste im zweistelligen Millionenbereich erlitten. Um die Verluste teilweise auszugleichen, haben sie vom Ministerium für Industrie und Handel Kompensationszahlungen für das Jahr 2020 erhalten. Daraufhin mussten sie ihren Cashflow und ihre Ausgaben so anpassen, dass sie die Saison finanziell überstehen.“

Einem Bericht der Tageszeitung „Sport“ zufolge, gingen den Vereinen durch die fehlenden Zuschauer Einnahmen in Höhe von 375 Millionen Kronen (14,4 Millionen Euro) verloren. Vom Staat erhielt die Extraliga 175 Millionen Kronen (6,7 Millionen Euro), bleibt folglich ein Minus von 200 Millionen Kronen (7,7 Millionen Euro). Hinzu kommt, dass die Sponsoren ebenso mehrere Millionen Kronen weniger gezahlt haben. Zum einen argumentierten diese damit, dass sich durch das auf TV-Übertragungen begrenzte Zuschauerinteresse auch der Werbefaktor reduziert habe. Zum anderen dürften auch einige Sponsoren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Laut Řezníček werden alle 14 Vereine die Saison finanziell überstehen. Was aber danach komme, sei noch ungewiss.

Sparta Prag holt zum dritten Male den Präsidenten Cup

Team aus Zlín  (Foto: ČTK / Dalibor Glück)

Gerade wegen der erwarteten wirtschaftlichen Probleme hatte die Ligaleitung im vergangenen Sommer festlegt, dass es in dieser Saison keinen Absteiger geben wird und dass zwölf anstatt wie bisher zehn Mannschaften an den Playoffs teilnehmen werden. Schon relativ früh wurde deutlich, dass die Teams aus Zlín und aus České Budějovice / Budweis diejenigen sind, für die die Saison seit Montag beendet ist. Besonders groß ist die Enttäuschung bei dem in vielen Belangen überforderten Aufsteiger aus Südböhmen. Mit nur 33 Punkten ist Budweis einer der schlechtesten Tabellenletzten der Liga überhaupt. Darüber ist Trainer Václav Prospal merklich verärgert:

„In dieser Saison haben wir sehr viel Frust geschoben. Das waren wir aus dem Vorjahr nicht gewohnt, als wir in der zweiten Liga vorneweg marschiert sind. Der Respekt, den wir uns damit erwarben, hat schließlich dazu geführt, dass wir in die erste Liga aufgenommen wurden. Jetzt aber bin ich sauer und enttäuscht, denn für zwölf Teams geht die Saison weiter, für uns aber nicht.“

Lukáš Rousek: „Der Präsidenten-Cup war ein Ziel, das wir uns vor der Saison gestellt haben. Doch das hauptsächliche Ziel, das wir als Team erreichen wollen, steht noch vor uns.“

Zu den Mannschaften, die ab Mittwoch in den Playoffs um die Meisterschaft kämpfen, gehört auch Sparta Prag. Mit dem HC Oceláři Třinec lieferten sich die Hauptstädter über weite Phasen der Hauptrunde ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen um den Präsidenten-Cup. Mit zwei Punkten Vorsprung entschied Sparta den Zweikampf für sich, so dass die Prager am Sonntag die Trophäe zum nunmehr dritten Male in Empfang nahmen. Nach der Pokalübernahme machte Angreifer Lukáš Rousek indes deutlich, dass er und seine Mitspieler in dieser Spielzeit noch einiges vorhaben:

„Der Präsidenten-Cup war ein Ziel, das wir uns vor der Saison gestellt haben. Doch das hauptsächliche Ziel, das wir als Team erreichen wollen, steht noch vor uns.“

Sparta Prag mit dem Präsidenten-Cup  (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)

Und das ist nichts anderes als der Gewinn des T.-G.-Masaryk-Pokals, der nach dem Play-off-Finale an den neuen Titelträger vergeben wird. Die Meisterschaft haben die Prager das letzte Mal vor 14 Jahren errungen. Umso hungriger sei die Mannschaft jetzt, die begehrte Trophäe wieder an die Moldau zu holen, sagt Kapitän Michal Řepík. Verteidiger Adam Polášek verweist jedoch darauf, dass die Playoffs in diesem Jahr ganz speziell sind:

„Die Playoffs sind ein ganz anderer Wettbewerb als die Punktspiele. Das ist ein harter Kampf um jeden Sieg. Und in diesem Jahr kommt hinzu, dass wir vor leeren Rängen spielen werden. Auch wenn wir uns in der Hauptrunde in gewisser Weise an diesen Zustand gewöhnt haben: Jetzt in den Playoffs werden uns die Zuschauer sehr fehlen.“

Jan Tomajko  (Foto: Petra Ševců,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Dennoch steht für alle zwölf Playoff-Teilnehmer fest, wer die Favoriten im Titelrennen sind. Der Trainer des HC Olomouc, Jan Tomajko, nennt sie ohne Umschweife:

„Sparta Prag und Třinec sind gewiss die größten Favoriten. Viel wird jedoch davon abhängen, wer gut in Form ist und welchen Einfluss das Fehlen von verletzten Spielern haben wird.“

Für Ligaleiter Josef Řezníček haben indes noch zwei weitere Mannschaften gute Titelchancen:

Jan Tomajko: „Sparta Prag und Třinec sind gewiss die größten Favoriten. Viel wird jedoch davon abhängen, wer gut in Form ist und welchen Einfluss das Fehlen von verletzten Spielern haben wird.“

„Ich würde auch Liberec dazuzählen, denn die Nordböhmen verstehen es, die Playoffs zu spielen. Mein Geheimfavorit ist aber Mladá Boleslav. Die Autostädter haben ein starkes und reifes Team, das sehr gut harmoniert.“

Die genannten vier Mannschaften belegten in der Hauptrunde die Plätze eins bis vier, damit sind sie bereits für das Viertelfinale qualifiziert. Ihre Gegner werden in der Playoff-Vorrunde ermittelt, in der es ab Mittwoch zu diesen Paarungen kommt: Pilsen – Olomouc, Hradec Králové – Litvínov, Pardubice – Karlovy Vary und Vítkovice – Brünn. In die nächste Runde ziehen die vier Teams ein, die zuerst drei Spiele gewonnen haben. Die Runde der besten Acht beginnt am 18. März. Ab dem Viertelfinale kommen jene Mannschaften weiter, die ihren Gegner viermal besiegt haben.

Autoren: Lothar Martin , Marek Augustin , Petr Kadeřábek , David Kalvas
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