Eishockey-Extraliga startet in neue Saison unter dem Corona-Diktat

Tomáš Král (rechts) und Josef Řezníček (Foto: Vít Šimánek / ČTK)

Lange wurde darüber gerätselt, ob die tschechische Eishockey-Extraliga trotz Corona-Krise in die Saison 2020/21 gehen wird. Der nationale Verband (ČSLH) und der Ligaverband (APK LH) haben aber immer beteuert: Wir wollen pünktlich zu Mitte September beginnen. Und an diesem Donnerstag ist es soweit: Die Extraliga startet in ihre 28. Saison.

Dem Start der neuen Spielzeit in der Eishockey-Extraliga sind mehrere Krisensitzungen in den Gremien der beiden Verbände vorausgegangen. Am vergangenen Donnerstag erklärte dann der Direktor der Extraliga, Josef Řezníček:

Josef Řezníček (Foto: Tschechisches Fernsehen)

„Die Clubs haben es so beschlossen, und es bleibt dabei: Die Extraliga beginnt laut Spielplan am 17. September. Dann werden wir sehen, was uns das bringt.“

Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass sich das Coronavirus bei mehreren Teams gleichzeitig einnistet. Dann könnte es wegen möglicher Quarantäneanordnungen für einzelne Spieler oder ganze Mannschaften zu vielen Spielausfällen kommen. Doch selbst auf ein solches Szenario sei man vorbereitet, sagt der Chef des tschechischen Eishockey-Verbandes, Tomáš Král:

Tomáš Král (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„In einem solchen Fall würden wir uns in zwei oder drei Monaten damit befassen, ob wir die Anzahl der Punktspiele in der Hauptrunde nicht reduzieren. In Absprache mit den Clubs könnten wir dann beispielsweise früher mit den Playoffs beginnen, als es der Spielplan vorsieht.“

Ansonsten aber bleibt Tomáš Král ein Optimist, der für seinen Sport eine Lanze bricht:

„Ich glaube fest daran, dass wir diese Saison in irgendeiner Weise meistern. Das Wichtigste jedoch ist, dass wieder Eishockey gespielt wird und dass die Menschen etwas Zerstreuung haben. Dabei tut auch nichts zur Sache, ob sie sich die Spiele in begrenzter Zahl in den Arenen anschauen oder im Fernsehen. Denn meiner Meinung nach hat die Bedeutung des Sports in diesen Zeiten noch zugenommen.“

Tomáš Král: „Ich glaube fest daran, dass wir diese Saison in irgendeiner Weise meistern. Das Wichtigste jedoch ist, dass wieder Eishockey gespielt wird und dass die Menschen etwas Zerstreuung haben. Dabei tut auch nichts zur Sache, ob sie sich die Spiele in begrenzter Zahl in den Arenen anschauen oder im Fernsehen.“

Eine der Bedingungen der 14 Extraligisten war, dass sie vom Saisonbeginn an wieder vor Zuschauern spielen dürfen. Diese Frage hatte das Gesundheitsministerium schon im Frühsommer beantwortet: Es ließ den Besuch von Veranstaltungen in größerer Zahl erneut zu, wenn die jeweiligen Ausrichter die Zuschauer in mehreren separaten Sektoren unterbringen können. Für Veranstaltungen in Gebäuden gilt dabei die Regel: Zehn Sektoren mit bis zu 500 Besuchern sind erlaubt. Im Eishockey wurden sogar noch ein paar Zugeständnisse mehr gemacht. So darf Sparta Prag in seine 17.000 Menschen fassende O2-Arena bis zu 8000 Besucher hineinlassen. Letztlich wurde den Vereinen erlaubt, zwischen 46 und 62 Prozent ihrer Stadionkapazitäten auszulasten. Doch die Ungewissheit darüber, ob wegen Corona nicht mehrere Spiele ausfallen, hat sich zumindest bei einigen Vereinen auch im Kartenvorverkauf niedergeschlagen. Petr Handl ist der Geschäftsführer des HC Vítkovice:

Petr Handl (Foto: HC Vítkovice)

„Anhand der Informationen, die wir von den anderen Clubs der Extraliga haben, sieht es ganz so aus, dass wir der Verein sind, der am wenigsten treue Fans hat. Von den anderen war zu hören, dass die Nachfrage nach Dauerkarten in etwa so groß sei wie in der vergangenen Saison, bei einigen sei sie sogar höher. Wir aber verzeichnen einen Rückgang von fast 50 Prozent gegenüber der vergangenen Saison, was uns natürlich wurmt.“

Etwas enttäuscht über den Ticketvorverkauf zeigte sich auch der neue Kapitän der Mannschaft, Roman Polák:

„Ich muss zugeben, dass mich das ein wenig überrascht. Vermutlich spüren die Ostrauer Fans die Auswirkungen des Coronavirus nicht nur im Umfeld des Clubs, sondern auch im persönlichen Bereich. Möglicherweise aber warten einige noch etwas ab, wie sich das Ganze entwickelt, und kaufen sich erst später eine Dauerkarte.“

Roman Polák (Foto: Sarah Connors / CC BY 2.0)

Der 34-Jährige ist vor der Saison aus Nordamerika zurückgekehrt. In der NHL spielte er zuletzt für die Dallas Stars, die derzeit um den Stanley Cup kämpfen. Doch nicht nur ist Ostrava / Ostrau blicken die Fans noch etwas skeptisch auf die unter dem Corona-Diktat stehende neue Saison. Dita Ondrejková ist die Sprecherin des HC Oceláři Třinec:

„Wir haben bisher weniger Jahreskarten verkauft als in der vergangenen Saison. Das schreiben wir jedoch der Unsicherheit zu, mit der die Menschen kämpfen. Kaum einer will derzeit Geld für einen größeren Zeitraum im Voraus investieren. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr haben wir 3500 Dauerkarten abgesetzt, vor dieser Saison sind es bisher 2500. Das bedeutet ein Minus von 1000 Tickets. Die Menschen fürchten eben, dass Spiele ausfallen könnten.“

Dita Ondrejková: „Wir haben bisher weniger Jahreskarten verkauft als in der vergangenen Saison. Das schreiben wir jedoch der Unsicherheit zu, mit der die Menschen kämpfen. Kaum einer will derzeit Geld für einen größeren Zeitraum im Voraus investieren.“

Doch gerade in Třinec sollte die Begeisterung schnell wachsen. Denn die Mannschaft aus dem südschlesischen Zipfel des Landes geht bereits mit einem Erfolgserlebnis in die neue Saison. Als Ersatz für die Corona-bedingte Streichung vieler internationaler Turniere wurde in Tschechien nach zehn Jahren der nationale Pokalwettbewerb wieder eingeführt. Im Finale setzte sich Třinec in zwei Spielen gegen den HC Dynamo Pardubice durch. Nach dem Hinspiel, das Třinec vor eigenem Publikum mit 3:0 gewann, sagte Angreifer Filip Zadina:

„Es war ein Erlebnis, endlich vor unseren Fans spielen zu können. Sie haben uns nach vorn gepeitscht, und ich kann nur bestätigen: Mit ihnen im Rücken lässt es sich besser spielen. Von daher bin ich glücklich, dass wir gewonnen haben.“

Filip Zadina (Mitte) Foto: ČTK/Taneček David

Im Rückspiel am Samstag in Pardubice reichte der Mannschaft aus der Stahlwerksstadt ein 3:3-Unentschieden, um sich die Trophäe und 800.000 Kronen (30.000 Euro) Siegprämie zu sichern. Der Slowake Tomáš Marcinko ist Stürmer im Team von Třinec:

„Die vielen Spiele, die wir im Pokalwettbewerb gewonnen haben, sind erfreulich, auch wenn wir wissen, dass die wirkliche Saison erst in einer Woche beginnt. Doch es war gut, dass die Vorbereitungsspiele in dieser Turnierform ausgetragen wurden. Von dieser wettkampfnahen Praxis werden wir noch profitieren.“

Beim unterlegenen Team aus Pardubice hielt sich der Ärger über die finale Niederlage in Grenzen. Einen Grund dafür nennt Kapitän Jakub Nakládal:

„Der Pokal hat einen gewissen Reiz, weil es um etwas geht. Und aus den Gesprächen, die ich mit vielen geführt habe, weiß ich, dass jeder diesen Wettbewerb begrüßt.“

Das Finale hatten Třinec und Pardubice jeweils kampflos erreicht, weil ihre Gegner – Plzeň / Pilsen und Liberec / Reichenberg – wegen einiger Corona-Fälle in Quarantäne mussten. Das fand unter anderem Dynamos Stürmer Vladimír Svačina ziemlich schade:

Vladimír Svačina (Foto: Zoner60, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

„Liberec wäre ein Gegner gewesen, der uns bestimmt auf Herz und Nieren geprüft hätte, denn die Nordböhmen sind eine der besten Mannschaften der Liga. Eben aus diesem Grund ist es ärgerlich, dass wir nicht gegen sie antreten konnten. Doch wegen der bekannten Umstände ist das leider nicht zu ändern.“

Auf der anderen Seite stellte Svačina klar, dass der Generali Česká Cup eben doch nur einen Teil der Saisonvorbereitung darstellt:

„Am Wichtigsten ist, dass wir gut in die neue Saison starten. Deshalb gilt unser größtes Augenmerk schon jetzt dem Auftaktspiel in Liberec. Gegen Třinec bestreiten wir zwar ein Finale, aber um ehrlich zu sein: Dabei geht es noch nicht um sehr viel. Es werden noch keine Punkte vergeben, die uns im späteren Saisonverlauf eventuell fehlen könnten. Deshalb beginnt für uns die Saison erst richtig mit der Hauptrunde.“

Und wie von Svačina schon erwähnt, bestreitet die Mannschaft aus Pardubice ihr Auftaktspiel am Freitag mit der Auswärtspartie in Liberec / Reichenberg.

Die erste Begegnung der neuen Saison aber wird schon am Donnerstag ausgetragen. Dabei muss das Team Mountfield HK aus Hradec Králové / Königgrätz beim Aufsteiger aus České Budějovice / Budweis antreten. Der Vorstandsvorsitzende des Moutfield HK, Miroslav Schön, ist bereits voller Vorfreude:

„Ich glaube, dass sich unser Überzahlspiel mit dem Zugang von Vladimír Růžička, dem gleichnamigen Sohn unseres Trainers, verbessern wird. Zudem denke ich, dass Kelly Klíma seinem Bruder Kevin nacheifern und neben den schnellen Stürmern Aleš Jergl und Jordann Perret unser Spiel weiter beschleunigen wird. Wenn wir dann noch unsere Chancen besser als bisher nutzen und Torwart Marek Mazanec sich in bester Verfassung zeigt, dann können wir uns wirklich auf eine tolle Saison freuen.“

Miroslav Schön: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Sterblichkeitsrate das grundlegende Kriterium ist. Wenn die Krankheit aber einen milden Verlauf hat oder sogar ohne Symptome abläuft, sehe ich keine Grund, weshalb wir die Arenen schließen sollten.“

Andererseits verhehlt Schön auch nicht, dass man in der neuen Saison wegen der Corona-bedingten Einschränkungen auf alles gefasst sein müsse. Deshalb habe er sich einen entsprechenden Notfallplan zurechtgelegt:

Foto: Petr Kraus, Archiv HC Mountfield České Budějovice

„Ich rechne selbstverständlich eher mit einem schlechteren als mit dem besseren Ausgang. Das heißt, selbst wenn die Saison den schlimmsten Verlauf nimmt, den man sich vorstellen kann, ist der Club vorbereitet. Wir werden den wirtschaftlichen Unwägbarkeiten so entgegentreten, dass der Mountfield HK nach der Saison nicht am Ende ist.“

Miroslav Schön ist dafür bekannt, Dinge kritisch zu hinterfragen und Probleme beim Namen zu nennen. Zur anhaltenden Corona-Pandemie sagt er:

„Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Sterblichkeitsrate das grundlegende Kriterium ist. Wenn die Krankheit aber einen milden Verlauf hat oder sogar ohne Symptome abläuft, sehe ich keine Grund, weshalb wir die Arenen schließen sollten. Dazu muss man sich nur vergegenwärtigen, wie viele Menschen jedes Jahr zu den Eishockey-Spielen kommen, obwohl sie einen grippalen Infekt haben.“

Bleibt abschließend nur zu hoffen, dass weder das Corona- noch ein Grippevirus den Aktiven wie auch den Zuschauern der Extraliga in dieser Saison etwas anhaben wird.

Autor: Lothar Martin
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