Eishockey: Kometa Brünn sorgt für Sensation in den Play-offs

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Seit knapp zwei Wochen brennt es wieder, das Eishockeyfieber, das jedes Jahr im März nahezu überall in Tschechien um sich greift. Der Grund liegt auf der Hand: In diesen Tagen und Wochen werden die Play-offs zur nationalen Meisterschaft ausgespielt, bei denen die zahlreichen Fans in Scharen in die Arenen strömen. Denn dort wird körperbetontes, leidenschaftliches und packendes Eishockey geboten, das viele von den Sitzen reißt. Das ist auch diesmal nicht anders. Und eine Sensation hat es auch schon gegeben.

Jakub Kovář (Budweis), Daniel Špaček (Liberec) und Roman Němeček (Budweis). Foto: ČTK
Ja, sie hallen wieder laut und rhythmisch unterm Hallendach, die Anfeuerungsrufe der tschechischen Eishockeyfans. Und die, die Sie gerade gehört haben, waren die Sprechchöre zweier Siegerteams: Bílí Tygři Liberec und HC Kometa Brünn. Im Play-off-Viertelfinale haben beide Mannschaften ihre Best-of-seven-Serien gegen Mountfield Budweis beziehungsweise Sparta Prag gewonnen und sich damit für die Vorschlussrunde des Titelkampfes qualifiziert.

Die Weißen Tiger aus Liberec hatten es am eiligsten. Für ihre vier Siege über den Gegner aus Budweis benötigen sie nur fünf Begegnungen. Nach den beiden sehr torreichen Heimspielen, die 4:3 für Liberec und 6:4 für Budweis endeten, fuhren die Tiger in der Fremde ihre Krallen aus. In den zwei Partien in der südböhmischen Moldaustadt verteidigten sie ihr Revier mit allen Kräften und gingen jeweils als Sieger vom Eis – in Spiel drei mit 1:0 und im vierten Match mit 3:1.

Jan Holub (oben, Liberec) und Pavel Kašpařík (Budweis). Foto: ČTK
Eine Serie im Modus Best of seven ist erst dann entschieden, wenn eine Mannschaft vier Spiele gewonnen hat. Die Ausgangslage vor der fünften Partie vergangenen Freitag in Liberec war folglich klar: Mit einem weiteren Sieg würden die Weißen Tiger die Hürde Budweis überqueren und direkt ins Halbfinale springen. Vor 7500 Zuschauern in ihrer schmucken Tipsport Arena haben die Gastgeber zunächst alle Mühe, die tapferen Südböhmen auf Distanz zu halten. Gut sechs Minuten vor der Schlusssirene zum dritten Drittel aber führen sie mit 2:1, bevor in der 54. Spielminute ein weiterer Treffer fällt…

Petr Nedvěd (Foto: ČTK)
Es war das Tor zum 3:1-Endstand und damit auch der letzte Treffer in der Serie, die Liberec mit 4:1 gewann. Torschütze Petr Nedvěd sank danach vor Freude auf die Knie. Vor Journalisten gab er nach der Partie dann auch preis, was er in diesem Moment gefühlt habe:

„Natürlich war das ein Supergefühl und vor allem, es war nicht mehr viel Zeit zu spielen. Von daher haben wir gespürt, dass wir das Spiel schon zu einem erfolgreichen Ende führen können.“

Petr Nedvěd, der 15 Saisons in der nordamerikanischen NHL spielte, ist zwar schon 40 Jahre alt, von seinem großartigen Können aber hat er noch fast nichts eingebüßt. In den Duellen mit Budweis markierte er fünf Tore und zwei Assists, hatte also maßgeblichen Anteil am Erfolg der Nordböhmen. Für ihn selbst am wichtigsten aber war, dass seine Mannschaft aus der 4:6-Niederlage im zweiten Match die richtigen Lehren gezogen hatte:

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„Natürlich haben wir das zweite Spiel anhand des Videos gründlich ausgewertet. Das war auch notwendig, denn wir führten schon 3:1, haben den Vorsprung aber im letzten Drittel noch aus der Hand gegeben. Danach waren allen klar: Mit solch einer Defensivleistung kommen wir nicht weiter. Es hat gefruchtet, denn in Budweis haben wir zwei Supervorstellungen geboten, und das war für mich auch der Schlüssel zum Erfolg in der Serie.“

Nedvěds Pendant als Kapitän auf der Budweiser Seite, Verteidiger František Ptáček, antwortete zu den Gründen für die Niederlage seines Teams nur kurz und knapp:

Bílí Tygři Liberec (Foto: ČTK)
„Wir haben zu wenig Tore geschossen und für mich hat der Gegner auch mit mehr Hingabe gespielt.“

Petr Nedvěd aber, dem ein Mannschaftstitel in seiner großartigen Karriere bisher noch fehlt, stellte abschließend noch einmal klar:

„Ich denke, dass wir verdient gewonnen haben. Andererseits aber muss gesagt werden, dass das klare Ergebnis von 4:1 für uns darüber hinwegtäuscht, wie eng es eigentlich auf dem Eis zuging.“


Kometa Brünn (Foto: ČTK)
Wesentlich deutlicher sollte es der Papierform nach indes bei der Paarung zwischen Sparta Prag und Kometa Brünn zugehen. Denn in diesem Duell trafen zwei Mannschaften aufeinander, die nach den Punktspielen am weitesten auseinander lagen: Sparta schloss die Vorrunde mit 107 Punkten als Erster ab, Brünn folgte erst 32 Zähler dahinter auf Platz 8. Die Play-offs allerdings sind ein völlig neuer Wettbewerb, in dem diese Unterschiede merklich schwinden, zumal auch die Spielweise eine andere ist. Es geht härter und unnachgiebiger zur Sache, und auch die Anspannung ist um einiges höher, denn jeder Fehler, der gemacht wird, kann über das Aus oder Weiterkommen in einer Runde entscheiden. Daher waren die Fans aus Brünn auch guter Hoffnung, dass ihre Mannschaft den favorisierten Pragern durchaus ein Bein stellen kann. Die Vorfreude auf das pikante Duell war jedenfalls groß bei den Messestädtern, denn die vordem letzte Play-off-Teilnahme der Brünner liegt schon 25 Jahre zurück. Daran erinnert sich Fan Aleš Karásek, der damals sehr jung war, auch heute noch ganz genau:

Jakub Svoboda (Kometa), Tomáš Pöpperle (Sparta) und Troy Milam (Sparta). Foto: ČTK
„Ich war hellauf begeistert, als feststand, dass wir nach langer Zeit endlich wieder in den Play-offs sind. Ich habe nämlich auch das letzte Viertelfinale von Brünn mit eigenen Augen erlebt, das war vor 25 Jahren, als wir gegen Košice gespielt haben. Das Heimspiel haben wir damals mit 3:2 nach Verlängerung gewonnen, letztlich aber war Košice besser und Brünn ist ausgeschieden. In dieser Saison bin ich sehr positiv überrascht und umso erfreuter, dass ich nun zum zweiten Mal in der Geschichte mit Brünn die Play-offs erleben darf.“

Und die Play-offs haben Aleš Karásek und die anderen Fans aus Brünn bisher sehr genossen. Vor allem deshalb, weil ihre Mannschaft gerade jetzt in Topform ist und der Konkurrenz das Fürchten lehrt. Als Achter der Vorrunde musste Brünn zwar zunächst in die Pre-Play-offs, übersprang die Hürde Kladno aber souverän und sicher mit 3:0 Siegen. Und erst recht das Viertelfinalduell mit Sparta Prag war für die Brünner Fans die reinste Freude.

Kometa-Fans (Foto: ČTK)
Gleich 18 Mal durften die Kometa-Fans ein Tor ihrer Lieblinge bejubeln und dazu noch in sechs Begegnungen vier Siege feiern. Zwar lagen die Blau-Weißen nach drei Partien mit 1:2 im Hintertreffen, dank ihrer tollen Moral und ihres großen Siegeswillen zwangen sie die Prager dann jedoch dreimal in die Knie. Somit gewannen sie die Serie mit 4:2, was angesichts der unterschiedlichen Ausgangspositionen beider Teams als Sensation gewertet wird. Für Tomáš Divíšek, den starken Center der Brünner, der zwei Tore und vier Assists zum Triumph beisteuerte, aber war es keine Sensation. Seiner Meinung nach hatte der Erfolg viele Väter:

Tomáš Divíšek (Kometa), Tomáš Pöpperle (Sparta), Jan Hanzlík (Sparta) und Tomáš Svoboda (Kometa). Foto: ČTK
„Ein Fels in der Brandung war unser Torwart Jiří Trvaj, der phantastisch gehalten hat. Wir agierten in Tornähe etwas besser als Sparta, zudem haben wir im eigenen Drittel besser verteidigt und nur wenige Chancen für Sparta zugelassen. Sparta spielt zwar ein schön anzuschauendes Eishockey, wir aber haben mehr Kämpfernaturen in unserem Team. Darum haben wir auch das für die Play-offs typische Eishockey gespielt, und das hat die Serie entschieden.“

Eine ähnliche Analyse zog nach der Serie auch Josef Jandač, der Trainer der unterlegenen Prager:

„Wir wussten schon im Vorfeld, dass wir auf einen sehr starken Gegner treffen. Brünn war sehr stark in der Defensive, hatte einen perfekt haltenden Torhüter und gute Center, die das Spiel ihrer Mannschaft geprägt haben. Von daher ist das Weiterkommen der Brünner auch verdient.“

Radek Philipp (Sparta), Josef Kováčik (Kometa) und Jiří Trvaj (Kometa). Foto: ČTK
Das steht für die Kometa-Fans ganz außer Frage. Im Gegenteil: Jetzt, nach dem Husarenstreich im Viertelfinale, träumen die meisten von ihnen bereits vom Titel. Zu ihnen gehört eine etwas ältere Dame, für die der Eishockeyverein HC Kometa auch eine Art Lebenselixier ist:

„Das hat selbst Jaromír Jágr nach unserem Sieg in Kladno gesagt: Wenn Brünn so weiter macht, dann kann Kometa auch den Titel holen. Und wir glauben unserem tschechischen Eishockeyidol.“

Am Dienstagabend hat sich mit dem HC ČSOB Pojišťovna Pardubice die dritte Mannschaft für das Halbfinale qualifiziert. In einer packenden Serie mit dem HC Vítkovice Steel, die nach sechs Begegnungen 3:3 stand, gewannen die Elbestädter das entscheidende siebte Spiel in einem wahren Thriller mit 5:4 nach Verlängerung. Der vierte und letzte Semifinalist wird am Mittwoch in der Partie zwischen Pilsen und Zlín ermittelt.

Autor: Lothar Martin
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