Eishockey-WM: Hat Radio Prag einseitig berichtet?
Ein Thema dominiert das heutige Hörerforum: die Eishockey-WM, die im Mai in Prag ausgetragen wurde. Anhand der kritischen Anmerkungen eines unserer Leser erörtern wir die Frage, wie Radio Prag über die Meisterschaft und insbesondere über die russische Mannschaft berichtet hat.
Wie heißt der höchste Berg in Tschechien, und wie hoch ist er?
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Zunächst geht ein Dank an all jene, die uns Briefe, E-Mails und Empfangsberichte geschickt haben. Wir wollen uns heute einer Zuschrift ausführlich widmen, die wir aus Hamburg bekommen haben. Auch sie betrifft die Eishockey-WM, die im Mai in Prag ausgetragen wurde. Dieses Sportereignis ist daher das Hauptthema unserer heutigen Sendung. Rene Senenko hat uns eine Mail auf unseren Nachrichten-Newsletter vom 19. Mai geschickt. Seine kritischen Bemerkungen beziehen sich auf die Berichterstattung über die Eishockey-WM und die Informationen über das Verhalten der russischen Mannschaft:„Ich lese Ihre Nachrichten in Deutsch sehr häufig und gerne. Die Mitteilung über das Verhalten der russischen Eishockeymannschaft ist unklar. Sie schreiben, die Russen hätten viele Probleme mitgebracht. Welche denn? Hat es mit den Sanktionen zu tun? Wurde die Mannschaft wegen des in Tschechien sehr verbreiteten Russenhasses in irgendeiner Weise benachteiligt? Wo lag das Hotel für die Mannschaft? Weshalb werden russische Stellungnahmen zu den Vorfällen mit keiner Silbe erwähnt? Wenn es keine russische Stellungnahme dazu gibt, sollten Sie das erwähnen. Mir kommt diese Art von Berichterstattung sehr einseitig vor. Auch Ihre Mitteilung, das Assoziierungsabkommen der EU mit der Ukraine würde zum Frieden führen, ist doch im Hinblick, dass gerade dieses Abkommen ja zum Krieg geführt hat, nicht befriedigend.“ Mein Kollege Lothar Martin war während der gesamten WM direkt vor Ort dabei. Deswegen habe ich ihn um eine Stellungnahme zur Kritik von Herrn Senenko gebeten.
Lothar, der Leser unseres Newsletter beschwert sich in einer E-Mail darüber, dass wir über die russische Teilnahme an der Eishockey-WM in Prag und Ostrava / Mährisch Ostrau einseitig berichtet hätten. Du warst bei der WM dabei, hast regelmäßige Berichte geliefert. Kannst du dazu etwas sagen?
„Ich habe mit Petr Bříza selbst gesprochen, und der hat mir glaubhaft versichert, dass es keine einzige Mannschaft gab, die bei der Weltmeisterschaft irgendetwas beklagt habe, Schwierigkeiten bereitet habe, außer der russischen Mannschaft. Laut der Aussage von Petr Bříza – wie gesagt, er war Organisationschef für Prag – haben in der Vorrunde acht Mannschaften in Prag gespielt, alle haben in einem und demselben Hotel gewohnt, sie haben sich alle sehr lobend darüber geäußert, über das Essen, über die Verpflegung, über den Transport, alles hat gestimmt und die Mannschaften haben sich top verstanden. Nach der Vorrunde kamen die zwei besten Mannschaften der Vorrunde aus Ostrau nach Prag, das waren die Mannschaften der USA und aus Russland. Die Mannschaft der Amerikaner hat ebenfalls keine Beanstandungen gehabt, hat sich nahtlos eingefügt, war auch zufrieden, nur die russische Mannschaft hat Extrawürste gebraten bekommen. Das muss man klar so sagen, denn bereits in Ostrau hatten die Russen eine eigene Unterkunft, die einige Kilometer von Ostrau entfernt war, in der kleinen Ortschaft Kravaře. Dort hat ein sehr renommierter tschechischer Eishockey-Experte und -Trainer seine eigene Eishockey-Halle. Da konnte die russische Mannschaft sogar trainieren, wann sie wollte. Ihnen wurden also Sonderwünsche erfüllt, und das wollten sie wahrscheinlich auch in Prag bekommen. Sie haben dieses Hotel, wo alle anderen neun Mannschaften geschlafen haben, beanstandet und mussten ein eigenes, neues Hotel bekommen. Petr Bříza hat gesagt, das habe dem Organisationskomitee natürlich Schwierigkeiten bereitet, die Sicherheitsvorkehrungen auch dort aufrechtzuhalten. Denn extra für die russische Mannschaft mussten eigene Sicherheitskräfte abbestellt werden, um sie entsprechend zu beschützen und bewachen.“
Der Hörer stellt eine konkrete Frage: Wurde die Mannschaft wegen des in Tschechien sehr verbreiteten Russenhasses in irgendeiner Weise benachteiligt?„Also so eine Frage, ich kann schon sagen Unterstellung, kann ich ganz klar verneinen. Denn diese russische Mannschaft hat sich auch bei der Finalniederlage gegen Kanada fehlverhalten. Sie hat nämlich die Eisfläche verlassen, noch bevor die Siegerehrung durchgeführt werden konnte. Es ist nach den IHF-Regeln gegebenes Gesetz, dass die Mannschaften auf dem Eis bleiben und dem Sieger die entsprechende Anerkennung zollen. Die russische Mannschaft hat die Eisfläche bereits zuvor verlassen. Man kann es leider nicht anders sagen. Sie haben sie sich in der Weise verhalten, wie sie sich verhalten haben. Ich glaube, es ist kein Russenhass im Spiel gewesen.“
Wir haben somit die Frage von Herrn Senenko beantwortet. Gab es eine russische Stellungnahme nach der Weltmeisterschaft, zu der aufgekommenen Kritik?„Was das Verlassen der Eisfläche betraf, da hatte sich der Präsident des russischen Eishockeyverbands, Wladislaw Tretjak, anfangs geäußert, dass die Veranstalter einen Fehler begangen hätten. Sie hätten die Bande geöffnet, weshalb die russische Mannschaft geglaubt habe, dass sie die Eisfläche nun verlassen müsse. Das war aber ein bisschen scheinheilig, praktisch um das eigene Fehlverhalten zurückzuweisen. Erst zwei, drei Wochen später hat ein russischer Funktionär bekannt gegeben, ja, es sei ein Fehler gewesen und man werde auch die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft ziehen. Zum Beispiel den Trainer, der dafür hätte sorgen müssen, dass die Mannschaft auf Eis bleibt. Hier wurde also viel heiße Luft gemacht. Man hätte sich vorher schon ein bisschen reumütiger zeigen können und sagen, jawohl, wir haben die Niederlage nicht verkraftet, wir haben uns nicht richtig verhalten, das tut uns leid. Aber das kam erst etwas später.“
Vielen Dank, Lothar, für deine Ausführungen!„Vielleicht darf ich abschließend noch eine kleine Bemerkung zu dem machen, was ich anfangs gesagt habe. Nämlich dass wir als Medium vor allen Dingen Meinungen weiterreichen. Dieser Hörer hat uns nämlich auch geschrieben: ‚Auch Ihre Mitteilung, das Assoziierungsabkommen der EU mit der Ukraine würde zum Frieden führen, ist doch im Hinblick, dass gerade dieses Abkommen ja zum Krieg geführt hat, nicht befriedigend‘. Das Zitat, auf das er anspielt, endet folgendermaßen: ‚Das erklärte der tschechische Außenminister Lubomír Zaorálek am Dienstag nach dem Treffen mit seinem ukrainischen Amtskollegen Pawlo Klimkin in Prag‘. Wir transportieren also diese Meinungen, es sind nicht explizit die Meinungen von Radio Prag.“
Und das war’s für heute. Wir bedanken uns für alle Zuschriften, bitte schreiben Sie uns weiter. Unsere Adresse lautet: Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Und für die elektronische Post: [email protected]. Alles Gute und auf Wiederhören in zwei Wochen!







