Im Briefkasten: Von Antonín Dvořák über heilige Zdislava bis zu Hurvínek

Der Diebstahl und die Wiederentdeckung des Schädels der hl. Zdislava, die finanzielle Beihilfe für Studierende in Tschechien und die diesjährige Eishockey-Weltmeisterschaft. Unter anderem um diese Themen geht es im heutigen Hörerforum.

Wir möchten heute ein paar Ihrer Fragen beantworten, zum Auftakt hören Sie aber unsere Preisfrage für den Juni. Also:

In welchem Jahr ging Radio Prag ins Netz und begann, Nachrichten in allen Sendesprachen auf seiner Website zu veröffentlichen? Wir helfen: Es war zwei Jahre, nachdem Tschechien an das Internet angeschlossen wurde.

Ihre Antworten schicken Sie bitte bis Ende dieses Monats an [email protected]. Die Namen der Sieger finden Sie nach der Verlosung auf unserer Website.

Sinfonie „Aus der neuen Welt“ | Foto: public domain

Im Mai hatten wir nach dem Stationskennzeichen gefragt, das der Prager Auslandssender in der Zwischenkriegszeit und dann wieder nach der Wende von 1989 nutzte. Das Signal basierte auf einer Melodie aus Antonín Dvořáks Symphonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der Neuen Welt“.

Den richtigen Namen der Symphonie schickte uns unter anderem Johann Zehetner aus Deutschland, der einen Sachpreis von uns bekommt. Herzlichen Glückwunsch!


Vielen Dank jenen Hörerinnen und Hörern, die bisher auf unseren Aufruf reagiert haben, uns über ihre Beziehung zu Radio Prag International zu berichten, und freuen uns auf weitere Zuschriften und Aufnahmen. Kai Weber hat seinen Beitrag zu „Sie haben das Wort!“ sogar als Video aufgenommen, das wir bald auf unserer Website veröffentlichen. Er schreibt dazu:

„Dass Sie uns Hörerinnen und Hörern das Wort erteilen, das mag zwar aus Anlass des 90-jährigen Jubiläums geschehen, hilft Ihnen aber hoffentlich auch für die nähere Zukunft, in der es gilt, Ihr Programm auch unter widrigen Umständen zu finanzieren – und das hoffentlich ohne Qualitätseinbußen.“

Auch wir hoffen darauf, vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Ein kleines Wunder

Martina Pohl aus Überlingen kommentiert die dramatischen Ereignisse, deren Gegenstand im Mai die wertvolle Reliquie der heiligen Zdislava war. Zur Erinnerung: Der Schädel der Heiligen wurde aus der Basilika in Jablonné v Podještědí gestohlen, vom Täter in Beton gegossen, aber von der Polizei erfolgreich gerettet und bereits an seinen Platz zurückgebracht. Frau Pohl schreibt:

„Es ist schon ein starkes Stück, mit welcher Dreistigkeit der Dieb zum Schädel der Heiligen Zdislava Zugriff erlangt hat. In der Zwischenzeit hat er diesen auch noch in Beton gegossen. Zum großen Glück konnte er sein Vorhaben, diesen in einem Fluss zu begraben, nicht mehr ausführen, da die Polizei ihn vorher festnahm. Es ist schon erstaunlich, was in den Menschen so alles vorgeht. Dass von der heiligen Zdislava, der großen Wohltäterin, ihr mittlerweile 800 Jahre alter kostbarer Schädel – nach diesem Vorfall – fast unbeschadet wieder da ist, grenzt vielleicht doch an ein kleines Wunder.“

Übrigens: Am vergangenen Samstag fand in Jablonné v Podještědí eine Wallfahrt zur heiligen Zdislava statt. Diese bot die letzte Gelegenheit, die wertvolle Reliquie zu sehen. Denn der gerettete Schädel wird nicht mehr in der Vitrine in der Kirche ausgestellt, sondern in das Grab der Heiligen gelegt, das sich in der Krypta der Basilika befindet.

Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus hat mit Interesse den Bericht über die Reise des tschechischen Außenministers nach Deutschland gelesen, wie er schreibt:

„Thema Nummer 1 für ihn war ja der zu Pfingsten stattfindende Sudentendeutsche Tag. Im Beitrag haben Sie eine Abkürzung verwendet, die die Regierung derzeit nicht offen ausspricht: NGO. Dieser Begriff scheint das neue Feindbild in Europa zu sein. Mich würde es nicht wundern, wenn nach Pfingsten der Kampf gegen die NGOs in Tschechien verstärkt wird.“

Kürzlich entdeckt habe er den Podcast „Sechsmal Tschechien“, den er mal hören werde, schreibt Lutz Winkler weiter. Und…

Illustrationsfoto: Alois G. Auinger,  Pixabay,  Pixabay License

„Aus dem Bereich Wirtschaft berichteten Sie, dass die tschechische Regierung nach Jahrzehnten wieder Meisterprüfungen einführt. Die Pro-Argumente kann ich gut verstehen: Qualitätsstandards, Verbraucherschutz usw. Allerdings bin ich bei den Kosten stutzig geworden: Umgerechnet 1240 Euro für einen Meistertitel ist sicherlich sehr herausfordernd für die Handwerker. Zumal ja die Zeit und der Umsatzausfall auch noch hinzukommen. In Deutschland ist das ähnlich – allerdings haben einige Bundesländer das Meister-Bafög eingeführt, um die Ausbildung auch finanziell zu unterstützen und eine gewisse Angleichung an das Bafög für Studierende zu schaffen. Gibt es eigentlich in Tschechien auch finanzielle Unterstützung für Studierende?“

Finanzielle Beihilfe für Studierende

In Tschechien gibt es kein direktes Äquivalent zum deutschen BAföG-System, also kein einheitliches staatliches System zinsloser Darlehen in Kombination mit Lebenshaltungskostenbeihilfen für Studierende. Das tschechische Modell der Förderung basiert hauptsächlich darauf, dass das Studium für Vollzeitstudierende gebührenfrei ist (bei Einhaltung der Regelstudienzeit plus einem Jahr). Zudem gibt es Steuererleichterungen für Eltern, die die Studierenden finanziell unterstützen, und zwar bis zum 26. Lebensjahr des Kindes.

Bei finanziellen Schwierigkeiten kann man verschiedene Einzelbeiträge an der jeweiligen Universität in Anspruch nehmen, dies betrifft aber wirklich nur Familien mit sehr wenig Geld. Wenn das Einkommen der Familie unter dem Anderthalbfachen des Lebensminimums liegt (im Falle von zwei Elternteilen und einem Studierenden entspricht es einer Summe von 18 000 Kronen, also 740 Euro), kann der Studierende ein Sozialstipendium beantragen. Die Höhe des Beitrags liegt bei mindestens 4330 Kronen pro Monat (180 Euro). Die Karlsuniversität in Prag gewährt in solchen Fällen zum Beispiel ein Stipendium in Höhe von 6000 Kronen (250 Euro).

Zudem wird unter bestimmten Voraussetzungen ein Stipendium für die Unterkunft gewährt, seine Höhe variiert je nach Universität und beträgt im Durchschnitt 600 bis 700 Kronen (25 bis 28 Euro) pro Monat. Und in einem größeren Umfang als in Deutschland haben tschechische Studierende die Möglichkeit, in einem Studentenwohnheim unterzukommen.

Andreas Mütze aus Neukirch hat wegen der  Kürzungsvorhaben bei Radio Prag International einen Artikel auf der Website der Ackermann-Gemeinde gelesen, in dem aus einem Themenzoom zitiert wird, in dem unser Redaktionsleiter Till Janzer die Lage erläutert hatte. Herr Mütze schreibt dazu:

„Bemerkenswert darin finde ich, dass Radio Prag International monatlich circa 340.000 Nutzer hat und davon der deutschsprachige Dienst allein schon 130.000 bis 140.000. Das spricht doch dafür, dass Ihr Programm nicht nur gut, sondern auch beliebt ist. Gerade am Montag berichteten Sie in Ihren Nachrichten von Tausenden Menschen, die in der Prager Innenstadt gegen die geplante Medienreform demonstriert haben. Vielleicht können wir gemeinsam doch noch auf Einsicht hoffen.“

Und auch noch eine Anmerkung zu einen ganz anderen Thema hat Andreas Mütze. Er geht auf die Eishockey-Weltmeisterschaftszeit zurück, die am Sonntag in der Schweiz zu Ende ging:

Tschechien - Finnland | Foto: Radek Petrášek,  ČTK

„Deutschland hat seine Chance, ins Viertelfinale zu kommen, verpasst. Dafür ist es Tschechien gelungen. weiterzukommen und muss im Viertelfinale gegen Finnland antreten. Ich drücke Ihrer Mannschaft die Daumen, dass sie wieder erfolgreich ist. Ja, und vielleicht gelingt ihr sogar die Wiederholung des Titelgewinns wie vor zwei Jahren. Tschechien war im Eishockey schon immer eine Institution. Ich kann mich noch gut an die spannenden Weltmeisterschaften in den 1970er und 1980er Jahren erinnern. Neben der Sowjetunion und Kanada war die Tschechoslowakei eines der weltweit besten Teams. Tschechien und die Slowakei haben beide starke Mannschaften, wobei die Slowakei ebenso wie Deutschland jetzt nach der Vorrunde ausgeschieden ist. Ich bin auf den weiteren Turnierverlauf gespannt und hoffe auf ein großartiges Abschneiden der Tschechen.“

Na ja, vielen Dank, Herr Mütze. Tschechien ist zwar eine Runde weiter als Deutschland gekommen, doch starb aber jede Hoffnung im Spiel gegen den späteren Weltmeister Finnland.

Tschechischer Tag gegen Krebs

Johannes Raufeisen lebt seit einigen Jahren in Prag und verfolgt Radio Prag International sehr gerne, um über aktuelle Themen auf dem Laufenden zu bleiben, wie er berichtet.

Foto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk

„Vielen Dank für ihre gute journalistische Arbeit! Heute ist mir etwas begegnet, was die letzten Jahr wohl an mir vorbeigegangen ist: Am 13. Mai ist tschechischer Tag gegen Krebs. Überall in Prag, insbesondere an Metrostationen und größeren Plätzen, stehen Freiwillige (auch Schüler?) und verteilen gegen eine Spende von 20 Kronen gelbe Narzissenanstecker. Eine sehr schöne Geste, wie ich finde. Und sie hat wirklich viel Anklang gefunden, wie ich gerade auf meinem Weg zur Arbeit festgestellt habe. Vielleicht lohnt es sich, darüber zu berichten? Etwas Vergleichbares ist mir aus Deutschland nicht bekannt.“

Danke für den Tipp und Wunsch, Herr Raufeisen. Der sogenannte „Blumentag“ ist tatsächlich sehr beliebt, es handelt sich um die älteste Spendensammlung hierzulande überhaupt. Sie wurde in diesem Jahr zum 30. Mal organisiert. Und wie Sie richtig schreiben, sind hauptsächlich Schülerinnen und Schüler in gelben T-Shirts dabei in den Städten unterwegs, um die Spenden zu sammeln. Eine kleine Korrektur: Die gelben Blumen, die sie dann verteilen, sind keine Narzissen, sondern Ringelblumen. Gleichzeitig finden viele Veranstaltungen im öffentlichen Raum statt, die zum Ziel haben, die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und über die Möglichkeiten der Prävention und Früherkennung zu informieren.

Wie heißt Hurvíneks Kameradin Mánička?

Und zum Schluss noch eine lockerere Frage, die aber eigentlich schwer zu beantworten ist. Wir haben sie auf Facebook erhalten. Die Frage betrifft das bekannte Puppentheater von Spejbl und Hurvínek. Übrigens hat der Bube Hurvínek im Mai seinen 100. Geburtstag gefeiert. Henry Peters aus Berlin schreibt dazu:

Foto: Tschechisches Fernsehen

„Ich habe schon seit geraumer Zeit eine Frage im Kopf: das ‚Divadlo S&H‘ besteht ja aus diesen Figuren Josef Spejbl (Vater), Hurvínek Spejbl (Josefs Sohn), Žeryk (Hund im Hause Spejbl), Mánička (Hurvíneks Kameradin) und Kateřina Hovorková (Máničkas Großmutter). Gibt es Informationen zum Familiennamen von Mánička? Theoretisch könnte sie ja auch eine Hovorková sein? Aber es lässt sich leider nicht ohne Weiteres herausfinden. Wäre es Ihnen möglich, mir zu helfen?“

Leider kaum, Herr Peters. Der Familienname der Mánička wird tatsächlich nirgendwo offiziell genannt. Obwohl das Mädchen ja Kateřina Hovorková als bábinka anspricht, was Oma bedeutet, ist auch das Familienverhältnis zwischen ihnen nicht ganz klar. Manchmal wird angeführt, dass Mánička ein Ziehkind und Kateřina Hovorková ihre Ziehmutter sei. Jedenfalls ist die Figur Mánička mehr als 40 Jahre älter. Die Puppe erschien 1930 erstmals neben ihrem Schulfreund Hurvínek. Kateřina Hovorková beziehungsweise bábinka stand erst 1971 erstmals auf der Bühne.


Schreiben Sie uns bitte weiter! Unsere Adresse lautet: Radio Prag International – Deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Oder Sie schicken eine E-Mail an: [email protected].

schlüsselwörter:
abspielen

Verbunden