Erziehung zum Nationalstolz? – tschechische Jugend diskutiert auf Deutsch

Foto: Archiv des Wettbewerbs

Ob in Russland, Polen, Lettland oder Litauen: Der Wettbewerb „Jugend debattiert international“ findet auch in acht Ländern Mittel- und Osteuropas statt. Tschechien gehört zum fünften Mal dazu. Am Donnerstag kam es im Prager Musikmuseum zum diesjährigen Finale auf Landesebene. Der Sieger darf dann zum großen internationalen Finale fahren.

Vier Besten des Wettbewerbs (Tomáš Schwarz ganz rechts). Foto: Archiv des Wettbewerbs

Tomáš Schwarz ist der glückliche Sieger, der Tschechien beim internationalen Finale „Jugend debattiert“ vertreten wird. Am Mittwoch hat sich der Schüler aus Rumburk / Rumburk in Nordböhmen gegen seine drei Mitstreiter durchsetzen können. Dementsprechend freut er sich nun auf den finalen Wettstreit mit Jugendlichen aus anderen Ländern:

„Ich debattiere gerne, ich streite mich gerne in meinem persönlichen Leben. Deswegen macht mir das Debattieren sehr viel Spaß.“

Insgesamt 415 Schüler an 22 Schulen in Tschechien hatten sich für den diesjährigen Wettbewerb beworben. Bei den Vorentscheiden wurden die vier Besten für das Finale auf Landesebene ausgewählt. Die Regeln sind immer gleich. Debattiert werden Themen, die gesellschaftspolitisch relevant sind – das alles natürlich in Deutsch. Vor der Debatte wird ausgelost, wer die Pro- und wer die Contra Seite vertritt. Das Finale am Mittwoch wurde durch Detlef Lingemann, dem deutschen Botschafter in Prag, eröffnet. Er unterstützt den Wettbewerb gerne:

„Projekte wie ‚Jugend debattiert’ sind wichtig, um zu lernen, sich schon in jungen Jahren mit verschiedensten Gruppen auseinanderzusetzen. Sich eine eigene Meinung zu Themen in Politik und Wirtschaft zu bilden und auch zu lernen, die Meinung des Anderen zu respektieren und mit ihr anders umzugehen.“

Nach den Eröffnungsreden wurde es spannend. Die vier Finalisten betraten die Bühne. Tomáš Schwarz und Jan Mazáč vertraten die Contra-Seite, Kamila Abrahamová und Iva Kostelacová das Pro. Die Debatte, die sich in drei Runden gliederte dauerte insgesamt fünfzehn Minuten. Überschritten die Teilnehmer die vorgegebene Redezeit, klingelte der Zeitwächter. Das Thema der Debatte am Mittwoch: „Soll in Tschechien die Erziehung zum Nationalstolz in den Lehrplänen verankert werden?“

Foto: Archiv des Wettbewerbs

„Ich denke, dass das Fach dazu beiträgt, sich mit seinem Land, also Tschechien, besser identifizieren zu können und insbesondere Schülern anderer Nationen ein besseres Verständnis für das Land zu vermitteln. Aus dem Grund spreche ich mich für den Gedanken aus, die Erziehung zum Nationalstolz in den Lehrplänen zu verankern“, so Kamila Abrahamová.

Doch die Contra-Seite hielt dagegen. Tomáš Schwarz:

„Ich sehe keine Möglichkeit, die Schüler in solch einem Fach zu benoten. Es gäbe keine Richtlinien, nach denen Vorträge, Klausuren oder Projekte bewertet werden könnten. Deswegen bin ich gegen die Einführung des Faches ‚Erziehung zum Nationalstolz’, weil ich glaube, dass die Tschechen auch ohne dieses Fach bei wichtigen Sachen zusammenhalten.“

Dieses und weitere Argumente überzeugten die Jury. Zusammen mit dem Sieger darf auch Jan Mazáč, der den zweiten Platz belegte, im Oktober zum internationalen Finale nach Litauen fahren. Dort treffen alle Landessieger Mittel- und Osteuropas aufeinander.