Es brodelt und werfelt wieder

Lenka Reinerova
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Prags letzte deutschschreibende Autorin Lenka Reinerova gemeinsam mit Ex-Botschafter Frantisek Cerny und dem Germanisten Kurt Krolop haben es schon lange geplant: Ein Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren. Nun hat seine erste Veranstaltung stattgefunden. Renate Zöller sprach mit der Geschäftsführerin des Literaturhauses Lucie Cernohousova über den Abend und die nächsten Pläne.

Lenka Reinerova
Ein mächtiges Aufgebot hatte das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren an seinem ersten Veranstaltungsabend zusammengestellt: Die Grand Dame des Abends, die Schriftstellerin Lenka Reinerova, leitete den Abend ein. Dann hielt Professor Hanns Dieter Zimmermann, der Herausgeber der Übersetzungsreihe "Tschechische Bibliothek" einen Vortrag zum Thema "Es brodelt und werfelt und kischt.". Anschließend diskutierte er mit Kurt Krolop, Milan Tvrdik und Jiri Stromsik vom Germanistischen Institut Prag und Frantisek Cerny, dem ehemaligen tschechischen Botschafter in der BRD, über die deutschsprachige Literatur in Böhmen. Dabei ging es vor allem darum, den Zuhörern einmal vor Augen zu führen, wie breit gefächert diese Literatur war, dass sie keineswegs nur an Kafka festzumachen sei, wie Professor Zimmermann betonte. Und dass es noch eine Menge unerforschter Teilgebiete gibt, wie Professor Krolop aufmunterte. Lucie Cernohousova erklärt, der Abend habe genau die Ziele des Literaturhauses präsentiert:

"Das Literaturhaus stellt sich zum Ziel zu zeigen, wie es früher in Prag war und welche Autoren auf Deutsch geschrieben haben und dass es eben nicht nur tschechische Literatur hier gibt sondern auch in anderen Sprachen, die von hier stammt. Und dass das dann nicht nur Franz Kafka ist, sondern auch viele andere Autoren."

In diesem Bestreben steht Literaturhaus noch am Anfang, denn bisher ist seine Finanzierung noch nicht völlig klar und auch die Räumlichkeiten, in denen es untergebracht ist, sind nur vorübergehend zur Verfügung gestellt worden. Daher war die Veranstaltung durchaus auch darauf ausgerichtet, Institutionen und mögliche Unterstützer anzusprechen, sagt Cernohousova:

"Eigentlich stand im Hintergrund dieser Veranstaltung die Hoffnung, dass wir dadurch auch eine bessere Position für Verhandlungen gegenüber der Stadt und anderen Vertretern haben. Wir begrüßen das sehr, dass viele Institutionen wie etwa das Goethe-Institut uns unterstützen. Das Goethe-Institut war auch unser Partner bei der Veranstaltung. Auch der Zukunftsfond war vertreten und die deutsche Botschaft. Momentan, muss ich sagen, haben wir mehr Unterstützung von der deutschen Seite als von der tschechischen."

Franz Kafka
Neugierige gab es aber gleichermaßen tschechische und deutsche. So viele waren es, dass einige wegen Platzmangel abgewiesen werden mussten. Die, die es geschafft hatten, einen Platz zu ergattern, waren sehr zufrieden mit dem Abend, so Cernousova:

"Auf alle Fälle gab es positive Resonanz. Die Leute sagten, dass es eine wichtige Veranstaltung war und dass da viele Impulse gegeben wurden, die weiterhin diskutiert werden müssten oder dass es gut wäre, wenn sie noch diskutiert werden. Und das ist für uns wiederum der Anstoß für andere Veranstaltungen."

Dabei wird es vor allem auch um die unbekannteren Autoren gehen. Der Star Prags, Franz Kafka, darf aber natürlich auch nicht ganz fehlen:

"Unsere nächste Veranstaltung ist schon bald, am 12. 6., ein literarisch-musikalischer Abend zu Metapherbildern von Franz Kafka in seinen Briefen an Milena und der Titel des Abends ist 'Dabei lieb ich doch gar nicht dich'. Ich würde gerne alle Zuhörenden ganz herzlich einladen. Es findet um 19 Uhr in der Literarni kavarna in der Retezova Straße statt."

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