Evakuierungsflüge aus Israel: Prag und Bratislava arbeiten zusammen
Zahlreiche Tschechen sind in Israel, wollen aber nach Hause. Seit Freitag, als der Konflikt mit dem Iran begann, ist der israelische Luftraum geschlossen. Das bedeutet auch, dass es aktuell keine Flüge zurück aus dem Land gibt. Deswegen fliegt Tschechien nun seine Staatsbürger über Ägypten aus und arbeitet zudem für die Rettung Weiterer mit der Slowakei zusammen.
Am Montagmorgen fuhren Busse aus Tel Aviv zur Grenze von Israel mit Ägypten. An Bord: tschechische Bürger, die in Sicherheit gebracht werden sollen. Dazu hat die Regierung in Prag ein Flugzeug nach Ägypten geschickt, weil der israelische Luftraum seit Freitag geschlossen ist. Details über diesen Evakuierungsflug wurden zunächst geheim gehalten – aus Sicherheitsgründen. Im Laufe des Tages hieß es dann, dass der Flieger um 20 Uhr in Scharm-al-Scheich starten soll. Cyril Bumbálek ist stellvertretender tschechischer Botschafter in Israel:
„Unter den Evakuierten herrscht eine gewisse Erleichterung, dass sie nun die Möglichkeit haben auszureisen. Schon am Abend werden sie zurück in Tschechien sein.“
Das Interesse daran, aus Israel nach Tschechien zu gelangen, sei größer gewesen als die Kapazitäten des Flugzeugs, sagt Bumbálek weiter. Laut dem Reiseregistrierungssystem Drozd des Außenministeriums in Prag befanden sich zuletzt 144 tschechische Bürger in Israel, aber nur 70 konnten nun evakuiert werden. Daher blieben einige zurück. Das ist auch der Fall von Jana Maleková. Sie schilderte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks die Situation vor Ort:
„Es ist hier nicht gerade sicher. Die ganze Nacht sind wir wach und gehen dreimal in den Bunker. Wenn wir die Detonationen mitbekommen, die auch im Bunker zu hören sind, dann ist das für mich und meine zwei Kinder nicht angenehm.“
Maleková hofft daher nun, in einen weiteren Evakuierungsflug aufgenommen zu werden. Bumbálek sagte allgemein dazu, weitere Tschechen hätten sich mit diesem Anliegen bei der diplomatischen Vertretung gemeldet.
„Sie wollen ausgeflogen werden. Diese Informationen leiten wir nach Prag weiter. Dort wird dann entschieden, wie vorgegangen werden soll. Es gibt mehrere Möglichkeiten, entweder über unsere Kapazitäten oder durch Flüge von Partnerländern. So hilft die Slowakei bei der Evakuierung von tschechischen Bürgern aus Jordanien“, so der stellvertretende Botschafter.
Aus der jordanischen Hauptstadt Amman startete am frühen Montagnachmittag bereits ein slowakisches Flugzeug, das auch mehrere Tschechen nach Bratislava brachte.
In der Nacht auf Freitag hatte Israel mit einem Großangriff auf den Iran begonnen, wobei Atomanlagen und militärische Einrichtungen des Landes bombardiert und zahlreiche ranghohe Militärs getötet wurden. Damit soll verhindert werden, dass das Regime in Teheran eine Atombombe bauen kann. Der Iran reagierte mit Vergeltungsangriffen und attackiert Israel seitdem mit Raketen und Drohnen. Insgesamt forderte dies bereits 23 Todesopfer, mehrere hundert weitere Menschen wurden verletzt.
Die tschechische Botschafterin in Israel, Veronika Kuchyňová Šmigolová, betonte allerdings gegenüber der Presseagentur ČTK, dass die bisherigen Opfer der iranischen Angriffe alle außerhalb der Schutzbunker starben. Außerdem funktioniere der öffentliche Verkehr in Israel weiterhin – wenn auch in eingeschränkter Weise. Es bestehe also immer noch die Möglichkeit, auf dem Landweg in die Nachbarstaaten Jordanien und Ägypten zu kommen, so Kuchyňová Šmigolová. Die Botschafterin sprach zugleich davon, dass die israelischen Behörden noch für die nächsten Wochen mit Angriffen aus dem Iran rechnen.
Am Sonntag telefonierte der tschechische Premier Petr Fiala (Bürgerdemokraten) mit seinem israelischen Amtskollegen. Benjamin Netanjahu habe ihm die Lage geschildert, sagte anschließend der Regierungschef aus Prag. Wie Fiala über den Kurznachrichtendienst X mitteilte, hoffe er auf eine Schwächung aller radikalen und terroristischen Organisationen im Nahen Osten:
„Es ist im Interesse der ganzen internationalen Gemeinschaft, dass sich die Lage vor Ort beruhigt und dort – wenn möglich – ein langfristiger Frieden einkehrt. Bis dahin ist es zwar noch weit, aber es müssen alle Schritte in die Richtung unternommen werden. Sicher ist der Iran, der zu den Ländern gehört, die terroristische Bewegungen unterstützen, eine der Quellen der Unsicherheit und der Probleme.“
Tschechien ist ein enger Partner Israels. Sowohl Premier Fiala als auch Außenminister Jan Lipavský (parteilos) haben seit Freitag großes Verständnis geäußert für das militärische Vorgehen des Landes gegen die Atompläne des Iran.







