"Fafl" - In Liberec feiert man den Kurzfilm

Filmproduktion hat in Tschechien eine lange Tradition. Und wer kennt sie nicht, die Helden des tschechoslowakischen Films, wie Pan Tau, Aschenputtel, der Maulwurf oder Lucie, der Schrecken der Straße mit ihren Knetkumpels. Das sind zumeist Produktionen der berühmten Prager Barrandov-Studios gewesen. Dass man aber auch am Rande der Republik Drehbücher schreibt, verfilmt und ganze Filmfestivals feiert, das zeigt zum Beispiel das Liberecer Kurzfilmfestival. Es heißt schlicht "Fafl" - Festival der Amateur-Filme Liberec. Christian Rühmkorf war dabei.

Die Jury; Regisseur Petr Palous (in der mitte) und Marek Sykora (rechts von ihm)
Ein Plattenbau. Ein Morgen mit Kater, ein Wecker, der zu früh und zu laut klingelt, ein schöner Traum, der zerplatzt. Der Tag läuft gnadenlos an, ein Tag mit allem, was das Leben so zu bieten hat, von der Entlassung bis zum Hausdrachen, den man irgendwann einmal geheiratet hatte. Das sind die Erlebnisse der papierartig gestalteten Trickfilmfigur, die für nicht länger als 15 Minuten die Hölle auf Erden erlebt. "To je zivot napsala" - "Eine Geschichte, die das Leben schrieb", der Titel des Publikumslieblings in Liberec. Einer von den 18 Filmen, die beim diesjährigen Amateurfilmfestival "Fafl" Ende April im nordböhmischen Liberec über die Leinwand liefen.

Er mache das jetzt seit zwei Jahren. Entstanden sei das Festival aber schon vor mehreren Jahren und zwar als das ´Königliche Filmfestival im Kleinen Theater´ in Liberec, erklärt Marek Sykora. Er ist Schauspieler am "Naiven Theater" in Liberec und zusammen mit einem Kneipenwirt und einem freischaffenden Künstler ist Marek der Hauptorganisator des Amateur-Filmfestivals in Liberec. Wie kommen sie an die Wettbewerbsbeiträge?

"Wir sprechen unsere Freunde an und wir haben eine Webseite. Und auf diese Art und Weise sind in diesem Jahr insgeamt 18 Filme zusammengekommen. Und das nicht nur aus dem Liberecer Kreis. Dabei sind Filme aus Pilsen, aus Zlin, aus Prag und sogar zwei französische Kurzfilme. Es könnte also sein, dass das nächste Jahr schon ein internationales Filmfestival wird. Angekündigt haben sich schon ein Film aus Portugal und einer aus Deutschland. Wir würden gerne mehr daraus machen als eine regionale Veranstaltung."

Außergewöhnlich in diesem Jahr, sagt Marek Sykora, ist die große Zahl von Trickfilmen.

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"Das war für uns in diesem Jahr sehr erstaunlich. Es wurden Kurzspielfilme und Trickfilme eingereicht und die hielten sich die Waage. Wir können heute also beides immer im Wechsel vorführen. Ich hätte selber nicht gedacht, dass es so viele Trickfilm-Amateure gibt."

Welche Bedingungen müssen die Wettbewerbsbeiträge erfüllen? Eingereicht werden können Spielfilme, Dokumentationen mit Spielfilmcharakter, Trickfilme oder auch künstlerisch-abstrakte Filme. Die Streifen dürfen nicht länger als 15 Minuten sein und der Filmemacher muss Amateur sein - ein Liebhaber des Kurzfilms also. Und bei Liebhabern ist die Atmosphäre immer entspannt. In den Pausen gibt es gesponsortes Bier für nur 10 Kronen und die berühmt-berüchtigten tschechischen Klobasy - Grillwürste - die gibt es sogar umsonst. Petr Palous genießt die Pause mit einem Bier in der Hand. Er ist Regisseur am Liberecer Theater "F.X. Saldy". Beim Kurzfilmfestival ist er einer der fünf Juroren. Ihm gefällt gerade der regionale Charakter des Festivals. Eine Ausweitung des Rahmens, wie Organisator Marek Sykora es möchte, sieht er etwas skeptischer:

"Aber das ist eine Frage, mit der wir uns noch befassen müssen, weil in diesem Jahr auch Beiträge aus anderen Teilen der Republik dabei waren. Trotzdem: Noch hat das Festival regionalen Charakter und wir müssen uns fragen, ob es sinnvoll ist, den Rahmen des Filmfestivals zu vergrößern und daraus eine Riesenaktion zu machen. Gerade die intime, die familiäre Atmosphäre dieses Filmfestivals ist sehr angenehm und so ist das eigentlich auch gut."

Wird er also auch im nächsten Jahr wieder als Juror dabei sein? "Wenn der Herrgott es einrichtet, na klar!" lacht Petr Palous. Nach über vier Stunden mit den Kurzstreifen und einer schillernden Ideen- und Themenpalette steht der Sieger des diesjährigen Festivals fest: Den Preis für den besten Film gewinnt der Titel "Smich" - das Lachen. Ein Werk des Prager Kurzfilm-Liebhabers Petr Vodicka.

Ob er es aufgewärmt wolle? Fragt die Verkäuferin des kleinen Imbissladens gelangweilt den jungen schüchternen Mann, der eben - seine Aktentasche vor die Brust geklemmt - freudlos 200 Gramm Lachen bestellt hat. Am Tisch öffnet er die kleine Papiertüte, zögert und schüttet dann mit einem Ruck den Inhalt aus. Im Handumdrehen steht er auf einer Frühlingswiese, schlägt Purzelbäume, klettert auf Bäume, jagt hinter einem munteren Mädchen her und - lacht, lacht in vollen Zügen. Bis die Tüte leer ist. Aus der kurze Lachgenuss. Der Mann steht auf und verlässt mit versteinerter Miene das Lokal. Die Verkäuferin sieht ihm mit leerem Blick nach, gleitet mit der Hand in die leere Papiertüte. Ein Krümel. Sie leckt ihren Finger ab. Für den Bruchteil einer Sekunde huscht die Idee eines Lächelns über ihre Mundwinkel. Dann wieder Leere. Und - Schnitt!

Der Film "Smich" gewinnt einen Fafl oder eine Faflova, ein kleines Strichmännchen oder - fräulein aus Ton. Der Liberecer Oskar eben. Er wird in insgesamt 13 Kategorien verliehen. Als alle Fafls und Faflovas an den Mann und die Frau gebracht sind, eröffnet Organisator Marek Sykora die After-Party mit Live-Musik und Tanz bis in die Morgendämmerung. Fafl - ein Filmfest in der Region.