Regiedebüts, Märchen und Mads Mikkelsen auf der Leinwand: Filmfestival Scandi beginnt
Eine Auswahl von neuen Filmen aus Skandinavien wird in den nächsten Tagen in 43 Kinos in ganz Tschechien gezeigt. Anlass bietet das Festival Scandi, das am Mittwoch feierlich in Prag eröffnet wird.
Zwölf Filmproduktionen aus Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden sind bei der zwölften Auflage vom Scandi zu sehen. Ist die Zahl zwölf ein Zufall? Der Kreativdirektor des Festivals, Dominik Hronec, sagte gegenüber Radio Prag International:
„Die Zahl der Filme ist immer ein Zufall. Wir sind bemüht, etwa elf bis 13 Produktionen zu zeigen. Das ist eine ideale Zahl. In diesem Jahr ist eine Rekordzahl von 43 Kinos dabei. Das Festival dauert acht Tage lang. Mehr Produktionen als zwölf wären für die kurze Zeit zu viel. Das Scandi findet vom 14. bis zum 21. Januar statt. Anschließend sind die Filme im Rahmen der Festivalechos bis Ende Februar zu sehen.“
Bereits zwei Jahre vor dem Festival beginnt Dominik Hronec mit der Suche nach Produktionen für das Scandi-Festival. Die Auswahl beende er einige Monate vor dem Veranstaltungsbeginn, erzählt er und nennt ein Beispiel:
„Den Film ,Den sidste viking‘ (,Therapie für Wikinger‘) vom dänischen Regisseur und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen haben wir schon vor einer langen Zeit ausgesucht und für das Scandi gekauft. 2024 wurde beim Festival in Cannes angekündigt, dass der Film gedreht wird. Wir hatten an einem Abend die Möglichkeit, das Drehbuch zu lesen und haben uns anschließend schnell entschieden, den Film zu kaufen. Denn es war klar, dass er sehr gefragt sein wird. Es freut mich sehr, dass es uns immer wieder gelingt, Jensens Filme mit Mads Mikkelsen zu zeigen. In der Vergangenheit waren das beispielsweise ,Helden der Wahrscheinlichkeit‘ und ,Blinkende Lichter‘. Die ,Therapie für Wikinger‘, die in diesem Jahr zu sehen ist, ist eine sehr bizarre Geschichte mit schwarzem Humor. Es ist einfach ein Film über komplizierte Familienbeziehungen.“
Dominik Hronec hält die „Therapie für Wikinger“ für einen der erfolgreichsten Filme von Regisseur Jensen. Außer Mads Mikkelsen spielt in dem Film ein weiterer international bekannter dänischer Schauspieler: Nikolaj Lie Kaas. Er ist unter anderem als Kommissar Carl Mørk aus der Dezernat Q-Krimiserie bekannt geworden.
Laut Hronec sind die skandinavischen Länder imstande, den Filmemachern stark unter die Arme zu greifen.
„Ich denke, dass sich die Staaten und die Investoren um ihre Filmregisseure kümmern. Sie bieten zudem oft auch neuen Filmschaffenden Raum. Jedes Jahr haben wir bei unserem Festival eine Mischung von bekannten Namen und von Debütantinnen und Debütanten.“
In diesem Jahr werden beim Scandi mehrere Filme gezeigt, die von Frauen gedreht wurden. Am berühmtesten von ihnen ist zweifelsohne die dänische Schauspielerin und Regisseurin Paprika Steen, die auch von den tschechischen Filmfans geschätzt wird. Dominik Hronec:
„Paprika Steen bleibt allein dank ihrem Vornamen im Gedächtnis. Als Schauspielerin ist sie einem breiten Publikum bekannt. Sie erlebte eine erfolgreiche Zeit gleich zu Beginn ihrer Filmkarriere, Mitte der 1990er Jahre, als die dänischen Filmregisseure Lars von Trier und Thomas Vinterberg das Manifest ‚Dogma 95‘ für ihre Produktion von Filmen unterzeichnet haben. Paprika Steen spielte in ihren Produktionen mit, egal ob es Vinterbergs Film ,Das Fest‘ war oder Triers Film ,Idioten‘. Steen ist eine sehr dynamische Schauspielerin, die mehr als 70 Filme auf dem Konto hat. In den letzten zehn Jahren fing sie selbst mit der Regie an. Mit so vielen Erfahrungen hat sie, denke ich, das Recht darauf. Sie entwickelte ihre eigene Filmsprache. Diese ist in der schwarzen Komödie über ein misslungenes Weihnachtsfest mit dem Titel ,Alle Jahre wieder‘ gut zu erkennen. Wir zeigen ihren neuesten Film ,Das neue Jahr‘.“
Der Film läuft auch unter dem englischen Titel „To New Beginnings“. Paprika Steen schildert darin das Treffen alter Freunde an Silvester. Sie erinnern sich an einen verstorbenen Freund. Dessen ehemalige Freundin stellt den Anwesenden ihren neuen Partner vor, der sich in der Gesellschaft jedoch ein wenig ungeschickt benimmt und unpassende Fragen stellt. Er bewegt die Gruppe von Freunden dazu, über ihre Beziehungen nachzudenken.
Die norwegische Regisseurin Nina Knag hat in der Vergangenheit einige Kurzfilme und eine Fernsehserie gedreht. Ihr erster abendfüllender Film entstand im vergangenen Jahr. Er heißt „Don’t Call Me Mama“. Darin spielt unter anderem die norwegische Schauspielerin Pia Tjelta, die letztes Jahr beim Internationalen Filmfestival in Karlovy Vary / Karlsbad für ihre Leistung den Preis für die beste Darstellerin erhielt. Dominik Hronec sagt über Knags Film:
„Es ist ein sehr authentisches, überzeugendes Debüt mit vielen emotionalen Schichten und einer glänzenden Dynamik zwischen den beiden Hauptpersonen. Die beliebte Lehrerin und Frau des Bürgermeisters Eva ist Ende vierzig und lebt in einer norwegischen Kleinstadt. Weil sie ihren Mann im Wahlkampf unterstützen will, hilft sie in einem Asylzentrum. Dort unterrichtet sie Flüchtlinge. Unter ihnen ist auch ein junger Mann, der ein begabter Dichter ist. Eva ist von ihm bezaubert. Es ist ein Drama über eine verbotene Liebe, die die Protagonisten vor eine moralische Probe stellt. Der Film bietet eine Reflexion über die Heuchelei, die sich als Großzügigkeit tarnen kann. Die Hauptdarstellerin Pia Tjelta wird nach der Filmvorstellung im Prager Kino Edison online an einer Diskussion mit dem Publikum teilnehmen.“
Mit dieser Filmvorstellung und der anschließenden Diskussion erreicht das Festival laut Dominik Hronec am 21. Januar in Prag den Höhepunkt. Denn im Kino Edison werden auch die Preise bekanntgegeben, die die Jury des Vereins Alting verleiht. Der Kreativdirektor des Festivals dazu:
„Der Verein Alting wurde von Prager Skandinavistik-Studenten gegründet. Wir arbeiten seit einigen Jahren mit ihm zusammen. Es freut mich, dass das Scandi verschiedene Gruppen von Menschen verbindet, die sich mit Skandinavien beschäftigen. Außer dem Verein Alting von der Prager Karlsuniversität sind das noch das Skandinavische Haus, das Projekt #ReadNordicFilm sowie die Botschaften Dänemarks, Finnlands, Norwegens und Schwedens. Das Scandi schafft Raum für Begegnungen und Diskussionen über Filme mit Künstlern und Skandinavien-Experten.“
Die Festivalveranstalter haben bei der Filmauswahl auch an Familien mit Kindern gedacht. Der norwegische Animationsfilm „Kvitebjørn“ – auf Tschechisch „Medvědí princ“ – geht von einem der beliebtesten skandinavischen Märchen über das neugierige Mädchen Liv und den Eisbären Valemon aus, der eigentlich ein verzauberter Prinz ist.
Bei dem Festival wird diesmal auch ein Dokumentarfilm gezeigt. In ihrem Debüt „Brüder Andersson“ erzählt die schwedische Regisseurin Johanna Bernhardson über das Leben ihres Vaters Leif und seine drei Brüder. Einer davon ist der renommierte Filmregisseur Roy Andersson.
Auf dem Programm vom Scandi steht auch eine vierteilige finnische Saga über einen mürrischen Bauer, der sich vor der gegenwärtigen Welt abzuschotten versucht. Er wird unter dem tschechischen Titel „Mrzout“ (The Grump) gezeigt. Den dritten und vierten Teil drehte der renommierte finnische Regisseur Mika Kaurismäki.
In Tschechien erfreuen sich skandinavische Filme allgemein einer großen Beliebtheit. Das große Interesse für die Produktionen aus dem Norden Europas habe sich während der Jahre nicht verändert, meint Dominik Hronec.
„Ich denke, dass dabei die Tradition der skandinavischen Filme eine Rolle spielt. Nicht nur die Filmproduktionen, sondern auch die Literatur, Musik, Architektur und das Design aus Skandinavien wecken hierzulande viel Aufmerksamkeit. Es scheint, dass die Marke dieser Länder sehr gut ist. Und jedes Jahr liegen die Skandinavier im Weltglücksbericht ganz vorne.“
Das Festival Scandi findet vom 14. bis 21. Januar in 43 Kinos in Tschechien statt. Mehr erfahren Sie unter https://scandifest.cz/en/.
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