Firma Enesa gibt in Tschechien Weg für Energieeinsparung vor

Foto: Archiv ČRo 7

Elektrische Energie in Tschechien ist wieder teurer geworden. Zwar haben die großen Energiefirmen des Landes die Kosten zur Stromerzeugung um durchschnittlich 5,2 Prozent senken können, doch gibt es noch andere Komponenten, die den Strompreis beeinflussen. Sie kommen aus dem Hause der staatlichen Energie-Regulierungsbehörde (ERÚ), die über die Gebühren entscheidet. Und die wurden erneut angehoben: für die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien zum Beispiel von einer 13-prozentigen Steigerung im Jahr 2012 auf weitere 39 Prozent in diesem Jahr! Für den Endverbraucher bedeutet dies, dass der Strom um durchschnittlich 2,4 Prozent teurer wird. Auch deshalb gewinnen in Tschechien Energiesparen und Energieeffizienz immer mehr an Bedeutung.

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„Energieeffizienz – ein Hauptpfeiler der Energie-Konzeption“, so lautete das Motto einer internationalen Konferenz, die Ende vergangenen Jahres in Prag stattfand. Zu den exponierten Gästen der Konferenz gehörte auch der Geschäftsführende Sprecher der EnBW Energy Solutions GmBH in Stuttgart, Marcus Bort. Laut Bort hat sich die Energieeffizienz in den letzten Jahren auch in Deutschland ganz stark in den Köpfen der Gesellschaft verankert. Und ein tragisches Ereignis hat noch dazu beigetragen, dass das Thema immer aktueller wird:

„Sicher ist es durch Fukushima noch einmal deutlich verstärkt worden, aber auch davor schon war das Thema Energieeffizienz immer präsent. Für uns als Energieversorger ist es wichtig, neben dem klassischen Geschäft des Strom- und Gasverkaufs auch den sinn- und verantwortungsvollen Umgang mit der Energie bei unseren Kunden zu vertreten. Damit sind auch die Energieeffizienz sowie die Dienstleistungen und Geschäftsansätze um sie herum für EnBW ein wesentliches Geschäftsfeld geworden.“

Marcus Bort (Foto: Archiv EnBW)
Als Anteilseigner der Prager Stadtwerke (PRE) will sich EnBW auf diesem Geschäftsfeld nun auch verstärkt in Tschechien betätigen. Für die tschechische Seite sei dieses Thema zwar noch gewisses Neuland, dennoch zeigt sich Bort optimistisch:

„Wir beginnen! Das ist aber ganz wichtig: Man muss beginnen, und dieses Bewusstsein muss da sein. So etwas in einer Firma zu machen, wird ja vom Management veranlasst – bei uns ist das schon ein Thema.“

Doch auch in Tschechien gibt es zumindest eine Firma, die das gezielte Energiesparen zu ihrem Geschäftsmodell gemacht hat. Es ist das 2005 gegründete Prager Unternehmen Enesa. Seit nunmehr acht Jahren setzt Enesa das weltweit anerkannte Konzept „Energy Performance Contracting“ (EPC) hierzulande um. Und das mit viel Erfolg vor allem bei Großkunden, versichert Firmenchef Ivo Slavotínek:

Ivo Slavotínek (Foto: Archiv von Ivo Slavotínek)
„Das funktioniert sehr gut. Wir kommen zu unseren Kunden und schauen uns zunächst an, wie wirtschaftlich sie mit der Energie umgehen. Dann legen wir ihnen einen Maßnahmenplan zur Senkung des Energieverbrauchs vor. Weil wir auf diesem Gebiet schon reichlich Erfahrung haben, sind wir in der Lage, dem Kunden auch ein garantiertes Ergebnis anzubieten. Das heißt, neben der Modernisierung der Heiz- und Energieversorgungstechnik sichern wir dem Kunden damit langfristig verbundene Einsparungen beim Energieverbrauch zu. Wenn der von uns vertraglich zugesicherte Wert nicht eintreten sollte, dann kompensieren wir dem Kunden die Differenz zwischen der geplanten und der tatsächlichen Energieeinsparung. Aber bisher lagen wir nur selten daneben.“

Ein ziemlich schlüssiges Konzept, ergänzt Slavotínek. Im nächsten Moment beginnt der Enesa-Chef jedoch zu erläutern, dass dieses Konzept auf durchaus festen Füßen steht:

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„Wir machen es folgendermaßen: Einen Teil der Energiekosten nutzen wir als Ratenzahlung für Investitionen. Das heißt, der Kunde bezahlt eine gewisse Zeit die gleichen Kosten, nichtsdestotrotz erhält er moderne Anlagen, die sich nach acht bis zehn Jahren amortisiert haben. Die Mehrzahl dieser Anlagen aber hat eine längere Nutzungsdauer, das heißt nach Ablauf der Ratentilgung zahlt sich die moderne Anlage richtig aus. Die durch sie erzielte Energieeinsparung bleibt bestehen, so dass nach acht bis zehn Jahren die Energiekosten tatsächlich geringer sind.“

Entsprechend lang sind auch die Verträge, die die Firma Enesa mit ihren Kunden abschließt. Dass sei nicht immer einfach, weil vor allem bei staatlichen Unternehmen die Politik häufig auf kürzere Laufzeiten bedacht sei. Nichtsdestotrotz sei die Nachfrage groß, versichert Slavotínek:

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„Die Mehrzahl unserer Kunden kommt aus dem kommunalen Bereich, es sind Einrichtungen, die einer Stadt, einer Gemeinde oder einer Kreisverwaltung gehören. Ab und zu ist auch eine staatliche Institution darunter, doch das ist eher die Ausnahme. Wir haben aber ebenso schon einige Aufträge von privaten Kunden im Hotel- und Industriebereich realisiert. Die Skala unserer Kunden ist also sehr breit gefächert, es überwiegt aber der öffentliche Sektor.“

Die Zusammensetzung der Enesa-Kunden überrascht ein wenig, wenn man sich dazu im Vergleich das Kundenpotenzial von EnBW ansieht. Marcus Bort:

„Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmen aus der Industrie, für die Energieeffizienz ein großes Thema ist, weil sie immer auch Wettbewerbsfähigkeit bedeutet. Unternehmen, die sich mit Energieeffizienz beschäftigen, werden also immer interessiert sein, diese Konzepte umzusetzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Daher bin ich auch sehr optimistisch.“

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Sehr optimistisch, was die anhaltende Nachfrage nach den Diensten seiner Firma betrifft, ist auch Ivo Slavotínek. Um in diesem Geschäft nach wie vor Erfolg zu haben, muss das Verhältnis zum jeweiligen Kunden jedoch auch sehr partnerschaftlich sein, betont der Enesa-Chef:

„Ohne dass beide Seiten offen über die Energiefragen reden und zusammenarbeiten, wird unsere Arbeit keinen großen Effekt haben. Wir arbeiten schließlich direkt beim Kunden, doch ohne dessen ständige Rückmeldung können wir den wirklichen Effekt nicht erreichen.“

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Diese Zusammenarbeit sei umso wichtiger, weil heutzutage nicht mehr nur allein der Austausch von Technik zur gewünschten Energieeinsparung führe, so Slavotínek:

„Natürlich suchen wir stets nach neuen, modernen Anlangen, also sozusagen die Hardware zur Energieeinsparung. Auf der anderen Seite aber wird auch die Software immer wichtiger. Vor 20 Jahren, als wir uns erstmals mit dieser Materie befassten, haben wir Anlagen zur Energieeinsparung zunächst erst einmal ausprobiert und dabei verfolgt, was passiert. Aber heute, in der Welt der neuen Informationstechnologien, sind auch unsere Möglichkeiten ganz andere. Wir sind daher heute mit den Kunden online verbunden und so auch ständig darüber im Bilde, wie hoch ihr Energieverbrauch gerade ist. Viele Dinge haben sich also vom Hardware- in den Softwarebereich verlagert, es geht mehr denn je um Kommunikation, Datenanalyse und solche Dinge.“

Nationaltheater (Foto: Barbora Kmentová)
Ein Kunde, bei dem das Unternehmen Enesa auf eine sehr gute Zusammenarbeit verweisen kann, ist das Prager Nationaltheater:

„Das Nationaltheater war ein tolles Projekt, bei dem wir gerade in technischer Hinsicht aller Register ziehen konnten. Außer einem neuen Heizkessel haben wir dort zum Beispiel auch ein neues Spezialgerät installiert, das sowohl kühlen als auch heizen kann. Es ist quasi eine Kombination aus einem Kälteaggregat und einer Heizwasserpumpe. Im Winter, wenn die Sonne auf die gläserne Fassade auf der Südseite des Theatergebäudes scheint, können wir die dadurch gewonnene Wärme mit unserem Spezialgerät auf die Nordseite des Gebäudes überführen, in dem mehr geheizt werden muss. Wir sind in der Lage, die von der Bühne und aus dem Zuschauerraum verdrängte Wärme aufzufangen und mit Hilfe eines Wärmetauschers in das Theater zurückzuführen.“

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Allein dieses Beispiel verdeutlicht, dass Energieeffizienz ein weites Feld ist. Es gebe also noch genügend Reserven, die es weiterhin zu erschließen gelte, resümiert Marcus Bort:

„Bei uns ist Energieeffizienz in der Presse und in den Medien zwar ein Thema, aber grundsätzlich noch nicht so tief und fundiert, wie es nötig wäre. Man muss daher noch sehr viel an Transparenz und Aufklärungsarbeit leisten, damit die Kunden sich auch wirklich intensiv auf das Thema Energieeffizienz einlassen.“