Forscher der Karlsuniversität entwickeln neues Corona-Testverfahren

Foto: ČTK / Michal Krumphanzl

In Tschechien soll ab Oktober eine schnellere Testvariante auf das Coronavirus gestartet werden. Der Abstrich aus dem Nasenrachenraum werde dann durch einen Speicheltest ersetzt, sagte der Regierungsbeauftragte für medizinische Forschung, Roman Prymula, vor einer Woche. Das scheint aber nicht die einzige Alternative zu sein, denn auch an der Prager Karlsuniversität wird gerade ein neues Testverfahren entwickelt.

Stanislav Kmoch (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl)

Im Oktober will die Karlsuniversität in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen ein Test-Set zur Diagnostik auf das Coronavirus herausbringen. Dieses soll dann schnellere und sichere Ergebnisse liefern. Demnach ermöglicht das Set zu erkennen, ob der Untersuchte möglicherweise Grippe-Erreger vom Typ A oder B oder das Coronavirus in sich trägt. Wie Medizinprofessor Stanislav Kmoch dazu erklärt, sei dies keine neue Erfindung. Vielmehr werde diese Methode schon seit Jahren beim Test auf andere Krankheiten genutzt. Jetzt stelle man sie auf das Coronavirus ein, wobei die aus dem Nasenrachenraum entnommene Probe für die Labors gefahrlos sei, so Kmoch:

„Sofort nach dem Abstrich aus der Virenflüssigkeit werden alle Typen des biologischen Materials in ihre Moleküle zerlegt. Das heißt, das Virus ist nicht mehr übertragbar, die Bakterien sind nicht mehr lebensfähig.“

Michal Pohludka (Foto: YouTube Kanal der Karlsuniversität)

Darüber hinaus sei die Probe selbst bei Zimmertemperatur stabil, so Kmoch. Nach Auskunft der Wissenschaftler verkürzt sich auch die Zeit von der Entnahme des Abstrichs bis zur Feststellung des Ergebnisses in einem Labor. Michal Pohludka ist Geschäftsführer der Uni-Tochtergesellschaft GeneSpector:

„Es ist uns gelungen, jeden Schritt des Verfahrens auf etwa die Hälfte der Zeit zu reduzieren. Aus diesem Grund können wir das Ergebnis bereits nach ungefähr einer Stunde bekanntgeben. Gegenwärtig sind drei Stunden der Standard.“

Foto: YouTube Kanal der Karlsuniversität

Der schwierigste Schritt beim Testverfahren ist das Isolieren der Ribonukleinsäure des Virus. Pohludka zufolge ließ sich dieser Teil auf zehn Minuten verkürzen, bisher dauert dies bis zu 70 Minuten. In den Labors sei man nun auch in der Lage, mehr Proben in einer bestimmten Zeit zu bearbeiten, betont Pohludka:

„Dazu ein Beispiel: Wenn das Labor vollautomatisiert ist, dann können sechs Angestellte etwa 2000 Tests pro Tag bearbeiten.“

Foto: YouTube Kanal der Karlsuniversität

Die Tochtergesellschaft GeneSpector wurde eigens für das neue Projekt gegründet. Bereits jetzt arbeitet sie mit vier Labors eng zusammen, mit vielen weiteren steht sie in Verhandlungen. Und dies auch aus einem guten Grund, denn das Testverfahren nach der neuen Methode ist erschwinglich. Es werde nicht teurer sein als das gegenwärtige Testverfahren, erklärt der Rektor der Karlsuniversität, Tomáš Zima:

Tomáš Zima (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl)

„Dieses Test-Set wird von uns für 350 Kronen verkauft. Das ist aber natürlich nicht der Gesamtpreis. Hinzu kommen noch die Transportkosten, die menschliche Arbeit im Labor, die Amortisierung der Apparate und anderes mehr. Damit dürfte sich der Gesamtpreis für einen Test so zwischen 1000 und 1200 Kronen bewegen. Das aber müssen letztlich die Labors entscheiden.“

Das Gesundheitsministerium hat den Maximalpreis für einen PCR-Test auf 1674 Kronen (63 Euro) festgelegt und für die Abnahme 82 Kronen (3 Euro). Die Sets für die Tests auf das Coronavirus stehen bereits zur Verfügung, bis Oktober wird die Universität diese noch um den Grippe-Test ausweiten. Nach Auskunft der Wissenschaftler soll es sich dann um ein Universal-Set handeln, das auch für viele andere Erkrankungen verwendbar ist.