Frecher Comic über tschechische Geschichte erobert das Nationalmuseum

Foto: Martina Schneibergová

Seit mehr als ein Jahr amüsieren sich die Internetuser hierzulande über ungewöhnliche Bilder aus der tschechischen Geschichte. Jetzt hat es der historische Comic auch in das Prager Nationalmuseum geschafft.

Foto: Martina Schneibergová
„Opráski sčeskí historje“ – zu Deutsch etwa „Bilder aus der tschechischen Geschichte“. Unter diesem Titel erschien der Comic im Internet. Keine historische Persönlichkeit wird in der frechen Bildergeschichte geschont: Ob der Reformator Jan Hus, Staatsgründer Masaryk oder Václav Havel, alle werden verulkt. Deshalb hat der Comic in kurzer Zeit Zehntausende von Fans gewonnen. Und diese schätzen besonders den absurden bis schwarzen Humor und die witzige Wortspiele sowie die originelle Sprache im Comic. Die Bilder haben aber auch Gegner, die diese für sinnlos halten. Im Prager Nationalmuseum wurde vor kurzem eine Ausstellung eröffnet, in der insgesamt 29 Strips aus der historischen Serie zu sehen sind. Museumsleiter Michal Lukeš:



Michal Lukeš (Foto: Martina Schneibergová)
„Ich bin davon überzeugt, dass dieser Comic ins Nationalmuseum gehört. Er ist zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden. Wir wollen anlässlich der Ausstellung eine Diskussion über die Geschichte sowie die Entwicklung der tschechischen Sprache initiieren. Auf der Webseite des Museums können die Interessenten mit Experten debattieren. Ein zweiter Grund, warum wir die Ausstellung zeigen, ist die Frage, wie wir unsere historische Dauerausstellung gestalten sollen, die künftig im alten Museumsgebäude gezeigt wird. Wir stellen uns die Frage, ob wir uns nicht allzu ernst nehmen und ob wir auch einen etwas leichteren Blick in die Geschichte wagen sollten. Dies könnte für uns vom Nationalmuseum interessant sein.“

Jaz (Foto: Martina Schneibergová)
Die Besucher der Ausstellung können ihre Meinung zum Comic und ihre Vorschläge zum Inhalt der geplanten historischen Dauerausstellung vor Ort aufschreiben und weiterreichen. Zudem sind dazu Vorschläge renommierter Historiker, Linguisten und Karikaturisten veröffentlicht.

Eröffnet wurde die Comic-Ausstellung vom Autor der Bilderserie persönlich. Er tritt unter dem Pseudonym Jaz auf. Da er anonym bleiben will, kam er zur Eröffnung in der Papiermaske eines der Hauptdarsteller der Comic-Serie, des Kaisers Sigismund von Luxemburg.

„Ich bin den Mitarbeitern des Nationalmuseums sehr dankbar dafür, dass sie die Comic-Ausstellung hier zeigen. Denn mir wäre dies nicht in den Sinn gekommen. Als ich begann, die Bilder zu zeichnen, dachte ich nicht an einen breiteren Kreis von Menschen. Mir wäre auch niemals eingefallen, dass die vier Felder in einem Comic-Streifen so starke Emotionen wecken können. Ich bin froh, dass aufgrund der Bilder über Themen diskutiert wird, die manchmal für so sensibel gehalten werden, dass man sie lieber gar nicht anspricht. Was aus den Bildern geworden ist, war nicht geplant. Es freut mich, dass eine respektierte Institution wie das Nationalmuseum auf diese Weise auf den Comic reagiert hat.“

Für seinen Comic hat Jaz im vergangenen Jahr auch den Preis „Kristalllupe“ gewonnen, mit diesem werden interessante Internetprojekte ausgezeichnet. Kurz vor Weihnachten erschien der Comic als Buch – und war sofort vergriffen.

Die Ausstellung der Comic-Bilder aus der tschechischen Geschichte ist im neuen Gebäude des Prager Nationalmuseums zu sehen, und zwar bis 1. April.