Fußball: Sparta Prag und Pilsen ziehen in die Europa League ein

Sparta Prag - Feyenoord Rotterdam (Foto: ČTK)

Der tschechische Vereinsfußball kann noch lachen! Dies ist das erfreuliche Fazit nach den Play-off-Spielen zur Europa League. Zwei Teams haben sich für die Gruppenphase des europäischen Wettbewerbs Nummer zwei qualifiziert: Sparta Prag und Viktoria Pilsen. Es ist das erste Mal seit drei Jahren, dass der tschechische Fußball wieder mit zwei Mannschaften in Europa präsent ist. Das ist umso wichtiger vor dem Hintergrund, dass Tschechien nach den mageren Vorstellungen der letzten Jahre im Ranking schon auf Platz 22 zurückgefallen ist. Jetzt hofft man, dank Sparta und Pilsen, endlich eine Trendwende einzuleiten.

Vítězslav Lavička (Foto: ČTK)
Vor eigener Kulisse bezwang Sparta Prag den niederländischen Spitzenclub Feyenoord Rotterdam mit 2:0. Deshalb kannte der Jubel im mit 17.000 Zuschauern vollbesetzten Sparta-Stadion am Donnerstagabend in der Tat keine Grenzen. Zu oft hatte die Profi-Mannschaft des Traditionsvereins ihre Anhänger zuletzt enttäuscht, jetzt aber ist sie nach zwei Jahren endlich in die europäische Fußballszene zurückgekehrt. Das war für Trainer Vítězslav Lavička dann auch Anlass genug, seine Ausführungen auf der Pressekonferenz fast schon mit einer Laudatio zu beginnen:

„Es ist mir eine Ehre, für die Mannschaft, den gesamten Club einschließlich seiner Fans sowie für den tschechischen Fußball verkünden zu können: Die Aufgabe ist erfüllt. Und das erfüllt uns alle mit Freude.“

Sparta Prag - Feyenoord Rotterdam (Foto: ČTK)
Die Erleichterung und Freude über das Weiterkommen gegen die favorisierte Mannschaft aus Rotterdam war überall im Stadion zu sehen und zu spüren. Jiří Jarošík, Torschütze zum 2:0 und bester Spieler auf dem Platz, hatte dafür eine ganz plausible Erklärung:

„Wir sind deshalb voller Begeisterung, weil uns das Weiterkommen kaum jemand zugetraut hat. Wir haben einen schweren Gegner zugelost bekommen, waren aber überzeugt davon, dass wir nicht ohne Chance sind. Jetzt sind wir froh, sie genutzt zu haben.“

Die Chance auf den erneuten Einzug in einen europäischen Wettbewerb genutzt hat auch die Mannschaft von Viktoria Pilsen. Nach dem tollen Champions-League-Debüt der Westböhmen in der vergangenen Saison, galten die Spieler um Kapitän Pavel Horváth auch diesmal als sicherster Anwärter auf das Weiterkommen. Im Hinspiel gegen das belgische Team SK Lokeren mussten die Pilsener jedoch eine 1:2-Niederlage einstecken, so dass sie im Rückspiel mehr denn je gefordert waren. Sie meisterten diese Aufgabe, indem sie vor eigenem Publikum mit 1:0 gewannen. Auch Verteidiger David Limberský war darüber hocherfreut:

Viktoria Pilsen - SK Lokeren (Foto: ČTK)
„Das ist ein phantastischer Erfolg. Zum zweiten Mal in Folge sind wir in der Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs. Das wissen wir sehr zu schätzen, denn Lokeren war ein wirklich starker Gegner. Ich würde ihn mit der Mannschaft von Kopenhagen vergleichen, die wir im Vorjahr in der Play-off-Runde bezwungen haben.“

Aus tschechischer Sicht leider nicht jubeln konnte Slovan Liberec. Der amtierende Landesmeister hatte gegen den ukrainischen Verein Dnepr Dnepropetrowsk im Hinspiel zu Hause nur ein 2:2 erreicht und musste in der Ukraine unter anderem auf seinen verletzten Spielmacher Jiří Štajner verzichten. Zu allem Überfluss spielte Liberec nach einer Roten Karte gegen Jan Nezmar 65 Minuten lang nur zu Zehnt. Dennoch glich die Mannschaft von Trainer Jaroslav Šilhavý einen 0:2-Rückstand zwischenzeitlich aus, musste aber in der Schlussphase ihrer numerischen Unterlegenheit noch Tribut zollen. Trotz der 2:4-Niederlage fand Šilhavý viel Lob für seine Spieler:

Viktoria Pilsen - SK Lokeren (Foto: ČTK)
„Ich muss dem Team danken für die zweite Halbzeit, in der es wie schon im Hinspiel eine große Moral gezeigt und beinahe eine Sensation geschafft hat. Wir haben den Ausgleich zum 2:2 erzielt, und nachdem Dnepr wieder in Führung ging, haben wir noch einmal den Pfosten getroffen. Wäre da das 3:3 gefallen, wären wir jetzt in der nächsten Runde. Für die tolle Leistung kann ich meine Spieler nur loben.“

Am Freitag wurden die Gruppen zur Europa League ausgelost. Danach spielt Pilsen in der Gruppe B unter anderem gegen Atletico Madrid und Hapoel Tel Aviv, während Sparta Prag in der Gruppe I unter anderem mit Olympique Lyon und Athletic Bilbao die Klingen kreuzt.

Autor: Lothar Martin
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