Krpálek schreibt Geschichte: Erster Judo-Weltmeister aus Tschechien

Lukáš Krpálek (Foto: ČTK)

Ende August konnte man sich hierzulande darüber freuen, endlich auch in der olympischen Sportart Judo einen Mann der absoluten Weltspitze zu haben. Es ist der 23-jährige Lukáš Krpálek, der als erster Tscheche überhaupt einen WM-Titel gewann. Demgegenüber entfernt sich der tschechische Fußball immer mehr von der europäischen Elite. Vor einem völligen Desaster bewahrte ihn am vergangenen Donnerstag Meister Sparta Prag, der sich als einziges Team für die Europa League qualifizierte.

Lukáš Krpálek und José Armenteros (Foto: Archiv Olimpiazzurra)
Am vergangenen Samstag erlebte der tschechische Judosport eine historische Stunde. Bei der WM im russischen Tscheljabinsk stehen sich im Finale der Gewichtsklasse bis 100 kg der Kubaner José Armenteros und der Tscheche Lukáš Krpálek gegenüber. Für den 23-jährigen Prager ist das ein neues Gefühl, denn bei einer Weltmeisterschaft hat Krpálek bisher noch nie um Gold gekämpft. Seine größten Erfolge auf globaler Ebene waren bis dahin zwei Bronzemedaillen, die er 2011 und 2013 erkämpfte. Im Finale gelingt es Krpálek den Kubaner nach drei gescheiterten Versuchen im vierten Anlauf auf der Matte „festzunageln“, wodurch er das Match gewinnt. Danach darf er sich Weltmeister nennen:

Lukáš Krpálek (Foto: ČTK)
„Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, Weltmeister geworden zu sein. Noch aber kann ich es nicht wirklich begreifen, dass sich für mich nun einer meiner großen Träume erfüllt hat. Ich bin glücklich, dass es geklappt hat, doch das alles werde ich wohl erst so richtig nach einiger Zeit realisieren.“

Freude und Verblüffung hielten sich bei ihm also vorerst die Waage. Das ist wohl auch so zu erklären: Lukáš Krpálek ist nun in der Tat der erste Tscheche, der WM-Gold gewonnen hat. Vor seinem größten Triumph hat er bereits zwei EM-Titel geholt. Der Weg auf den WM-Thron aber war sehr steinig:

Tagir Chaibulajew (Foto: YouTube)
„Für mich der schwerste Kampf war das Halbfinalduell gegen den Russen Tagir Chaibulajew. Er ist Olympiasieger, Welt- und Europameister. Er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, zudem hatte er Heimvorteil. Gegen ihn hatte ich eine Negativbilanz von 0:3, somit habe ich ihn in Tscheljabinsk zum ersten Mal bezwungen. Ich hoffe nun, dass mir das auch weiter gelingt.“

So wie gegen Chaibulajew hat Krpálek auch in seinen vier weiteren Kämpfen die Matte als Sieger verlassen. Um in der Stadt am Ural Weltmeister zu werden, musste er indes ein paar Schmerzen überwinden, denn Krpálek litt unter einer Fingerprellung. Doch auch davon ließ er sich nicht aufhalten:

„Meine Finger sind häufig verletzt, doch ich kann nicht behaupten, dass mich das irgendwie eingeschränkt hat. Natürlich habe ich die Verletzung gespürt, wenn ich in einer Aktion meine Hände einsetzte, doch in solchen Kämpfen kann ich einfach nicht an meine Finger denken. In der Hand hatte ich zwar ein schlechtes Gefühl, doch am Ende ist alles gut gegangen, und darüber bin ich froh.“

Pavel Petřikov (Foto: YouTube)
Vor Lukáš Krpálek haben mit Vladimír Kocman und Pavel Petřikov schon zwei andere Tschechen in einem WM-Finale gestanden. In den 1980er Jahren gingen sie dabei jedoch als Verlierer von der Matte. Auf dem Lorbeer, es besser als seiner Vorgänger gemacht zu haben, aber will sich der gebürtige Iglauer (er wurde 1990 in Jihlava geboren) nicht ausruhen:

„Es ist schön, dass es mir gelungen ist, meine Vorgänger übertrumpft zu haben. Ich muss aber nach vorn schauen und noch einiges an meinem Kampfstil verbessern. Jetzt ist es für mich am wichtigsten, dass ich voll trainiere und mich gut auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro vorbereite. Eine Medaille bei Olympia habe ich nämlich noch nicht gewonnen.“

Und es steht wohl außer Frage, dass die Medaille, die Krpálek in Rio gewinnen will, am ehesten golden glänzen soll…


Sparta Prag rettet Ehre des tschechischen Fußballs

Sparta Prag (Foto: ČTK)
Ab Mitte Juli waren in der der Qualifikation zur Champions League und der Europa League gleich vier tschechische Vereine angetreten, um den bereits stark verblassten Ruhm des tschechischen Fußballs wieder etwas aufzupolieren. Das aber ging gründlich daneben. Die drei Clubs aus Plzeň / Pilsen, Liberec / Reichenberg und Mladá Boleslav / Jungbunzlau mussten frühzeitig die Segel streichen. Und Meister Sparta Prag, der unbedingt in die Gruppenphase der Champions League gelangen wollte, musste sich nach dem Ausscheiden gegen Malmö mit der abschließenden Vorrunde zur Europa League begnügen.

In der Play-off-Runde hatte Sparta Prag den niederländischen Verein PEC Zwolle zum Gegner (Foto: ČTK)
In der Play-off-Runde hatten die Prager den niederländischen Verein PEC Zwolle zum Gegner. Im Hinspiel in den Niederlanden hatten sie sich mit dem 1:1-Unentschieden zwar eine gute Ausgangsposition gesichert, doch in der tschechischen Liga konnte jeder sehen: Sparta ist nicht gut in Form. Deshalb war vor dem Rückspiel am vergangenen Donnerstag auch die Anspannung und Nervosität im Team der Prager zum Greifen spürbar. Nach einer großen kämpferischen Leistung, gepaart mit einer auch wieder besseren spielerischen Vorstellung, hat Sparta die Begegnung mit 3:1 gewonnen. Nach der Partie war daher die Erleichterung groß, auch bei Trainer Vítězslav Lavička:

Vítězslav Lavička (Foto: ČTK)
„Wir haben für den guten Namen Sparta gespielt, für den Ruf des Vereins in Europa. Aber wir haben ebenso für den tschechischen Fußball gespielt. Ich bin froh und glücklich darüber, in welcher Art und Weise wir das heutige Spiel gemeistert haben.“

Die Art und Weise, wie Sparta Prag zuvor in den Punktspielen gegen Baník Ostrava und Dukla Prag zwei 0:1-Niederlagern kassiert hatte, war indes vielerorts auf Kritik gestoßen. Der Landesmeister sah sich vor einer Woche in die Rolle gedrängt, in Europa die Ehre des tschechischen Fußballs wahren zu müssen, doch selbst das trauten ihm einige Experten auf einmal nicht mehr zu. Deshalb reagierte Lavička auf der Pressekonferenz nach dem Sieg gegen Zwolle auch viel energischer, als man es von ihm kennt:

Marek Matějovský (Mitte). Foto: ČTK
„Auf uns ist in der letzten Zeit viel Kritik eingeprasselt, von daher bin ich froh, dass wir entsprechend reagiert haben. Gerade weil einige mehrfach behauptet haben, dass wir die Gruppenphase der Europa League nicht erreichen werden, freue ich mich jetzt umso mehr darüber, dass wir ihnen heute Abend eine klare Antwort gegeben haben.“

Erleichtert und zufrieden über den Sieg und das Weiterkommen aber waren auch die Sparta-Spieler, auch wenn Mittelfeldregisseur Marek Matějovský einräumte:

Ron Jans (Foto: Paulblank, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
„Es war heute eindeutig ein psychisch schweres Spiel. Von unserer Seite war es daher fußballerisch auch keine besondere Leistung, sondern wir haben vor allem geackert und gekämpft. Was aber letztlich zählt, ist der Sieg.“

Der Trainer des holländischen Gegners, Ron Jans, sah die Gründe für die Niederlage seiner Mannschaft vor allem in der Chancenverwertung:

„Heute fiel die Entscheidung eigentlich in den ersten zehn Minuten. Wir haben stark angefangen und hatten auch eine große Chance durch Tomáš Necid. Sie wurde aber leider nicht verwertet, und kurz darauf machen wir einen Fehler, der von Spartas Krejčí zum 1:0 genutzt wurde. Von da an gehörte die erste Halbzeit eigentlich Sparta Prag. Um weiterzukommen, hätten wir das Ergebnis auf 2:1 für uns umdrehen müssen, doch anstatt dessen stand es kurz nach Beginn der zweiten Hälfte 0:3 gegen uns. Da war alles vorbei.“

Jans Widersacher, Sparta-Trainer Lavička, hatte indes gut lachen, weshalb er auf der Pressekonferenz auch ganz locker auf die Frage zu einem möglichen Gruppengegner seiner Mannschaft antwortete. Ins Spiel gebracht wurde das Team von Slovan Bratislava:

„Das wäre ein sehr interessantes Duell. Allein schon aus dem Grund, weil mit Sparta und Slovan die Aushängeschilder aus Tschechien und der Slowakei aufeinandertreffen würden. Eine solche Paarung wäre sicher auch pikant für die Fans der beiden Clubs.“

Die Auslosung der Gruppen zur Europa League ließ diese Begegnung tatsächlich wahr werden. Sparta Prag wird am 23. Oktober in Bratislava antreten und die Donaustädter am 6. November vor eigenem Publikum empfangen. Zuvor und danach treffen die Prager in der Gruppe I noch auf die Mannschaften des SSC Neapel und von Young Boys Bern.

Autor: Lothar Martin
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