Fußball-Europapokal: Tschechische Klubs unzufrieden nach schlechter Ausbeute

Sparta Prag - Olympique Lyon

Am dritten Spieltag der diesjährigen Europapokal-Saison konnten die tschechischen Vereine nicht gewinnen. Es gab zwei Niederlagen und ein Unentschieden.

Lukáš Haraslín | Foto: Petr David Josek,  ČTK / AP Photo

Selbst wenn man mit Applaus von den eigenen Fans verabschiedet wird, muss man nicht zufrieden sein. Sparta Prag verlor am Donnerstagabend in der Europa League nach einem Fußball-Spektakel mit 3:4 gegen Olympique Lyon. Dabei schien es nach knapp 20 Minuten so, als könnte den Tschechen eine kleine Sensation gelingen gegen das Team von Ex-Bundesliga-Trainer Peter Bosz. Denn durch einen Doppelpack von Mittelfeldspieler Lukáš Haraslín führte Sparta mit 2:0. Doch dann wachte der Favorit auf, unter anderem mit dem Deutschen Jerome Boateng und dem Schweizer Xherdan Shaqiri in der Startelf. Lyon kombinierte sich immer wieder schnell durchs Mittelfeld und kam zu Chancen. Da die Franzosen drei von ihnen nutzten, war nach gut einer Stunde das Spiel gedreht – 2:3 also. Sparta-Trainer Pavel Vrba sagte nach der Begegnung, er müsse seinen Schützlingen einiges vorwerfen:

„Nach unseren beiden Toren haben wir das Kombinationsspiel eingestellt und die Bälle meist schnell wieder verloren. Dadurch haben wir den Gegner ins Spiel gebracht. Wir müssen daraus jetzt lernen und dürfen diese Dinge nicht wiederholen, wenn wir gute Ergebnisse erzielen wollen.“

Ladislav Krejčí  (links) | Foto: Michal Kamaryt,  ČTK

Letztlich wurde die Begegnung im Letná-Stadion noch zu einem wilden Ritt. Eine Viertelstunde vor Ende der regulären Spielzeit war Lyon nach einer Ampelkarte nur noch zu zehnt. Doch anstatt Sparta, trafen zunächst die Franzosen. Erst in der Nachspielzeit konnte der eingewechselte Ladislav Krejčí noch auf 3:4 verkürzen – allerdings kam dies zu spät. In der Tabelle liegen die Prager aber weiter auf Rang zwei und haben damit Chancen auf ein Weiterkommen.

Den einzigen Punktgewinn der tschechischen Teams verbuchte am Donnerstagabend der FK Jablonec. 2:2 unentschieden spielten die Nordböhmen in der Conference League gegen den dänischen Klub Randers FC. Der Doppeltorschütze für Jablonec, Tomáš Čvančara, haderte nach dem Aufeinandertreffen mit einem Handelfmeter für die Dänen in letzter Minute, der zur Punkteteilung führte:

„Vor allem hatte Randers in der Phase keine hundertprozentige Torchance mehr, wir haben nichts zugelassen. Dass wir dann durch einen unglücklichen Strafstoß noch den Ausgleich bekommen, ist wirklich traurig. Diese Sachen gegen uns häufen sich. So hätten wir zum Beispiel im vorangegangenen Spiel in Alkmaar einen Elfmeter erhalten müssen.“

Maccabi Haifa - Slavia Prag | Foto: Ariel Schalit,  ČTK / AP Photo

Immerhin liegt Jablonec / Gablonz in der Tabelle weiterhin auf Platz zwei hinter dem führenden niederländischen Team AZ Alkmaar.

Anders ist die Lage hingegen bei Slavia Prag. Nach dem Auftaktsieg in dieser Conference-League-Saison gegen Union Berlin folgte nun die zweite Niederlage. Dem tschechischen Meister gehört daher in der Tabelle nur Platz drei, dabei galt er vor Beginn des Wettbewerbs als leichter Favorit seiner Gruppe. Am Donnerstag unterlag Slavia bei Maccabi Haifa mit 0:1. Damit haben die Prager wettbewerbsübergreifend schon viermal in Folge auswärts auf europäischem Boden verloren. Trainer Jindřich Trpišovský legte danach den Finger in die Wunde:

„Einige individuelle Leistungen sind nicht wie vor eigenem Publikum. Die Spiele ähneln sich in ihrem Verlauf. Wir machen Fehler in der Abwehr, die auf europäischem Niveau einfach bestraft werden und die wir in der vergangenen Saison vermieden haben. Unsere Verteidigung hat barock gespielt.“

Maccabi Haifa - Slavia Prag | Foto: Ariel Schalit,  ČTK / AP Photo

Mit dem Wort „barock“ griff Trpišovský einen Begriff des früheren tschechischen Nationaltrainers Karel Brückner auf. Was Kunstliebhaber vielleicht entzücken könnte, deutete Brückner vor 16 Jahren um in einen Begriff für körperloses und ideenloses Fußballspiel. Die Frage ist nun, wie Jindřich Trpišovský seine Mannschaft für die anstehenden drei Gruppenspiele in der Conference League wieder zu einem griffigen und kantigen Auftritt bringen kann.

Autor: Till Janzer
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