Galerie Prostora in Prag: Werke aus den Sammlungen von Gegenwartskünstlern

In Prag befindet sich nahe des Platzes Náměstí Míru seit etwa zwei Jahren die Galerie Prostora.

Im Vorbeigehen sind die Ausstellungsräume nicht zu sehen. Denn die Galerie Prostora verbirgt sich im ersten Stock an der Ecke der Straßen Korunní und Blanická im zweiten Prager Stadtbezirk. Marcela Steinbachová hat Prostora gegründet. Die Architektin rief vor einigen Jahren den Verein Kruh ins Leben, der beispielsweise die Festivals „Tag der Architektur“ und  „Film und Architektur“ veranstaltet. Wie hat Steinbachová die Räumlichkeiten entdeckt, in denen die Galerie untergebracht ist?

„Der Verein Kruh hat genauso wie mein Architektenbüro seit fast 20 Jahren schon seinen Sitz hier im Haus. Als dann diese Räumlichkeiten frei wurden, war mir klar, dass sie ein großes Potenzial haben. Ich habe sie gemietet, und erst dann kam ich auf die Idee, hier eine Galerie zu betreiben.“

Das ganze Haus sei als eine Telefonzentrale für den Stadtteil Vinohrady erbaut worden, erzählt Marcela Steinbachová. Die Zentrale selbst sei in den ersten beiden Stockwerken untergebracht gewesen. In den oberen Etagen befanden sich laut der Architektin Büroräume.

Marcela Steinbachová  (rechts),  Helena Huber-Doudová und Simona Binko | Foto: Katarína Hudačinová,  Nationalgalerie Prag

„Im Lauf der Zeit verloren diese Objekte wegen der neuen technischen Möglichkeiten ihre Funktion. Heute passen die Telefonzentralen in einen kleinen Raum. Dadurch wurden die großen Säle in diesem Haus, die nicht mehr genutzt wurden, frei. Wir haben hier das Architektenbüro, und seit 2023 gibt es zudem die Galerie Prostora.“

Derzeit wird in Prostora bereits die elfte Ausstellung gezeigt. Im Fokus steht das Gebäude der tschechischen Botschaft in Berlin. Wie Marcela Steinbachová erzählt, veranstaltet sie etwa vier Ausstellungen pro Jahr in der Galerie.

„Das Hauptkonzept besteht darin, dass wir Sammlungen von Gegenwartskünstlern zeigen – das heißt, nicht ihre eigenen Werke, sondern Werke von ihren Kollegen, die sie selbst besitzen. Es gab hier Ausstellungen beispielsweise aus den Sammlungen von Jiří Petrbok, Krištof Kintera und Denisa Václavová sowie des Fotografen Martin Polák, des Malers Josef Bolf und seiner Frau Jana Vojnárová.“

Die meisten Künstler, die sie wegen einer eventuellen Ausstellung angesprochen habe, hätten sich darüber gefreut, sagt Steinbachová. Sie seien froh, die Werke aus ihrer Sammlung so beisammen zu sehen, merkt die Architektin an. Denn manchmal waren ihren Aussagen nach auch Kunstwerke darunter, die noch eingepackt und nicht zuvor ausgestellt waren. Wie passt die jetzige Ausstellung über das Botschaftsgebäude in das Konzept der Galerie?

Installation der Ausstellung „Raumschiff Enterprise“ | Foto: Katarína Hudačinová,  2026

„Diese Ausstellung verstehen wir so, dass es sich eigentlich um Sammlungen aus einem Gebäude handelt. Es sind nicht Sammlungen, die einem bildenden Künstler gehören, sondern die aus einem Gebäude stammen. Das passt in unser Galeriekonzept, selbst wenn es ein wenig speziell ist. Anschließend zeigen wir Werke aus der Sammlung des Grafikers Robert Novák und dann solche des Performers Tomáš Ruller aus Brünn.“

Galerie Prostora befindet sich in der Straße Blanická 9 in Prag 2. Sie ist von Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Mehr über die Galerie erfahren Sie unter: https://www.prostora.org/en