Gartenarbeit, Bürokratie und mehr Geld: Rentner in Tschechien

Foto: Pixabay CC0 Public Domain

Üppig ist die Rente nicht in Tschechien. Oft hilft der eigene Garten den Ältesten im Lande, über die Runden zu kommen. Oder eben ein Kredit, der nicht immer leicht zurückzuzahlen ist. Doch diesbezüglich soll einiges besser werden laut Regierung und dem Verfassungsgericht.

Foto: Pixabay CC0 Public Domain
Josef Zezula kann man ohne weiteres als rüstigen Rentner bezeichnen. Ihm macht es keine Probleme, in seinem Obstgarten auf eine Leiter zu steigen und sich seine Äpfel und Birnen selbst vom Baum zu pflücken. Seine Kräuter ernte er selbst, zum Beispiel Pfefferminze hätte er im Garten, beschreibt der Senior seinen Alltag. Zudem koche er jährlich um die 80 bis 100 Einmachgläser Marmelade ein. Und dies aus Früchten aus seinem Garten.

Božena Hermanová hingegen ist eine echte Großstadtdame. Sie geht in ihrer kleinen Brünner Stadtwohnung mit der Zeit:

„Hier habe ich meinen Computer. Damit kann ich meinen elektronischen Zahlungsverkehr kontrollieren oder schauen, ob denn meine Rente schon auf dem Konto ist.“

Foto: Europäische Kommission
Die beiden sind tschechische Durchschnittsrentner und bestreiten ihren Lebensabend mit rund 12.000 bis 14.000 Kronen (440 bis 520 Euro) im Monat. Es soll aber besser werden: Um rund 300 Kronen (11 Euro) sollen die Renten steigen im kommenden Jahr.

Der Weg dahin ist aber oft nicht ganz so einfach. Denn das Altwerden muss nicht immer reibungslos verlaufen. Das weiß auch Miroslav Krejcařík. Der einst aktive Skifahrer und Unternehmer ist in seinen späten Siebzigern und nach einem Schlaganfall körperlich eingeschränkt:

„Solange ich meine Familie habe, ist das alles viel einfacher mit der Bürokratie. Alleine würde ich das nicht schaffen. Ich kann nur noch meine rechte Hand benutzen. Es ist wirklich unangenehm, sich durch Papierberge zu kramen.“

Foto: Filip Jandourek  (Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Für die Berechnung der Rente sind nämlich zum Teil auch jahrzehntealte Dokumente nötig: Lohnabrechnungen, Steuerbescheide, Krankenakten und vieles mehr. Das führt oft zu Verwirrung bei den Antragstellern und einer falschen Berechnung des monatlichen Alters- oder Invalideneinkommens. Sollte eine Beschwerde beim zuständigen Sozialamt oder Sozialgericht nicht durchkommen, kann am Ende aber auch das Amt von Ombudsfrau Anna Šabatová helfen:

„Akzeptiert wird eigentlich alles, was ein Arbeitsverhältnis beweist. Vor allem für den Fall, dass es lange zurückliegt und die entsprechenden Archive vernichtet wurden. Dabei zählt alles Mögliche, was auf die gesuchte Arbeitsstelle hinweist. In besonderen Fällen reicht auch bloß die Zeugenaussage eines ehemaligen Arbeitskollegen.“

Anna Šabatová  (Foto: Adam Kebrt,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Das Büro der Ombudsfrau hat so schon um die 87 Renten höher berechnen lassen können. Das bleibt aber ein Tropfen auf den heißen Stein: Insgesamt werden samt Invaliden- und Waisenrenten rund drei Millionen Menschen von der Rentenkasse ausgezahlt.

Eine gute Nachricht für die Rentner kam in dieser Woche vom tschechischen Verfassungsgericht. Dieses ist einem verschuldeten Pensionisten zur Seite gesprungen: Ihm muss ein existenzsichernder Mindestbetrag auf dem Konto bleiben, auch wenn sein Vermögen ansonsten zwangsgepfändet würde. Jan Musil ist Verfassungsrichter:

„Auch einem Schuldner muss monatlich ein Mindestbetrag bleiben, damit er ein in seinen Grundzügen würdevolles Leben führen kann.“

Ob dieses Existenzminimum jedoch zum Leben reicht, ist eine andere Frage. Die Sozialämter berechnen dieses nämlich auf knapp 6200 Kronen (230 Euro).