Geburtenrate in Tschechien auf historischem Minimum – trotzdem steigt Bevölkerungszahl

Die Geburtenzahlen hierzulande verzeichneten im vergangenen Jahr den niedrigsten Stand in der Geschichte der Tschechischen Republik. Die Bevölkerungszahl hingegen ist die höchste seit dem Zweiten Weltkrieg.

Abteilung für Asyl- und Migrationspolitik | Illustrationsfoto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Etwas übersteigert könnte man sagen, Tschechien ist ein Einwanderungsland. Zwar ist es bei weitem nicht zu vergleichen mit Staaten wie den USA, Großbritannien oder Deutschland, die eine lange Migrationsgeschichte haben. Aber der wichtigste Faktor in der Bevölkerungsentwicklung hierzulande sind seit ein paar Jahren tatsächlich die Zugewanderten.

Denn die hiesige Bevölkerung sorgt nicht selbst für den nötigen Nachwuchs. Das Tschechische Statistikamt (ČSÚ) teilte am Donnerstag mit, dass im vergangenen Jahr 84.311 Kinder geboren wurden. So wenig waren es noch nie seit der Staatsgründung 1993. Der abnehmende Trend halte schon seit drei Jahren an, sagte die ČSÚ-Demografin Michaela Němečková in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks und fügte hinzu:

Michaela Němečková | Foto: ČT24

„Diese Jahresbilanz stellt ein historisches Minimum dar. Es löst die bisherige Marke von 89.000 aus dem Jahr 1999 ab.“

Und der Niedrigrekord von vor 26 Jahren wirkt bis heute nach. In den aktuellen Zahlen würden sich die schwachen Geburtenjahrgänge nach der Samtenen Revolution 1989 widerspiegeln, erläutert Robert Stojanov von der Wirtschaftsfakultät der Mendel-Universität in Brno / Brünn:

„Die Geburtenraten in den 1990er Jahren waren vergleichsweise niedrig. Das heißt, dass es derzeit weniger junge Menschen im Reproduktionsalter gibt.“

Und die immer weniger potentiellen Eltern haben immer größere Zukunftsängste. Der Hauptgrund, warum sie derzeit so wenige Kinder kriegen, ist den Statistikern zufolge die wirtschaftliche Unsicherheit. Eine große Rolle spielen zudem Bedenken wegen des Klimawandels und des Krieges in der Ukraine. Dies bestätigt Filip Vrána, Sprecher des soziologischen Instituts SYRI:

Filip Vrána | Foto: Ludmila Opltová,  Tschechischer Rundfunk

„In Krisenzeiten verhalten sich Familien etwas anders. Der aktuelle Trend wird von vielen gesellschaftlichen, ökonomischen und auch kulturellen Faktoren beeinflusst. Er setzte bereits während der Corona-Pandemie ein. Sie hat diese Prozesse offensichtlich beschleunigt, ist aber trotzdem nicht der Hauptgrund.“

Die Geburtenrate hinkt hierzulande schon seit sechs Jahren der Sterberate hinterher. Beide Werte ergaben 2024 ein Minus von 27.900. Das wurde allein durch jene 36.800 Menschen ausgeglichen, die vergangenes Jahr aus dem Ausland zugezogen sind. Und so ergibt sich, dass auf dem Gebiet Tschechiens aktuell so viele Menschen leben, wie zuletzt vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs – nämlich 10,91 Millionen.

Illustrationsfoto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

In seiner Prognose rechnet das Statistikamt allerdings wieder mit einem leichten Rückgang der Einwohnerzahl auf knapp 10,7 Millionen im Jahr 2050. Es wird nämlich angenommen, dass 60 Prozent der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine – die derzeit größte Ausländergruppe im Land – wieder in ihre Heimat zurückkehren. Und auch die niedrige Geburtenrate wird in Zukunft weiter eine Rolle spielen. Hat hochgerechnet jede Frau in Tschechien im Jahr 2022 noch durchschnittlich 1,62 Kinder zur Welt gebracht, wird dieser Wert bis 2050 auf 1,5 zurückgehen, so die Annahme des ČSÚ.

Autoren: Daniela Honigmann , Anna Müllerová , Šimon Franc | Quellen: Český rozhlas , ČSÚ
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