Gefrorene Melone und Flaschen mit Eis: Tschechische Tierheime reagieren auf die Hitze

Der Kanaan-Hund ist an das Leben in der Wüste gewöhnt, doch auch ihn macht die Hitze zu schaffen.

In diesen Tagen erreicht die Hitzewelle in Tschechien wahrscheinlich ihren Höhepunkt. Die tropischen Temperaturen gefährden nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere.

Foto: René Volfík,  iROZHLAS.cz

Die hiesigen Medien warnen die Menschen während der heißen Tage vor den Gefahren der ungewöhnlich hohen Temperaturen. In den größeren Städten Tschechiens stehen den Passanten unter anderem Trink- und Nebelbrunnen zur Verfügung. Ein Spaziergang auf einer heißen Straße kann aber auch für die Tiere gefährlich sein. Der Sprecher der staatlichen Veterinärverwaltung (SVS), Petr Vorlíček, empfahl in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks beispielsweise den Hundebesitzern, die Vierbeiner nur am frühen Morgen und am Abend auszuführen:

„Bei einer Überhitzung des Tiers empfiehlt sich, Erste Hilfe durch Kühlung mit kaltem Wasser zu leisten, das Tier in den Schatten zu bringen und ihm genügend Wasser zu bieten. Wenn der Zustand sich verschlechtert, sollte ein Veterinärarzt aufgesucht werden.“

Auch die Bewohner des Tierasyls „Pohádková zahrada“ („Märchengarten“) in Pardubice brauchen in diesen Tagen eine spezielle Pflege. Romana Vojířová hat die Einrichtung für verlassene Tiere gegründet. Sie ruft gerade den Papagei Bublinka beim Namen:

„Bublinka kommt nicht aus seinem Häuschen heraus. Denn dort ist es angenehm kühl. Auch die Papageien erscheinen erst am Abend draußen. Denn für diese Vögel sind die Temperaturen ebenfalls sehr hoch.“

Die Sonne habe fast alle Tiere in den Schatten getrieben, merkt die Expertin an und betont:

„Am wichtigsten ist es, die Möglichkeit zu bieten, sich im Schatten aufzuhalten und Zugang zum Wasser zu haben.“

Es gibt Tiere, die mehr als andere gefährdet sind. Dies gilt beispielsweise für Kaninchen. Der ehrenamtliche Helfer Martin Lukáš bringt ihnen eine Plastikflasche mit Eis:

„Die Flasche habe ich aus der Kühltruhe genommen und lege sie nun unter das Heu. Lord, wie das Kaninchen heißt, beobachtet mich, was ich mache. Und es erkennt allmählich, dass es eine neue Eis-Dosis zur Abkühlung bekommt. Da kommt Lord schon näher und klammert sich an die Flasche.“

Wie Martin Lukáš erklärt, gehören die Kaninchen zu jenen Tieren, die am meisten unter der Hitze leiden. Denn große Tiere haben laut Lukáš zwar auch Probleme. Aber ihr Kreislauf ist in der Lage, sich besser abzukühlen. Die Asylbegründerin Vojířová ergänzt die Erläuterungen ihres Kollegen:

Kaninchenstall in der Stadt | Illustrationsfoto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

„Für die kleinen Tiere bereiten wir verschiedene Eisdelikatessen vor. Für die Waschbären gibt es beispielsweise gefrorene Melone. Den Pferden servieren wir gefrorene Karotten. Wir probieren einfach Verschiedenes aus, damit es den Tieren hier gut geht.“

Auf dem Gelände des Tierasyls stehen mehrere Behälter mit Wasser. Romana Vojířová:

„Wir müssen ständig im Blick haben, was die Tiere brauchen. Mehrere Male am Tag werden die Vogelkäfige mit dem Schlauch nass gemacht. Die Papageien lieben das, im Unterschied zu den Ziegen. Diese kommen wiederum oft zu den Wasserbehältern, um zu trinken.“

Nicht überall wird hierzulande den Tieren eine entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt. Romana Vojířová erinnert sich als Tierschützerin an Fälle von Pferden und Rindern, die auf eingezäunten Grundstücken gehalten wurden und keine Möglichkeit hatten, sich vor der Sonne im Schatten zu verstecken. Während einer kurzen Zeit waren sie ihren Worten zufolge überhitzt. Dies habe meistens fatale Folgen, sagt die Tierfreundin.

Autoren: Martina Schneibergová , Šárka Rusnáková | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwörter:
abspielen