Georgischer Film siegt beim Festival in Karlsbad

Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary

In den zurückliegenden gut zehn Tagen war der westböhmische Kurort Karlovy Vary / Karlsbad ein Mekka der Kinofans. Am Wochenende ist dort nun das 49. Internationale Filmfestival zu Ende gegangen, und am Samstag wurden die wichtigsten Preise verliehen.

„Die Maisinsel“ (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)
Der Frühnebel über dem Grenzfluss Inguri, der zwischen Georgien und Abchasien fließt, löst sich auf. Ein alter Mann nähert sich in einem Boot einer kleinen Insel. Dieses Stück angeschwemmter fruchtbarer Erde ist der Ausgangspunkt für die einfache Geschichte des Films, der beim Festival in Karlsbad mit dem Hauptpreis belohnt wurde. Der lyrische georgische Film „Simindzis kundzuli“ (Die Maisinsel), in dem viel geschwiegen wird, hat den Großen Kristallglobus gewonnen. Auch der Regisseur des Streifens, George Owaschwili, suchte bei der Preisverleihung nach Worten: „Es ist für mich kein einfacher Moment. Danke, Karlovy Vary!“

George Owaschwili (Foto: ČTK)
Der Hauptheld seines Films ist ein alter Bauer, der mit seiner Enkelin auf der Flussinsel Mais anbaut und auf die Ernte wartet. Viel mehr passiert in dem Film nicht. Ein paar Mal fährt ein Boot mit Grenzsoldaten vorbei, vom Ufer sind Schüsse zu hören, man bekommt das beunruhigende Gefühl, in einer Region zu sein, die politisch instabil ist und in der sich jederzeit etwas Dramatisches ereignen könnte. Regisseur Owaschwili:

„Ich wollte darstellen, worin die menschliche Existenz besteht.“ Der Hauptpreis ist mit 25.000 US-Dollar (18.400 Euro) dotiert. Neben dem Kristallglobus wurde Owaschwilis Film auch mit dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnet. Der georgische Regisseur nahm am Festival in Karlsbad nicht zum ersten Mal teil. 2009 wurde in der Sektion „Östlich vom Westen“ sein Filmdebüt „Das andere Ufer“ gezeigt.

„Die magische Stimme einer Rebellin“ (Foto: Kristýna Maková)
Die tschechischen Filme konnten sich hingegen im Wettbewerb nicht durchsetzen. Anders sahen dies die vielen Festivalbesucher. So erhielt der neue Dokumentarfilm „Die magische Stimme einer Rebellin“ von Regisseurin Olga Sommerová den Publikumspreis. Der Film ist ein Portrait der tschechischen Sängerin und Dissidentin Marta Kubišová. Olga Sommerová zeigte sich überrascht:

„Ich hätte nicht gedacht, dass mein Film so berührend sein würde. Während der Premiere haben die Zuschauer, und unter ihnen auch Männer, geweint.“

Olga Sommerová erläuterte, dass sie Marta Kubišová seit den 1960er Jahren gehört habe. Damals brachte die Sängerin eine einzige Langspielplatte heraus.

Olga Sommerová (Foto: ČTK)
„Für mich war das wie eine Erscheinung. Ich mag besonders interessante Stimmen, und ihre Stimme war wirklich unverwechselbar. Ich habe mich in Martas Gesangskunst praktisch verliebt. Vor fünf Jahren habe ich dann einen Dokumentarfilm über die Sprecherinnen und Sprecher der Charta 77 gedreht, in dem auch Marta auftrat. Denn als Václav Havel eingesperrt wurde, war sie ein Jahr lang die Sprecherin der Bürgerrechtsbewegung Charta 77. Als sie 2012 ihren 70. Geburtstag feierte, stellte ich mir die Frage, warum über sie noch kein größerer Film entstanden ist. Ich habe zuvor einen Dokumentarfilm über die berühmteste tschechische Sportgymnastin, Věra Čáslavská, gedreht. Die beiden Frauen haben viel gemeinsam. Sie waren beide 26 Jahre alt, als die Russen einmarschiert sind. Sie haben sich beide gegen das damalige Regime gestellt und sind bei ihrer Meinung geblieben. Dafür wurden sie vom Regime bestraft. Da habe ich mich entschieden, den Film über Marta zu machen.“

Das Festival ist zwar zu Ende. Einige der Festivalfilme werden in diesen Tagen aber in den Prager Kinos Aero und Světozor und im Brünner Kino Scala gezeigt.