Geschäftsführer Jelínek: Zukunftsfonds ist Netz von tausenden kleinen Projekten

Tomáš Jelínek (Foto: ČTK)

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds kann in diesem Jahr auf eine 15-jährige Arbeit zurückblicken. Mitte Mai wurde dieses Jubiläum mit einem ersten Festakt in Berlin gefeiert. Radio Prag hat darüber berichtet. Am Montag folgte nun der zweite Teil, die Festveranstaltung in Prag. Im Vorfeld der Veranstaltung informierte der tschechische Geschäftsführer des Fonds, Tomáš Jelínek, vor Journalisten nochmals über die bisherige Tätigkeit der Institution.

Petr Pithart (Foto: ČTK)
Die Festveranstaltung stand unter der Schirmherrschaft der Vorsitzenden des tschechischen Abgeordnetenhauses Miroslava Němcová und fand auch in ihrem Hause statt. Aus Deutschland und Tschechien waren Politiker, Vertreter der Bürgergesellschaft und weitere 200 Gäste erschienen. Festredner war der frühere Premier und Senatsvorsitzende Petr Pithart. Was in den 1990er Jahren im wesentlichen auf dem politischen Reißbrett entstanden sei, habe zu den heutigen guten Beziehungen beider Länder geführt, gerade „weil dahinter die Arbeit zehntausender, ja hunderttausender Menschen auf beiden Seiten steht“, erklärte Pithart. Er zweifle daher keinen Moment daran, dass man den Zukunftsfonds sowie das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum auch in Zukunft brauchen werde, so Pithart.

Tomáš Jelínek (Foto: ČTK)
Seit 1998 hat der Zukunftsfonds nicht nur die führende Rolle bei der Entschädigung der tschechischen NS-Opfer inne gehabt, sondern auch über 7500 tschechisch-deutsche Partnerschaftsprojekte aus den verschiedensten Bereichen unterstützt. Dafür wurden rund 40 Millionen Euro ausgegeben, sagte der tschechische Geschäftsführer des Fonds, Tomáš Jelínek, und ergänzte:

„Grundsätzlich sollte man die 7500 Projekte so betrachten, dass man nicht nur auf die großen Vorzeigeprojekte verweist. Dahinter verbirgt sich vielmehr ein sehr dichtes Netz von hunderten bis tausenden kleinen Projekten, die unserer Meinung nach die feste Basis der guten Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern bilden.“

Eines dieser unzähligen kleinen Projekte ist die Renovierung von Baudenkmälern, die vom Fonds finanziell unterstützt wird. Es handelt sich dabei um die Renovierung von Kirchen, Kapellen und Synagogen sowie von Kreuzwegen, Friedhöfen und Mahnmalen im tschechischen Grenzgebiet zu Deutschland. Die Sommerausstellung „Gerettete Baudenkmäler“, die seit vergangenen Mittwoch im Centrum Bavaria Bohemia der oberpfälzischen Stadt Schönsee zu sehen ist, dokumentiert nun einen Teil der bisherigen Arbeit. Václav Vrbík ist der Vertreter des Kreises Plzeň / Pilsen in diesem Zentrum:

„In der Ausstellung werden 38 renovierte Baudenkmäler gezeigt, deren Auswahl wir mit Vertretern des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds koordiniert haben. Es sind Baudenkmäler aus den Kreisen Karlsbad, Pilsen und Südböhmen.“

Erneuerung des historischen Pavillons auf Burg Grafenstein (Foto: Archiv des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds)
Die Renovierung der Baudenkmäler ist dabei nicht nur ein Anliegen der ortsansässigen Bürger, sondern oft auch der früheren deutschen Bewohner des Ortes. Es sei mehrfach sogar so gewesen, dass viele Deutsche bei den Sanierungsarbeiten der Renovierung geholfen haben und damit aktiv an der Rettung der Baudenkmäler mitgewirkt hätten, bestätigt Vrbík.

Die Ausstellung läuft bis zum 1. September. Schon an diesem Wochenende aber zeigt die Kleinstadt Schönsee, die nahe der Grenze zu Tschechien liegt, dass die deutsch-tschechischen Beziehungen in ihr tatsächlich gelebt werden. Neben der Ausstellung werden hier nämlich auch der 8. Mitteleuropäische Stammtisch sowie das Musikfestival „Rockbrücke – Rockový most 2013“ mit je zwei deutschen und tschechischen Bands stattfinden.