Gesundheitsressort sorgt mit Empfehlung für Verwirrung in der Impfkampagne

Foto: ČTK / Luboš Pavlíček

Seit fast einem Jahr muss man sich in Tschechien mit der Corona-Pandemie auseinandersetzen. Der weltweit herbeigesehnte Impfstoff gegen das Virus wird hierzulande seit einem Monat injiziert, doch die Impfungen kommen nur schleppend voran. Wegen gewisser Lieferengpässe sind ständig Änderungen in der Logistik nötig, was auch zu Fehlern führt. Am Mittwoch aber hat eine Meldung des Gesundheitsministeriums die ohnehin nur langsam vorankommende Impfkampagne teilweise zum Stocken gebracht.

Foto: Barbora Taševská,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Es war diese Meldung aus dem Gesundheitsministerium, die am Mittwoch für Verwirrung sorgte:

„Das Gesundheitsministerium empfiehlt, die Verabreichung der ersten Impfdosis und die Reservierung von Terminen für die erste Impfung für die Dauer von 14 Tagen zu unterbrechen.“

Diese Meldung wurde auf Nachfrage der Presseagentur ČTK zudem von der Sprecherin der Behörde bestätigt. Am Nachmittag aber reagierte Gesundheitsminister Jan Blatný (parteilos) wie folgt:

Jan Blatný  (Foto: ČTK / Ondřej Deml)

„Ich denke nicht, dass wir in Tschechien so wenig Impfstoff haben, dass wir die Impfungen unterbrechen müssen. Wir weisen nur darauf hin, dass wir jetzt weniger Termine vergeben können, aber nicht, dass die Impfkampagne unterbrochen wird. Das muss ich zurückweisen.“

Die Erklärung des Ministers trug zwar dazu bei, die Dinge wieder zurechtzurücken, doch Stunden vorher hatten mehrere medizinische Einrichtungen auf die ursprüngliche Meldung seines Hauses bereits reagiert. Zum Beispiel das Gebietskrankenhaus von Kolín. Petr Chudomel ist Vorstandsvorsitzender der Betreiberfirma:

Petr Chudomel  (Foto: ČT24)

„Wir mussten leider dazu übergehen, bereits vergebene Termine für die Gruppe der Senioren ab 80 Jahren für die Zeit ab dem 1. Februar zu stornieren. Und das waren einige Hundert.“

Überhaupt scheint es so, dass in den Regionen des Landes eine größere Uninformiertheit zur Impfkampagne herrscht als in Prag. Das mag auch daran liegen, dass in der Hauptstadt offenbar ausreichend Vakzine vorrätig sind, in einigen Regionen aber nicht. Denn während man im mittelböhmischen Kolín tatsächlich erst im Februar mit den Impfungen beginnen wollte, werden allein in der Prager Uniklinik Vinohrady täglich bis zu 600 Injektionen an ältere Bürger verabreicht. Und dass man dabei relativ zügig vorankommt, bestätigte ein Rentner am Mittwoch im Tschechischen Fernsehen (ČT):

„Ich habe mich am Freitagnachmittag zur Impfung angemeldet. Am Sonntag bekam ich eine Mail mit dem Vermerk, dass ich einen Termin wählen solle. Das habe ich dann auch gemacht.“

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In Tschechien werden die zugelassenen Vakzine der Firmen BionTech/Pfizer und Moderna erst seit Ende Dezember verabreicht. Kurz vorher hatte Premier Andrej Babiš (Partei Ano) erklärt, dass er höchstpersönlich die Oberaufsicht über die Impfkampagne übernehmen werde. Aus diesem Grund wurde der Regierungschef am Mittwochabend auch im Tschechischen Fernsehen zu den Widersprüchlichkeiten des Tages befragt.

„Die Meldung war überflüssig. Ich habe Gesundheitsminister Blatný gefragt, warum man diese Aussage gemacht habe. Schließlich müssen die Impfzentren die aktuelle Lage selbst bewältigen. Dort weiß man genau, wie viel Impfstoff jeweils zur Verfügung steht, wie viele Personen einmal und wie viele bereits zweimal geimpft wurden.“

Andrej Babiš  (Foto: ČTK / Vít Šimánek)

Babiš wollte sich indes nicht allzu lange mit dem Missgeschick des Tages aufhalten, sondern drehte den Spieß um. Dazu verkündete er die aktuellen Zahlen der Impfkampagne:

„Es wurden bisher 237.936 Injektionen verabreicht, darunter wurden 66.200 Senioren über 80 Jahre geimpft. Insgesamt haben wir im ganzen Land etwa 140 Impfzentren, und jedes dieser Zentren muss den Betrieb so planen, dass die Impfung vorankommt.“