Halbfinale beim ESC: Tschechien drückt die Daumen für Adonxs
Der diesjährige Eurovision Song Contest (ESC) ist in vollem Gange. Gerade finden in Basel die Halbfinalrunden statt. Am Donnerstag wird dabei Adonxs auftreten, der Tschechien ins Finale bringen will. Radio Prag International hat bei einem Fachmann nachgefragt, wie die Chancen für den Sänger stehen.
Europa ist im ESC-Fieber. Und in Tschechien halten die Fans die Daumen für Adonxs. Der 29-Jährige tritt mit seinem Song „Kiss Kiss Goodbye“ bei der zweiten Halbfinalrunde am Donnerstagabend an. Beobachtend wird auch Miroslav Harant dabei sein. Er ist Redakteur bei Radio Wave, dem Musik- und Popkultursender des Tschechischen Rundfunks, und kennt sich bestens mit dem Wettbewerbsspektakel aus. Im Interview für Radio Prag International erläutert Harant, warum Adonxs als gebürtiger Slowake beim ESC für Tschechien ins Rennen geschickt werden kann:
„Die ESC-Fans hierzulande wollten schon länger, dass Adonxs antritt. Die Regeln haben es bis letztes Jahr aber nicht erlaubt, dass ein Künstler aus einem anderen Land für Tschechien an den Start geht. Dies wurde dieses Jahr geändert.“
Bei der nationalen Vorauswahl hat Adonxs, der mit bürgerlichem Namen Adam Pavlovčin heißt, dann sogar mehrere Songs eingereicht. Weiter berichtet Harant:
„Die Auswahl wurde von einer Expertenjury des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens getroffen. Das lief diesmal anders als in den Jahren zuvor, als es noch eine landesweite öffentliche Abstimmung unter den Fans gab. Dieses Jahr fand eine rein interne Wahl unter jenen Fachleuten statt, die vom Tschechischen Fernsehen ernannt worden waren.“
Letztlich setzte sich Adonxs mit „Kiss Kiss Goodbye“ durch und tritt nun damit in Basel an. Harant macht auf eine stilistische Wende aufmerksam, die den Song so interessant mache:
„Es handelt sich um eine Ballade mit einem sehr epischen Refrain, den man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Sie klingt ein wenig wie aus einem James-Bond-Film, hat aber den klassischen ESC-Twist – nämlich einen Dance-Break im letzten Drittel. Dann ändert sich das Tempo, und alles gipfelt im finalen Refrain.“
Welche Chancen Adonxs nun hat, in die Endrunde einzuziehen, sei schwer einzuschätzen, meint der Musikredakteur. Denn schon im ersten Halbfinale am Dienstag habe es einige Überraschungen gegeben. Klare Favoriten wie etwa Belgien seien ausgeschieden, und dafür hätten es Außenseiter wie Portugal, Island oder San Marino ins Finale geschafft. Und weiter sagt Harant:
„Den Wettbüros zufolge sind die Chancen für Tschechien auf das Finale recht hoch. Adonxs belegt aktuell den zehnten oder elften Platz bei den Siegerwetten. Trotzdem ist es schwer zu sagen, denn das Wahlverfahren im Halbfinale ist etwas anders und hängt komplett vom Televoting ab. Im Finale ist die Abstimmung hingegen auf die Anrufer und die Jury aufgeteilt. Und die Art des Songs, wie Adonxs ihn singt, spricht eher die Jury als das Publikum an.“
Trotzdem komme Tschechien wahrscheinlich ins Finale, so Harants Tipp. Der Favorit für den Sieg sei allerdings der schwedische Beitrag, räumt der Redakteur ein. In diesem singt die Band Kaj mit einer Mischung aus Rock und Folklore über finnische Saunas.
Inwiefern sich Jury und Zuschauer auf der humoristischen Ebene überzeugen lassen, wird sich erst beim Finale am Samstag zeigen. Adonxs hat für die Qualifikation – wie es beim ESC einfach unerlässlich ist – eine eindrückliche Bühnenshow mit Tänzern und Farbelementen vorbereitet. Damit könne er unter den Mitbewerbern durchaus auffallen, schätzt Miroslav Harant ein:
„Ich finde, die meisten Länder sind dieses Jahr etwas übers Ziel hinausgeschossen. Im ersten Halbfinale war zu sehen, dass mehrere Teilnehmer in ihre Performance aus irgendeinem Grund Felsen und auch Boote eingebunden haben. Adonxs gestaltet die Bühne jedoch etwas minimalistischer und eleganter. Es gibt einen Mix aus Weiß, Schwarz und Rot. Ich erwarte, dass er bei der gesamten Show herausstechen wird.“







