Hana Hegerová – Zwischen Pariser Flair und Melancholie der Karpaten

Hana Hegerová (Foto: Tschechisches Fernsehen)

Hana Hegerová ist in der Tschechoslowakei vor allem als Sängerin bekannt geworden, die den Pariser Geist des Chansons auf die Straßen ihrer Wahlheimat Prag gebracht hat. Ihr Repertoire, das sich in den rund 60 Bühnenjahren bis zu ihrem Karriereende im Jahre 2011 stetig erweiterte, ist jedoch viel facettenreicher.

Hana Hegerová  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Hana Hegerová gilt als Grande Dame des tschechischen Chansons und verkörpert wohl wie keine andere den Geist dieses Genres. Besonders hat sie sich um die Popularisierung bekannter französischer Chansons in der Tschechoslowakei verdient gemacht. Von Pavel Kopta ins Tschechische übertragen, interpretierte sie gekonnt ihre großartigen tschechischen Versionen, In „Lásko prokletá“, der „verfluchten Liebe“, leidet sie in ihrer weiblichen Verzweiflung fast noch schöner, als es vor ihr Jacques Brel tat. Von ihm stammt das Original „Ne me quitte pas“. Auch gibt es Stimmen, die in Hana Hegerova eine tschechische Edith Piaf sehen. Sie hat auch – wieder mit Pavel Kopta – Piafs berühmten „Milord“ in die Radios der Tschechoslowakei gebracht. Im Unterschied zu Piaf fehlen Hegerová jedoch das Image einer Femme fatale und die Liebe zum Alkohol.

Hana Hegerová  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Vor allem mit der musikalischen Unterstützung von Petr Hapka und Jiří Šlitr entstanden auch eigene tschechische Stücke. Diese waren oft etwas fröhlicher und schneller als ihre französischen Vorbilder.

Trotz des Duftes der weiten Welt, der durch die Chansons nach Prag getragen wird, kehrt Hegerová immer wieder zu sich selbst zurück. Hana Hegerová scheint sich als Carmen Farkašová wiederzufinden, als die sie 1931 in Bratislava geboren wurde. Vor allem slowakische und russinische Volksweisen spielen eine große Rolle in ihrem Schaffen. Sie ist immer wieder zu diesen Wurzeln zurückgekehrt und ließ die alte slawische Traurigkeit in ihren Interpretationen wiederaufleben.

Doch nicht nur durch die „eigenen“ Volkslieder überschreitet sie die Grenze zwischen Kunst und Volkskunst. Hana Hegerová greift auf Traditionen zurück, die so nicht mehr existieren oder die vom Rande der Gesellschaft kommen. Sie wagt sich an jiddische Volksdichtungen genauso wie an feurige Gesänge der Roma.