Handball-EM: Tschechen hoffen auf ein kleines Wunder

Rückraumspieler Matěj Klíma auf dem Weg zum Tor

Die tschechischen Handballer haben bei der EM eine sehr schwere Gruppe erwischt. Zugleich müssen sie auf einige wichtige Spieler verzichten – vor allem auf Matěj Klíma vom Bundesligisten aus Leipzig. Im Folgenden mehr zum tschechischen Team und seinen Chancen.

In den Bundesligabetrieb in Deutschland ist Matěj Klíma bereits zurückgekehrt. Das hatte in Tschechien gewisse Hoffnungen aufkeimen lassen, dass er vielleicht auch für das Nationalteam bei der Europameisterschaft auflaufen könnte. Doch diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Nach seiner schweren Knieverletzung vom Oktober 2024 habe Klíma um weitere Zeit gebeten, sagte der tschechische Handball-Nationaltrainer Daniel Kubeš am Montag:

Nationaltrainer Daniel Kubeš | Foto: Profimedia

„Er hat mir angedeutet oder vielmehr gesagt, dass er sich noch nicht so weit fühle, die EM zu bestreiten. Ich habe diese Information natürlich mit leichter Enttäuschung aufgenommen. Aber wir stellen uns darauf ein.“

Doch nicht nur der Rückraumspieler vom SC DHfK Leipzig fehlt dem tschechischen Team beim Saisonhöhepunkt, der am Donnerstag startet. Auch der Kreisläufer Vít Reichl vom deutschen Zweitligisten TV Hüttenhausen musste verletzungsbedingt absagen. Dazu Klímas Vereins- und Nationalmannschaftskollege Tomáš Piroch:

„Beide sind wichtige Spieler. Matěj ist schon einige Zeit weg, Vít erst jetzt. Das tut uns natürlich leid. Aber ich bin überzeugt, dass wir beide ersetzen konnten und mit dem bestmöglichen Kader hier hergekommen sind.“

Tschechien bestreitet seine Vorrundenspiele in Oslo. Die Gruppe C ist dabei enorm schwer. Zunächst steht schon am frühen Donnerstagabend das Kräftemessen mit dem Titelverteidiger und Rekordweltmeister Frankreich an. Zwei Tage später treffen die Tschechen auf die Gastgeber aus Norwegen, und zum Abschluss am 19. Januar ist die Ukraine der Gegner.

Aus jeder Gruppe qualifiziert sich nur die erst- und die zweitplatzierte Mannschaft für die Hauptrunde. Das verleitet Trainer Kubeš zu einer simplen Rechnung...

„Zweifellos wäre es toll, zu den beiden Teams zu gehören, die weiterkommen. Die Experten bei uns zu Hause und vielleicht auch anderswo in Europa erwarten eher nicht, dass uns das gelingt. Der Plan ist aber einfach: nämlich zwei Spiele zu gewinnen“, so der Coach.

Beim Auftakt gegen Frankreich hoffen die Tschechen ein bisschen auf den Überraschungseffekt. So merkte Daniel Kubeš an, dass dieses Schwergewicht des Welthandballs schon einige Male gewisse Startprobleme bei großen Turnieren gezeigt habe. Mannschaftskapitän und Torhüter Tomáš Mrkva aus Leipzig ergänzte:

Tomáš Mrkva | Foto: ČT Sport

„Der französische Handball befindet sich schon seit vielen Jahren auf dem allerhöchsten Niveau. Für uns ist es nur gut, wenn wir unsere Kräfte mit den Besten messen können. Und 2018 bei der EM in Kroatien hat auch niemand erwartet, dass wir Dänemark schlagen. Aber genau das ist passiert. Wir werden also sehen, was die Begegnung mit Frankreich bringt.“

Das tschechische Team wurde für die EM verjüngt und setzt sich vor allem aus Spielern der einheimischen Extraliga zusammen, insgesamt sind es zehn. Viermal ist die erste deutsche Bundesliga vertreten, neben Mrkva und Piroch noch durch Rückraumspieler Dominik Solák aus Eisenach und den Rechtsaußen Jakub Štěrba aus Minden. Aus der zweiten Bundesliga ist Torhüter Jan Hrdlička dabei sowie der Kreisläufer Daniel Řezníček von den Kadetten Schaffhausen aus der Schweiz.

Nationalspieler Dominik Solák  (links) und Tomáš Mrkva | Foto: Profimedia
Autoren: Till Janzer , František Typovský | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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