Hidschab in der Schule - Tschechien diskutiert die Kopftuchfrage

Illustrationsfoto: Ruth Livingstone, Free Images

In Tschechien leben etwa 11.500 Menschen muslimischen Glaubens. Gemessen an der Einwohnerzahl ist das nur eine Person von 1000. Gegen Ende der Sommerferien hierzulande hat sich an der Minderheit eine Debatte entzündet. Ursprünglich ging es darum, ob Muslima im Unterricht ein Kopftuch tragen dürfen. In der Öffentlichkeit und den Medien wurden aber bald andere Untertöne laut.

Illustrationsfoto: Ruth Livingstone, Free Images
Ihren Ausgang nahm die Debatte in Prag. Zwei jungen Immigrantinnen aus Somalia und Afghanistan wurde an einer Prager Krankenpflegeschule untersagt, ein Kopftuch zu tragen. Die tschechische Schulinspektion entschied gleichlautend. Das somalische Mädchen legte daraufhin Beschwerde bei Anna Šabatová ein. Sie ist als Ombudsfrau dafür zuständig, in Tschechien auf Diskriminierungen und Verletzungen der Menschenrechte aufmerksam zu machen. Anna Šabatová im Tschechischen Fernsehen:

„Hier ist es zu einer indirekten Diskriminierung gekommen. Das heißt, diesen Mädchen wurde der Zugang zur Ausbildung verwehrt. Der Schulleiter kann nicht mit einer internen Vorschrift darüber entscheiden, ob jemand eine Kopfbedeckung tragen darf, die in diesem Fall die Zugehörigkeit zu einer Religion symbolisiert.“

Anna Šabatová (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Šabatová s Äußerungen führten zu einem Sturm der Entrüstung in den sozialen Netzwerken wie auch in der Politik. Eine kleine Minderheit würde sich erdreisten die Mehrheit zu terrorisieren, so lautete einer der harmloseren Vorwürfe. Auch Staatspräsident Zeman wurde im Tschechischen Fernsehen zitiert: Mit Kopftüchern finge es an, und mit Burkas würde es enden. Unterstützung erhielt Anna Šabatová hingegen vom Vorsitzenden der muslimischen Gemeinden, Muneeb Hassan Alrawi. Ondřej Andrys von der tschechischen Schulinspektion verteidigte die Prager Schule im Tschechischen Rundfunk:

„Wir haben einen Antrag erhalten, den wir gründlich bearbeitet haben. Unsere Aufgabe war es zu untersuchen, ob sich die Schule im Umgang mit der Schule nicht der Diskriminierung schuldig gemacht hat. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dies nicht der Fall war, denn das Verbot ein Kopftuch zu tragen war in diesem Fall dadurch begründet, dass es dem pädagogischen Prozess geschadet hätte.“

Foto: Tschechisches Fernsehen
Nach Auffassung der Schule seien die praktischen Übungen der Krankenpflege nicht mit einem Kopftuch durchzuführen. Kopfbedeckungen seien dort generell verboten, die religiöse Komponente spiele keine Rolle. Dies bezweifelt Anna Šabatová. Der Europaabgeordnete Stanislav Polčák von der Top 09-Partei suchte die Schuld an der unsachlichen und vorurteilsbeladenen Diskussion unterdessen bei den Medien:

„Man muss hier genau unterscheiden, worum es geht. Denn der Hidschab ist die geringste Form der Verhüllung, er versteckt nur sehr wenig vom Gesicht der Mädchen. Daher hat die Ombudsfrau meiner Meinung nach Recht. Doch die Medien, auch das Tschechische Fernsehen, malen ein ganz anderes Bild. Das ist ein generelles Problem der hiesigen Medien. Sie zeigen Dinge, die gar nicht dem konkreten Fall entsprechen. Es wäre interessant, was Frau Šabatová sagen würde, wenn es um ein Burka gehen würde. Aber die Sache mit dem Kopftuch ist vergleichbar mit einer Novizin, die in ein Kloster eintritt und eine Schule besucht.“

Foto: hin255, FreeDigitalPhotos.net
Zu Schulbeginn diese Woche meldete sich Unterrichtsminister Marcel Chládek von den Sozialdemokraten zu Wort. Ihn würden Kopftücher in der Schule nicht stören, allerdings dürfe das Gesicht nicht verschleiert sein. Eine konkrete Anordnung, wie sie in anderen europäischen Ländern existierten, sei nicht in Vorbereitung.