Hörerforum

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Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zu unserem gemeinsamen Hörerforum. Aus dem Prager Studio begrüßt Sie Silja Schultheis.

Nachdem sich in den vergangenen beiden Sendungen viele von Ihnen sehr positiv über die Bedeutung des Radiohörens und der Kurzwelle geäußert haben, ist es in der letzten Zeit vielerorts zu wiederholten Beeinträchtigungen beim Empfang gekommen. Da sicherlich auch der ein oder andere von Ihnen darunter zu leiden hatte und sich möglicherweise gefragt hat, was plötzlich los sei, habe ich mich für Sie an einen Spezialisten des Tschechischen Rundfunks - Oldrich Cip - gewandt, der mir hierzu folgende Auskunft gab:

"Alles, was Einfluss auf das Kurzwellenhören hat, spielt sich in den über der Atmosphäre gelegenen Schichten der Ionosphäre ab. Und in denen findet gegenwärtig eine Reihe von Veränderungen statt - aber nicht in Zusammenhang mit dem Wetter, sondern mit dem 11jährigen Zyklus der Sonnen-Aktivität, die zum jetzigen Zeitpunkt gerade ihr Maximum erreicht hat. Mit diesen Erscheinungen muss man auf der einen Seite rechnen, auf der anderen kann man manchmal Störungen aber auch durch die Wahl bestimmter Frequenzen und Sendezeiten umgehen oder zumindest neutralisieren. Manchmal handelt es sich um Empfangsstörungen von einigen Minuten bis zu einer Stunde, manchmal um mehrstündige Unterbrechungen. Es gibt aber auch ruhige Tage, an denen unsere Hörer ungestörten Empfang haben sollten."

Womöglich sind wir alle, liebe Hörerinnen und Hörer, am besten bedient, wenn wir einen guten Empfang nicht als Selbstverständlichkeit voraussetzen, sondern die wechselnde Sendequalität als Wesensmerkmal des Radiohörens in Kauf nehmen und darin auch eine gewisse Herausforderung sehen, wie es unser Hörer Gerhard Dobrahn aus Berlin tut:

"Es ist doch immer wieder gut zu testen, wann man welches Land wie hören kann. Wie langweilig ist dagegen das Internet: Man drückt irgendeine Taste und das Programm ist da."

Und wo wir gerade bei der Empfangsqualität sind: Uns würde interessieren, welche Erfahrungen Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, bislang mit unserer neuen Sendezeit um 18.30 Uhr gemacht haben. Ist der Empfang anders als zu den übrigen Tageszeiten? Besser - oder eher schlechter? Für eine kurze Antwort auf diese Frage wären wir Ihnen sehr dankbar.


So, und nun wird es Zeit, uns von der technischen Hülle des Radiohörens wieder dessen inhaltlichem Kern zu nähern. Im letzten Hörerforum hatte ich Sie gefragt, wann und aus welchem Anlass Sie eigentlich begonnen haben, sich für das Geschehen in Tschechien und für Nachrichten aus diesem Land zu interessieren.

Udo Becker aus Kurtscheid schrieb uns hierzu:

"Ich hörte Radio Prag schon Ende der 70er Jahre, wenn auch nicht täglich und so ausgiebig wie jetzt. Allerdings waren damals die Voraussetzungen ja andere und Prag erschien einem damals vielleicht weiter entfernt als Melbourne oder Sydney. Man hätte sich nicht unbedingt so direkt eine Reise in die CSSR vorstellen können, weil die ganzen Hindernisse wie Visum, Zwangsumtausch usw. zumindest mich abgehalten hätten. "Interessant" wurde es dann seit den Tagen im Herbst '89, wie sicher für die Überzahl der Hörer. Man bekam eine ganz andere Einstellung zum Nachbarland, das man hier im Vergleich zu Österreich oder der Schweiz als solches eher weniger wahrgenommen hatte."

Die Erinnerungen von Werner Kaltenborn aus Kruft an seine erste Begegnung mit Tschechien reichen noch weiter zurück:

"Im Jahre 1943 kam ich als Soldat auf die Nachrichtenschule nach Budweis. Dort lernte ich Funken und Morsen. Hieraus ergab sich mein Interesse am Radio. Später auch an Tschechien. Die Neugier auf das schöne Land ist geblieben."

Von unserem polyglotten Hörer Alan Donachie schließlich erreichten uns folgende Zeilen:

"In Schottland aufgewachsen, habe ich schon dort in den 60er Jahren - fast jeden Tag - Radio Prag gehört, vor allem die damals ausgestrahlten Italienisch-Sendungen, da ich eben Italienisch lernte (...) Über meine Briefmarkensammlung habe ich auch eine ziemlich enge Verbindung mit der Tschechoslowakei gehabt. Obwohl ich erst 1994 in Tschechien war, und nur für ein paar Tage, war ich so beeindruckt von Land und Leuten, dass ich mich entschloss, Tschechisch zu lernen und habe sogar mein eigenes Wörterbuch aufgebaut. Jetzt, wo ich Radio Prag übers Internet hören und die Texte der Nachrichten auch noch lesen kann, habe ich perfekte Bedingungen für das Lernen. Wie Sie sehen, ich werde seit meiner Jugend in Schottland über Italien bis nach Deutschland immer von Radio Prag begleitet und ich kann nur hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, Radio Prag fürs Ausland abzuschaffen, wie es vor nicht allzu langer Zeit im Gespräch war."

Grund zu dieser Befürchtung, liebe Hörerinnen und Hörer, besteht bislang glücklicherweise nicht. Und so stehen uns gemeinsam noch viele weitere Sendungen bevor, in denen wir uns über unterschiedliche Themen austauschen können. Auf Ihre Vorschläge hierzu sind wir immer neugierig.

Ebenso neugierig sind wir auf weitere Äußerungen von Ihnen zu der Frage, worauf eigentlich Ihr Interesse an Tschechien zurückzuführen ist. Gab es für Sie ein bestimmtes Schlüsselerlebnis, an das Sie sich erinnern? Oder ist der Kontakt zu diesem Land eher zufällig zustande gekommen? Schreiben Sie uns, wir sind gespannt auf Ihre Zuschriften. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie auch noch einmal daran erinnern, dass wir anlässlich des 65. Geburtstages von Radio Prag einen Hörerwettbewerb veranstalten, bei dem Sie - zusammen mit einem Partner Ihrer Wahl - einen einwöchigen Tschechien-Aufenthalt sowie weitere kleinere Preise gewinnen können. Beantworten Sie einfach die folgenden beiden Fragen in einigen Sätzen:

1. Wie haben Sie Radio Prag kennen gelernt?

2. Wenn Radio Prag ein Mensch wäre, wie würden Sie ihn charakterisieren?

Nachdem ich nun so viele Fragen an Sie gerichtet habe, bin ich Ihnen wohl zunächst selber eine Antwort schuldig. Bereits seit Anfang des Jahres hören Sie mich nun regelmäßig auf diesen Wellen, ohne zu wissen, wie und warum ich eigentlich nach Tschechien und zu Radio Prag gekommen bin. Dies möchte ich Ihnen gerne verraten.


Nach meinem Magisterexamen im Fach "Kulturgeschichte Osteuropas" vor zweieinhalb Jahren bewarb ich mich - mit Erfolg - auf ein einjähriges Postgraduierten-Stipendium der Robert Bosch Stiftung. Voraussetzung für die Bewerbung war der Entwurf eines Szenarios für ein Projekt in Mittel- und Osteuropa oder Zentralasien, das man während des Stipendienjahres dann in selbst gewählten Arbeitsstationen durchzuführen hatte. Dabei wurde das Erlernen der jeweiligen Landessprache zusätzlich gefördert.

Ich hatte mich während meines Studiums überwiegend mit der polnischen und russischen Kultur und Sprache beschäftigt, und empfand es als Herausforderung, ein weiteres mitteleuropäisches Land vergleichsweise intensiv kennen zu lernen. Die Entscheidung für Tschechien als Nachbarland war buchstäblich nahe liegend. Mein Projekt lautete: Deutsch-tschechischer Schüleraustausch in der Euregio Egrensis, der Ausgangspunkt für meine Arbeit war Cheb/Eger. Die Tätigkeit in der Euroregion war nicht nur sehr interessant, sondern weckte gleichzeitig den Wunsch, weiterhin in Tschechien zu bleiben. Beim abschließenden Sprachkurs in Prag schaute ich mich nach Arbeitsmöglichkeiten um - und stieß auf eine Ausschreibung von Radio Prag. Den weiteren Verlauf brauche ich Ihnen nicht zu erzählen. Ob es sich dabei um Zufall oder Schicksal handelte - bereut habe ich diese Verkettung von Umständen bislang in keinster Weise.