Hörerforum

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Von: Silja Schultheis

Seit unserer letzten Sendung vor zwei Wochen haben uns wieder zahlreiche Zuschriften zum Thema "Radiohören im Multimedia-Zeitalter" erreicht. Da diese Frage uns auf die ein oder andere Weise ja letztlich alle betrifft, möchten wir in der heutigen Sendung weiteren Hörerinnen und Hörern die Gelegenheit geben, sich dazu zu äußern.

Zunächst jedoch zu einigen Ihrer Fragen in Zusammenhang mit der Rundfunk-Thematik. Leopold Patek aus Klosterneuburg in Österreich wollte von uns wissen:

"Warum informiert Radio Prag nicht in Esperanto? Die Nachbarstationen Radio Polen und Radio Österreich senden bereits in Esperanto."

Zu dieser Frage äußerte der Chefredakteur von Radio Prag, David Vaughan: Stefan Gaupmann aus dem österreichischen St. Anton schrieb uns:

"Vielleicht könnten Sie einmal im Hörerforum sagen, wie viele Regionalstudios der tschechische Inlandsrundfunk hat."

Es gibt insgesamt acht Regionalstudios des Tschechischen Rundfunks - 3 davon in Mähren, und zwar in Brno/Brünn, Olomouc/Olmütz und Ostrava/Ostrau, die übrigen in Böhmen: Hradec Králové/Königsgrätz, Plzen, Prag, Usti nad Labem/Aussig an der Elbe und Ceské Budejovice/Budweis.

An dieser Stelle eröffnen wir wieder die Diskussion über die gegenwärtige Bedeutung des Rundfunks, und insbesondere der Kurzwelle. Von Horst Krüger aus Hannover erreichte uns dazu folgende Äußerung:

"Ich habe wohl verpasst, mich zum Thema "Kurzwellenhören und Radio Prag" zu äußern, möchte aber doch noch Stellung nehmen. Das Thema ist zu wichtig, es zu übergehen. Mit großer Sorge beobachte ich den Trend, die Kurzwelle zu vernachlässigen und für die Zukunft mehr oder weniger in Frage zu stellen. Sicher gibt es modernere Möglichkeiten der Übertragung, aber ich bin froh, dass bei Ihnen noch nicht das totale "neue Zeitalter" angebrochen ist. Das Einschalten ist bei mir im positiven Sinn zur Routine geworden. Ihre Beiträge sind aktuell, kompetent und interessant und tragen sicher zum besseren Kennenlernen und Verständnis für unsere Nachbarn bei."

Auch Reinhard Westphal aus Admannshagen nutzt die Kurzwelle, um einen besseren Einblick in das Leben in anderen Ländern zu gewinnen:

"Es ist schon immer meine Grunderkenntnis gewesen, dass man Menschen aus einem anderen Sprachraum nur dann verstehen kann, wenn man sich mit ihnen beschäftigt, sich auch die Mühe macht, über deren Leben nachzudenken und irgendwann auch zu begreifen, dass man nicht alleine die deutschen Nachrichten zu dem jeweiligen Land als Nonplusultra nehmen darf, man muss grundsätzlich die Gegenpartei dazu hören."

Eine ganz ähnliche Auffassung vertritt Franz Dirnberger aus St. Pölten in Österreich:

"Die Kurzwelle ist die einzige Medienquelle, wo man die Neuigkeiten von den einzelnen Ländern und das Leben der Leute im Land erfährt. Ich hoffe, dass die Kurzwelle am Leben bleibt und das noch sehr, sehr lange."

Was die Aktualität und den Informationsgehalt von Kurzwellensendungen anbelangt, bemerkt Manfred Sigulla aus Halle allerdings einschränkend:

"Für mich ist Kurzwellenhören zuerst einmal Hobby. Der Informationsgehalt einiger deutschsprachiger Auslandssender ist nicht sehr hoch, zumindest nicht besonders aktuell... Der Mix von Radio Prag gefällt mir. Aktuelle Informationen zu Beginn, Beiträge über Regierungs- und Parteipolitik, Tipps für Touristen und interessantes über die Geschichte des Landes kann man so ausführlich von einem Sender in Deutschland nicht erwarten. Solche Beiträge sind für das Medium Kurzwelle gut geeignet."

Auch Engelbert Borkner aus Hildesheim betrachtet die Kurzwellensendungen als willkommene Ergänzung zu den inländischen Nachrichten:

"Warum höre ich Radio Prag. Dies ist eine gute Frage und darauf kann ich auch gleich antworten. Da die Tschechische Republik ein unmittelbarer Nachbar Deutschlands ist, bin ich sehr an Informationen und Nachrichten aus und über dieses Land interessiert, da in unseren Medien eigentlich fast gar nichts über Tschechien gebracht wird. Es sei denn, es geschieht etwas Unvorhergesehenes."

Neu für sich entdeckt hat die 16jährige Daniela Senger aus Kühbach die Kurzwelle und schrieb uns hierzu:

"Ich habe Ihre Sendung jetzt das erste mal angehört, aber es wird bestimmt nicht das letzte mal sein. Ich habe noch nicht so lange meinen Weltempfänger, aber mir macht es immer wieder Spaß, Sendungen aus aller Welt zu hören."

Abschließend lassen wir Raimund Steinhauer aus Röthenbach zu Wort kommen, der sich auch noch an seine erste Begeisterung für den Rundfunk erinnert:

"Schon als kleiner Junge war für mich das Radio bezaubernd. Diese Faszination hat bis auf den heutigen Tag angehalten. Für mich ist Radio mehr als nur Hören. Wenn ich eine bekannte Stimme aus dem Lautsprecher höre, ist für mich schon eine gewisse Vertrautheit zum Sender vorhanden. Diese Vertrautheit zu einem Sender kann man mit Surfen im Internet nicht erreichen."

Die Äußerungen von Daniela Senger und Raimund Steinhauer über ihre erste Begegnung mit dem Radio- bzw. Kurzwellenhören sowie das Interesse an Berichten aus anderen Ländern, das aus den übrigen Zuschriften hervorklang, möchten wir als Anregung für die weitere Diskussion mit Ihnen nehmen. Uns würde interessieren, wann und wodurch bei Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, eigentlich erstmals die Neugier an Tschechien geweckt wurde und der Wunsch entstand, über die Geschehnisse hierzulande informiert zu werden. Wir sind gespannt auf Ihre Zuschriften.

Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hatte es in seinem 1970 veröffentlichten Essay "Baukasten zu einer Theorie der Medien" für wünschenswert erklärt, den Rundfunk von einem Distributions- in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Ich denke, dass es uns gemeinsam mit Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, in den vergangenen beiden Sendungen gelungen ist, unser Hörerforum in eine Plattform für Meinungsaustausch zu verwandeln. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals ganz herzlich für Ihre interessanten Beiträge bedanken und um Verständnis dafür bitten, dass wir angesichts unserer begrenzten Sendezeit nicht alle Ihre Zuschriften mit einbeziehen konnten und auch einige Fragen zu anderen Themen außen vor bleiben mussten. Dies wird Sie, verehrte Hörerinnen und Hörer, jedoch hoffentlich nicht davon abhalten, uns auch weiterhin Ihre Meinungen, Fragen und Kommentare zuzusenden.

Abschließend möchte ich Sie nocheinmal daran erinnern, dass wir seit dem Beginn der Sommerzeit am vergangenen Sonntag zusätzlich zu unseren bisherigen Sendezeiten auch um 18.30 Uhr MEZ unsere halbstündige Sendung in deutscher Sprache ausstrahlen.

Und damit, liebe Hörerinnen und Hörer, verabschiede ich mich für heute von Ihnen und bin schon jetzt gespannt auf Ihre Äußerungen zu der Frage, wann und aus welchem Anlass Sie begonnen haben, sich für das Geschehen in Tschechien zu interessieren.