Hörerforum

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Herzlich willkommen, liebe Freunde, zum heutigen Hörerforum. Es begrüßt Sie Silja Schultheis.

Zunächst zu Ihren Fragen, die seit der letzten Sendung bei uns eingegangen sind.

Werner Spinnehörn aus Frankfurt am Main wollte von uns wissen, ob es in Prag noch die so genannten Pawlatschen gibt. Für Hörer, die mit diesem Begriff nichts anfangen können, möchte ich ihn kurz erklären:

Es handelt sich dabei um ein charakteristisches Merkmal Prager Mietshäuser aus dem 19. Jahrhundert, die ursprünglich für die zugereiste Bevölkerung gedacht waren. Um zusätzlichen Platz zu gewinnen und die Mieteinnahmen zu steigern, wurden damals in die Höfe bereits bestehender Häuser Seiten- und Querflügel eingebaut. Und damit die Bewohner auch Zugang zu ihnen hatten, legte man Verbindungsbalkons an - eben jene Pawlatschen. Verbindend waren sie in doppelter Hinsicht: Sie ermöglichten nicht nur jedem einzelnen Bewohner den Zugang zu seinem Quartier, sondern stellten auch einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Wohnungen her.

Man kann sie sich vielleicht wie eine Art langen durchgehenden Gemeinschaftskorridor unter freiem Himmel vorstellen, von dem die einzelnen Wohnungen abgehen und auf dem sich teilweise auch noch die gemeinsamen Toiletten befinden. In den Pawlatschen spielte sich auch allerhand soziales Leben ab. Denn hinter ihnen lagen meistens die Küchen, und die Frauen nutzten die Pawlatschen so nicht nur für die Hausarbeit und zum Wäscheaufhängen, sondern gleichzeitig für Klatsch und Tratsch mit den Nachbarinnen. (Im Tschechischen gibt es hierfür eine feste Redewendung: "Pawlatschen-Tratsch") Pawlatschen findet man heute noch in erhaltenen Häusern aus dem letzten Jahrhundert, vor allem im Prager Stadtteil Zizkov und auf der Kleinseite.

Sie haben allerdings in den meisten Fällen ihre damalige Bedeutung als Ort der sozialen Kommunikation eingebüßt. Themenwechsel: Gerhard Robrahn aus Berlin äußerte sich in seinem Brief zu dem Umzug des Tschechischen Zentrums in Berlin, das bereits seit Herbst letzten Jahres neue Räumlichkeiten in der Friedrichstrasse bezogen hat und ab Mitte dieses Jahres endgültig dorthin übersiedeln und seinen bisherigen Sitz in der Leipziger Strasse aufgeben wird.

Herr Robrahns Frage in diesem Zusammenhang lautet: "Soll dieser größere Raum in der Friedrichstrasse wirklich die Tschechische Republik repräsentieren? Ich habe mir anläßlich der Architekturausstellung diesen "bescheidenen" Ort angeschaut - traurig, ärmlich. Einem Land wie Tschechien unwürdig, bedeutet das den Rückzug aus Berlin?" Wir befragten hierzu den Direktor des Tschechischen Zentrums, Jan Bondy. Zunächst äußerte er sich über die Gründe für den Umzug: Einen Rückzug aus Berlin sieht Herr Bondy in dem Ortswechsel überhaupt nicht und verweist in diesem Zusammenhang auf die neue zentrale Lage in der Friedrichstrasse sowie das erweiterte Angebot des Tschechischen Zentrums, das dem Besucher allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in vollem Maße zur Verfügung steht: Soweit der Direktor des Tschechischen Zentrums in Berlin, Jan Bondy.

Das Thema Umzug beschäftigte auch unseren Hörer Jacques Berchem aus Luxemburg. Er hat von dem neuen Gebäude des Tschechischen Rundfunks erfahren und erkundigte sich in diesem Zusammenhang bei uns: "Ist der Umzug nicht zu schwer gefallen? Ich bin in meiner Jugend so oft umgezogen, dass ich mir nach meiner Heirat 1957 geschworen habe, dieses nie mehr zu tun. Ich konnte dann Gott sei Dank diesen Schwur auch einlösen." Nein, Herr Berchem, der Umzug hat uns bislang glücklicherweise nicht zu schaffen gemacht. Denn bei dem neuen Gebäude handelt es sich ausschließlich um ein Studiohaus, unsere Redaktion selbst ist vorerst in ihren alten Räumlichkeiten geblieben. Der tägliche Weg ins Studio hat sich für die Mitarbeiter von Radio Prag dadurch seit Ende letzten Jahres zwar verlängert, dies aber nehmen wir gerne in Kauf, denn das neue Studio ist wesentlich moderner ausgestattet.

Ein Umzug steht uns dann im Laufe des kommenden Jahres bevor, wenn das alte Gebäude nach und nach renoviert wird und dafür die einzelnen Redaktionen vorübergehend umquartiert werden. An dieser Stelle möchte ich Sie nochmals herzlich dazu ermuntern, uns auch Kritik und Anregungen für künftige Sendungen mitzuteilen. Ich hatte Ihnen bereits vor zwei Wochen von unserer Idee erzählt, das Hörerforum künftig in eine Art Diskussions- und Gesprächsforum zu verwandeln. Bislang haben wir auf diesen Vorschlag erst eine indirekte Reaktion erhalten. Gerhard Robrahn aus Berlin schrieb: "Auch wenn Sie immer wieder nach neuen Anregungen fragen, ich finde zur Zeit nichts, was man in der sehr kurzen Sendezeit besser machen könnte."

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass dem einen oder anderen von Ihnen auch Themen und Fragestellungen einfallen, die er in unseren Sendungen vermisst und über die er gerne auch mit anderen Hörern diskutieren würde. Wir haben einige positive Resonanz auf die Podiumsdiskussion erhalten, die wir zum Thema Fernsehkrise in unserem Studio veranstaltet haben. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Diskussionen dieser Art - auch zu weniger aktuellen Themen - künftig nicht nur mit "Prominenten", sondern auch mit Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, führen würden. Daher noch mal unsere Aufforderung: Schreiben Sie uns doch, worüber Sie sich gerne mit uns und anderen Hörern austauschen würden. Wir würden bei der Themenwahl gerne Ihre Wünsche berücksichtigen, sind dazu aber natürlich auf Meinungsäußerungen von Ihnen angewiesen.

So, und nun ist es höchste Zeit, Ihnen unseren neuen Mitarbeiter Olaf Barth vorzustellen. Sie haben vollkommen recht, wenn Sie in Ihren Briefen einfordern, dass wir Sie über personelle Veränderungen in unserer Redaktion auf dem Laufenden halten. Die Stimme von Olaf Barth ist Ihnen aus unseren Sendungen der letzten Monate bereits bekannt. Er arbeitete seit November vergangenen Jahres als freier Mitarbeiter bei Radio Prag und hat seit Anfang Februar einen festen Vertrag. Grund genug, ihn in einem kurzen Gespräch über seine neue Arbeit zu befragen. Olaf, zunächst würde mich interessieren, wie Du eigentlich an Radio Prag geraten bist und warum Du Dich für diese Arbeit entschieden hast? Und welche Bilanz würdest Du über die ersten paar Monate in der Redaktion ziehen?