Hrabals Sommerhaus in Kersko steht zum Verkauf – Kulturministerium zeigt Interesse

Hrabals Sommerhaus in Kersko

In der kleinen Waldsiedlung Kersko in Mittelböhmen pflegte Bohumil Hrabal den Sommer zu verbringen. Der Schriftsteller schrieb dort eifrig an seinen Büchern. Und in einer Erzählung hat er auch die Bewohner des Ortes verewigt. Nun steht Hrabals Sommerhaus zum Verkauf. Bevor jemand anderes zuschlagen könnte, erwägt nun das Kulturministerium, das Anwesen zu erwerben.

Eine Immobiliengesellschaft bietet das Haus in einem Inserat an. Dass es sich um den Sommer-Wohnsitz von Bohumil Hrabal handelt, wird nicht erwähnt. Dabei ist das Grundstück im Hinblick auf die tschechische Literaturgeschichte nicht ohne Bedeutung.

Bohumil Hrabal | Foto: Hana Hamplová,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0

„Herr Hrabal saß immer draußen unter den Birken an einem gewöhnlichen Tisch und tippte seine Texte in eine Schreibmaschine vom Typ Consul. Die Nachbarn haben ihn in dieser Phase des Tages in Ruhe gelassen. Wenn sie sahen, dass er schrieb, kamen sie nicht zu Besuch. Sobald er aber damit fertig war, war auch schon jemand bei ihm“, erinnert sich Bronislav Kuba.

Der Kunsthandwerker kümmert sich bereits seit vielen Jahren darum, dass in Kersko das Andenken an Hrabal gepflegt wird. Zudem hat er zwei Bücher über den Schriftsteller und den Ort geschrieben.

Bohumil Hrabal wohnte meist von Frühjahr bis Herbst in seinem Sommerhaus –bis 1996 seine Gesundheit dies nicht mehr erlaubte und er ins Krankenhaus nach Prag kam. Laut Bronislav Kuba verfasste der Schriftsteller in Kersko auch seine bekanntesten Werke wie „Ich habe den englischen König bedient“, „Die Schur“ und „Schneeglockenfeste“. Dass Hrabals Sommerhaus und Anwesen nun zum Verkauf stehen, hat daher das Kulturministerium auf den Plan gebracht. Staatssekretär Vlastislav Ouroda sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Hrabals Sommerhaus in Kersko | Foto:  Jaroslav Skalický,  Tschechischer Rundfunk

„Eine mögliche Variante ist, dass der Staat das Haus kauft und an eine von ihm geförderte Organisation überantwortet. Natürlich wird in solchen Fragen der kulturhistorische Kontext berücksichtigt, und der ist in diesem Fall bedeutend.“

Haus und Grundstück werden für 11,9 Millionen Kronen (460.000 Euro) angeboten. Laut einem Bericht des Tschechischen Fernsehens ist dies ein Vielfaches des normalen Preises für ein Anwesen in Kersko. Dabei steht Hrabals Sommerhaus gar nicht unter Denkmalschutz. Die Gemeinde selbst kann eine entsprechende Investition nicht stemmen. Am Donnerstag verhandelte aber der Rat des Kreises Mittelböhmen über eine Kooperation mit dem Kulturministerium. Danach sagte Kreissprecherin Helena Frintová:

„Die Ratsmitglieder haben heute beschlossen, dass geprüft werden soll, ob ein Kauf in Frage kommt oder auch eine Nutzung von Haus und Grundstück.“

Die zweite Möglichkeit würde bedeuten, dort zum Beispiel ein Museum einzurichten. Sollte der Kreis Mittelböhmen keine eigenen Mittel aufbringen können, ist das Kulturministerium entschlossen, allein die Millioneninvestition zu stemmen.

Autoren: Till Janzer , Josef Podolák
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