Im Prager Kloster Břevnov wird Erzabt Anastáz Opasek gedacht

Anastáz Opasek (Foto: Martina Schneibergová)

Erzabt Anastáz Opasek ist hierzulande ein Begriff, und das nicht nur in kirchlichen Kreisen. Der Benediktiner und langjährige politische Gefangene besaß die Gabe, Menschen unterschiedlicher Gesinnung miteinander zu vereinen. Am 20. April jährt sich der 100. Geburtstag von Opasek. Im Prager Kloster Břevnov / Breunau hat man am Wochenende des ehemaligen Erzabtes gedacht.

Anastáz Opasek
Das Veranstaltungswochenende zum Gedenken an Anastáz Opasek begann mit einem Festgottesdienst in der St. Margarethen-Kirche. Für die musikalische Begleitung sorgte nicht zufälligerweise der Chor des Rohrer Sommers. Denn in der niederbayerischen Abtei Rohr lebte Opasek seit 1969 im Exil.

Anastáz Opasek war ein Europäer, in dessen Leben sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Er kam 1913 in Wien zur Welt, wuchs im mittelböhmischen Kolín auf, studierte in Rom und war als Geistlicher in Prag, in Österreich sowie im niederbayrischen Rohr tätig. Er war ein großer Kenner der tschechischen Kultur und schrieb zudem Gedichte. Mit 34 Jahren wurde er 1947 zum Abt des Klosters im Prager Stadtteil Břevnov gewählt. Für seinen Mut während der Nazi-Okkupation wurde Opasek nach dem Krieg ausgezeichnet. Von den Kommunisten indes wurde er in einem Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach elf Jahren wurde er 1960 auf Bewährung freigelassen. Er durfte jedoch nur als Maurer und Lagerarbeiter arbeiten. Seit 1969 lebte er im Exil in Bayern, wo er nicht nur viele tschechische Landsleute um sich scharte, sondern auch gute Kontakte zu den Sudetendeutschen knüpfte.

Gottesdienst zum Gedenken an Erzabt Opasek
Nach der Wende von 1989 kehrte er nach Prag ins Kloster Břevnov zurück, das anlässlich des 1000. Jubiläums des Stifts zur Arzabtei erhoben wurde. Opasek starb unerwartet im Sommer 1999 während eines Besuchs im Kloster Rohr. Bestattet wurde er auf dem Friedhof in Břevnov.

Den Gottesdienst zum Gedenken an Erzabt Opasek zelebrierte der Prager Erzbischof Kardinal Dominik Duka. Er erinnerte sich an seine Begegnungen mit Opasek:

„Zum ersten Mal habe ich ihn im Mai 1968 im Schnellzug getroffen, als ich aus Prag nach Velehrad, dem mährischen Wallfahrtsort reiste. Es war in der Zeit des so genannten Prager Frühlings. Es war damals ein schönes und sehr lustiges Treffen von Abt Opasek und uns – Studenten der theologischen Fakultät in Litoměřice / Leitmeritz. Es war damals auch eine Studentendelegation von der Karlsuniversität dabei, mit Tomáš Halík an der Spitze. Später bin ich Amt Opasek nach der Wende von 1989 begegnet – bei den Verhandlungen zwischen Staat und der Kirche. Er hatte eine große Noblesse und konnte mit verschiedenen Politikern reden. Ich erinnere mich an einen Augenblick, in dem Anastáz Opasek das Segen Gottes dem heutigen Staatspräsidenten Miloš Zeman gegeben hat. Und der damalige Premier Zeman hat dann nicht nur ihm, sondern vor allem auch der Abtei wirklich geholfen.“

Im Kloster gibt es immer noch das Zimmer von Anastáz Opasek. Bei der Führung durch die Räume bemerkte Antonín Rückl:

„Auf dem Arbeitstisch sehen Sie einen für uns wertvollen Gegenstand: Es ist ein Hammer, mit dem der Abt in den 1960er Jahren arbeitete, als er mithalf, die Plattenbausiedlung im Prager Stadtteil Petřiny zu bauen.“

Alle Redner, die während des Gottesdienstes und der nachfolgenden Lesung über ihre Erinnerungen an Anastáz Opasek sprachen, haben besonders den Humor und die Ausstrahlung des Erzabtes geschätzt. Der Prior der Erzabtei Břevnov, Prokop Siostrzonek:

Anastáz Opasek
„Er hat einmal gesagt, dass er eigentlich froh sei, im Gefängnis gesessen, als Bauarbeiter gearbeitet und viele Hemden durchschwitzt zu haben. Ohne diese Erfahrung wäre er möglicherweise ein sehr reservierter Prälat geworden.“

Fotos: Martina Schneibergová