Immer weniger Telefonzellen in Tschechien – aber sie sind unersetzlich

Foto: Kristýna Maková

In Zeiten des Mobilfunks sind öffentliche Telefonzellen so etwas wie Dinosaurier der Kommunikation. Die Frage ist daher: Sind sie zum Aussterben verdammt? Das Tschechische Telekommunikationsamt hat dies vorerst verneint.

Foto: Kristýna Maková
Wer nutzt heute noch eine Telefonzelle oder würde sich dort sogar anrufen lassen? In Tschechien zum Beispiel gibt es mittlerweile mehr SIM-Karten für Handys als Einwohner. Zuletzt waren es etwa 14 Millionen. Die Zahl der öffentlichen Fernsprechanlagen hat sich daher schon bedeutend reduziert. Waren es im Jahr 2002 noch 32.000, ist es heute kaum mehr als die Hälfte. Doch an manchen Orten sind sie weiter unersetzlich. Hany Farghali ist Sprecher von O2 Czech, das Unternehmen betreibt die öffentlichen Fernsprecher:

„In Tschechien bestehen etwa 250 Fernsprechanlagen, die wir im Rahmen öffentlicher Dienstleistung betreiben. Dies ist gesetzlich geregelt. Damit sollen die Bewohner kleiner Orte immer die Möglichkeit haben, im Fall von Krisensituationen einen Festnetzanschluss zu nutzen. Das bietet Sicherheit, falls das Mobilfunknetz zusammenbricht.“

Pětidomí (Foto: Miroslav Routa, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Ein solches öffentliches Telefon besteht zum Beispiel seit 1983 im Weiler Pětidomí in Westböhmen. Es ist im Haus von Marie Bělohlávková installiert. Die Pflege des Apparats hat sie von ihrem Vater übernommen. Zwar kommt heute nur noch sporadisch jemand vorbei, wenn das Handy gerade nicht aufgeladen ist. Früher gab es aber auch regelmäßige Nutzer:

„Das waren beispielsweise die Mütter von Sportlern, einer der Söhne spielte damals Handball in Deutschland.“

Ob heute die Telefonzelle noch von Bedeutung ist, wollte auch das Tschechische Telekommunikationsamt wissen. Deswegen hatte es im Februar eine Studie in Auftrag gegeben. Martin Drtina ist Sprecher des Amtes:

Martin Drtina (Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„In der Studie wurde festgestellt, dass die Fernsprechanlagen nicht nur in Krisensituationen, wenn das Handysignal ausfällt, ihre Bedeutung haben. Es gibt nämlich auch Gegenden in Tschechien, in denen gar kein Handysignal empfangen werden kann oder in denen es sehr schwach ist. Für diese Gegenden ist das Telekommunikationsamt zu dem Schluss gekommen, dass die Fernsprecher erhalten bleiben sollten. Neben Telefonzellen, die aus gemeinnützigen Gründen erhalten werden, gibt es auch solche, deren Betrieb sich rechnet. Sie werden von O2 freiwillig betrieben.“

Rund ein Drittel der insgesamt etwa 15.000 öffentlichen Telefonzellen werden in Tschechien aus gemeinnützigen Gründen erhalten.

Foto: Kristýna Maková
„Genau sind es 5467 Telefonzellen. Im vergangenen Jahr wurde von ihnen etwa 750.000 Minuten lang gesprochen. Diese Fernsprecher sind unter anderem wichtig in Notsituationen, also für den Anruf bei einer Telefonseelsorge zum Beispiel. Denn sie bieten Anonymität. Und manchmal sind sie auch das einzige Kommunikationsmittel, an das hilfesuchende Menschen in dem Moment herankommen“, so Drtina.

Das Telekommunikationsamt hat deswegen vorgeschlagen, diese Telefonzellen in gleicher Zahl auch in den kommenden Jahren zu erhalten.