Informationskrieg und spezielle Verantwortung: Rundfunk-Konferenz über „Medien und die Ukraine“

Präsident Petr Pavel auf der Konferenz Medien und die Ukraine

„Medien und die Ukraine“ – unter diesem Titel läuft den ganzen Donnerstag in Prag eine internationale Konferenz, die der Tschechische Rundfunk ausrichtet. Namhafte Medienvertreter diskutieren dabei die Verantwortung, die Journalisten in Kriegssituationen tragen.

Kriegsberichterstattung ist eine der schwierigsten Disziplinen für Journalisten. Der Tschechische Rundfunk hat bereits seit Januar 2022 Martin Dorazín als Sonderkorrespondenten in der Ostukraine, fast täglich informiert er im Radioprogramm über das Geschehen vor Ort. Auf den Radiodays Europe, die im März in Prag stattfanden, hatte Dorazín per Videobotschaft gesagt:

Martin Dorazín | Foto: YouTube

„Dieser Krieg, genauer gesagt die russische Aggression gegen die Ukraine, hat eine ungekannte und wichtige Dimension. Russland hat den Informationskrieg erklärt, und dies nicht nur gegen die Ukraine, sondern gegen die ganze freie Welt.“

Bei der Konferenz „Média a Ukrajina“ (Medien und die Ukraine) ist Dorazín am Donnerstag in Prag nun persönlich anwesend. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen anderer tschechischer Medien und auch aus der Ukraine selbst schildert er seine Arbeit im Kriegsland.

Die ganztätige und prominent besetzte Veranstaltung hat der Tschechische Rundfunk im Rahmen der Feierlichkeiten seines 100. Jubiläums organisiert. Entsprechend war die Konferenz Schwerpunkt in den Rundfunkprogrammen am Donnerstagmorgen. Die Berichterstattung auf den Onlinekanälen wurde allerdings durch einen Hackerangriff verhindert, fast alle Webauftritte des Tschechischen Rundfunks waren dauerhaft lahmgelegt. Die Übertragung der Konferenz über den Youtube-Kanal verlief aber reibungslos. Generaldirektor René Zavoral äußerte zum Auftakt:

René Zavoral  (rechts) | Foto: YouTube

„Dass die öffentlich-rechtlichen Medien eine besondere Rolle in einer Lage wie dieser spielen, davon zeugt auch der heutige Hackerangriff. Denn dies ist natürlich kein Zufall. Jemandem ist es ein echter Dorn im Auge, dass wir uns heute hier treffen und ein so wichtiges wie auch schwieriges Thema besprechen.“

Laut Josef Pazderka, Chefredakteur des Nachrichtensenders Český rozhlas Plus, soll die Konferenz die Qualität der Berichterstattung und Informationsweitergabe für das tschechische Publikum unterstreichen. Außer den Erfahrungsberichten der Korrespondenten steht etwa ein Auftritt der ukrainischen Reporterin Switlana Oslawska auf dem Programm, die über die Dokumentierung von Kriegsverbrechen in der Ukraine spricht. Und zum Thema „Verantwortung des Westens“ diskutiert der britische Journalist Peter Pomerantsev gemeinsam mit Schanna Borissowna Nemzowa, der Tochter des ermordeten russischen Oppositionspolitikers.

Zu Beginn der Konferenz leitete aber der tschechische Staatspräsident, Petr Pavel, den ersten Themenblock mit dem Titel „Ukrajina jako společná ospovědnost“ (Die Ukraine als gemeinsame Verantwortung) ein. Er betonte den Wert der Meinungsfreiheit und erinnerte an die ermordeten und inhaftierten Journalisten. Tschechien stehe zwar nicht in direkten Kampfhandlungen mit Russland, so Pavel. Es befinde sich aber im Informationskrieg mit dem Land:

Präsident Petr Pavel auf der Konferenz Medien und die Ukraine | Foto: Kateřina Šulová,  ČTK

„Krieg wird bei weitem nicht nur in der physischen Sphäre geführt. Ein großer Teil läuft auch im menschlichen Geiste ab. Es ist ein Kampf um die Macht der öffentlichen Meinung – darum, in welchem Maße außenstehende Beobachter das Opfer vom Aggressor unterscheiden können.“

Ursprünglich wollte Petr Pavel die Konferenz gemeinsam mit Vitali Klitschko, dem Bürgermeister von Kiew, eröffnen. Klitschko konnte allerdings nicht nach Prag anreisen. Er gab dem Tschechischen Rundfunk aber vorab ein Videointerview, aus denen Teile zu Beginn der Konferenz gesendet wurden. Darin sagte er:

„Die Medien sind derzeit mitunter viel wichtiger als die Waffen. Putin versucht, den Krieg mit Lügen zu erklären und Fake News zu verbreiten – über eine angebliche ‚Spezialoperation‘, über unsere Armee oder darüber, dass die Ukraine nie im Kreis der souveränen Staaten angekommen sei.“

Darum sei die Unterstützung der Ukraine von Seiten der internationalen Gemeinschaft lebenswichtig für sein Land, ergänzte Klitschko. Er mahnte, dass der Konflikt mit Russland nicht nur die Menschen in der Ukraine, sondern überall auf der Welt betreffe. Und darum sei eine proaktive Haltung nötig, diesen sinnlosen Krieg zu beenden, so Klitschkos Worte.

schlüsselwörter:
abspielen

Verbunden