Initiative „Dám respekt“ will feindseliger Stimmung im Straßenverkehr entgegenwirken
Vielleicht haben Sie bei einem Besuch in Prag schon einmal versucht, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen. Dann wissen Sie, dass das eine gute Kenntnis des losen Radwegenetzes und unbedingt einen Helm braucht – sowie eine große Portion Mut. Besser ist die Lage in Städten wie Hradec Králové oder Brno / Brünn. Aber grundsätzlich ist in ganz Tschechien die Stimmung zwischen Autofahrern und Radfahrern nicht die beste. Das Projekt „Dám respekt“ (zu Deutsch etwa: Ich nehme Rücksicht) will das ändern.
Man muss sich nicht lieben – es reicht, sich zu respektieren. Das ist die Devise der Initiative „Dám respekt“. Seit 2019 setzt sie sich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr ein, und zwar für alle Teilnehmer. Auf ihrer Homepage ist als Erstes eine Grafik zu sehen, die auf den nötigen Abstand von 1,5 Metern zwischen Auto und Radfahrer hinweist.
Es sei nicht die Absicht, mit dem Finger nur auf eine Fahrergruppe zu zeigen und sie der Rücksichtslosigkeit zu bezichtigen, betont Projektkoordinator Alexandr Kliment. Jeder könne bei sich selbst beginnen, auf der Straße mehr Respekt zu zeigen:
„Es ist nötig, dass jeder von sich aus damit beginnt, die Verkehrsregeln einzuhalten und sich rücksichtsvoll zu benehmen. Aus Umfragen wissen wir, dass 64 Prozent aller Menschen in Tschechien sowohl Fahrrad als auch ein motorisiertes Fahrzeug fahren. Die Aggressionen gegenüber der jeweils anderen Seite sind also total paradox. Denn es sind immer dieselben Menschen – nur einmal hinter dem Steuer und ein anderes Mal im Sattel.“
Jetzt hat „Dám respekt“ erneut eine Studie beim Meinungsforschungsinstitut Kantar in Auftrag gegeben. Dem Ergebnis zufolge empfindet die Mehrheit der jungen Menschen in Tschechien, also jene im Alter von 16 bis 29 Jahren, das Verhältnis zwischen Autofahrern und Radfahrern als feindselig. 67 Prozent der Schüler und 72 Prozent der Fahranfänger äußerten sich in diesem Sinne.
Diese Angaben ergänzt die NGO mit dem Hinweis, dass es hierzulande jährlich rund 4000 Unfälle gebe, in die Radfahrer verwickelt sind. Dutzende davon enden tödlich. Als eine Ursache benennt Kliment Wissenslücken von Fahranfängern:
„Einerseits sind sie noch jung und haben wenige Erfahrungen im Straßenverkehr. Andererseits haben sie erst kurze Zeit einen Führerschein, weswegen alle Regeln noch frisch im Gedächtnis sein sollten. Wir sehen in der Umfrage aber, dass nur jeder fünfte Befragte den Unterschied zwischen einem Radfahrstreifen und einem Radschutzstreifen kennt. Wenn man das nicht unterscheiden kann, dort aber mit dem Rad oder dem Auto unterwegs ist, kann ein Leben auf dem Spiel stehen.“
Mit den neuen Statistiken in der Hand wolle sich die NGO nun an junge Rad- und Autofahrer wenden und ihre Kenntnisse über die Rechte des jeweils anderen vertiefen, fährt Kliment fort. Vor allem gehe es darum, Respekt für alle Verkehrsteilnehmer aufzubringen – ganz der ursprünglichen Idee zufolge, mit der Radrennfahrer Roman Kreuziger und seine Frau Michaela die Initiative „Dám respekt“ gegründet haben.
Für das nächste Jahr sei eine Roadshow durch die Schulen in Tschechien geplant, berichtet Kliment weiter. Um eine faire Generation an Auto- und Radfahrern heranzuziehen, brauche es jedoch mehr als nur eine NGO:
„Wir allein brechen das nicht auf. Es ist nötig, dass auch in Fahrschulen, im Bildungssystem und in den Elternhäusern darüber nachgedacht wird. Denn aus unserer Studie wissen wir außerdem, dass den größten Einfluss auf bestimmte Verhaltensweisen die Familien, die Freunde und außerdem die sozialen Netzwerke haben.“
Diese Erkenntnisse seien für die Initiative „Dám respekt“ sehr wertvoll, ergänzt Kliment. Denn so könne man nun überlegen, wie die jungen Menschen am effektivsten angesprochen und echte Veränderungen angegangen werden könnten.







