Jaroslav Rudiš liest Prag-Roman als Ehrengast auf Frankfurter Buchmesse

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Am Donnerstagnachmittag wird Jaroslav Rudiš sein Buch „Die Stille in Prag“ dem deutschen Publikum vorstellen. Der tschechische Schriftsteller und Dramaturg ist als Ehrengast zur internationalen Frankfurter Buchmesse geladen. „Die Stille in Prag“ wurde erstmals im vergangenen Jahr in deutscher Sprache veröffentlicht. Im folgenden Interview verrät der Autor, was Ihn dazu bewogen hat, einen etwas anderen Roman über die schöne Stadt Prag zu schreiben.

Frankfurter Buchmesse (Foto: Thomas Pusch, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Herr Rudiš, einige Bücher von Ihnen wurden bereits übersetzt, wie etwa „Himmel unter Berlin“, 2005 erstmals auf Deutsch erschienen, oder „Grandhotel“ aus dem Jahr 2008. Diese Woche lesen Sie auf der Frankfurter Buchmesse aus Ihrem dritten Roman „Die Stille in Prag“. Vielleicht können Sie unseren Hörern Ihr neues Buch kurz vorstellen?

„Das Buch ist eine Prager Liebesgeschichte. Ich habe es wirklich mit Liebe geschrieben, über diese Stadt, die sich in den letzten 20 bis 25 Jahren unglaublich stark verändert hat. Sie ist letztlich von einer etwas verschlafenen tschechischen Metropole zu einer Touristen-Metropole geworden. Im Roman geht es um einen Tag in Prag, an dem sich meine Charaktere oder besser: meine Helden treffen. Und sie alle fahren mit der Straßenbahnlinie Nummer 22, die einfach eine der Schönsten ist.“

Foto: Luchterhand-Verlag
Woraus ergibt sich aus Ihrem Buch das Motiv oder der Titel „Die Stille“?

„Ich war immer überrascht, wie Prag im Ausland beworben wird - als eine langsame, nebelige Stadt, in der man vielleicht Franz Kafka irgendwo trifft. Wenn man dort als Tourist ankommt, dann sieht man im Stadtzentrum meist nur andere Touristen. Aber es geht natürlich nicht nur um dieses laute Prag, vielleicht ist es vielmehr auch eine Sehnsucht nach einer Ruhe.“

Die Figuren in Ihrem Roman könnten nicht unterschiedlicher sein - von Alt bis Jung, vom orientierungslosen Jugendlichen, über eine gelangweilte Karrierefrau, bis hin zu einem geplagten Rentner. Was verbindet diese Charaktere?



Straßenbahnschleife auf dem Weißen Berg (Foto: ŠJů, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
„Es ist die Stadt Prag, die Straßenbahn 22 - jeder in meinem Buch fährt mit dieser wunderbaren Linie. Und an einem dieser Orte wurde wirklich Geschichte gemacht. Auf dem Weißen Berg, dort wo jetzt die Straßenbahnlinie Nummer 22 endet, da hat der Dreißigjährige Krieg begonnen, da hat sich eine Schlacht abgespielt, damals zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Und genau dort findet man jetzt eine Straßenbahnschleife. Es geht mir um diese Tramlinien, die durch die Stadt fahren und die auf eine Art die Adern und Venen dieser Stadt sind. Alle diese Figuren haben viele reale Vorbilder. Ich kenne Vorbilder für Hana oder Vanda, also für die beiden Frauenfiguren im Buch. Ich wollte natürlich, dass sie unterschiedlich sind, aber trotzdem haben sie gemeinsam, dass sie diese Stadt im Hintergrund und ständig um sich haben. Sie befinden sich in einem Moment, an dem sich etwas in Ihrem Leben verändert. Beziehungen gehen beispielsweise kaputt, oder vielleicht entstehen auch wieder neue Beziehungen. Alle Romanfiguren sind in einer Umbruchphase, genauso vielleicht, wie die Stadt um sie herum.“

Foto: Labyrint Verlag
Steht hinter diesen Geschichten vielleicht sogar noch mehr, in dem Sinne, dass die einzelnen Charaktere auf der Suche nach sich selbst sind und letztlich zu einem Spiegelbild unserer Zeit werden?

„Alle sind etwas im Chaos und unglücklich. Sie alle sind natürlich auf der Suche nach sich selbst. Ich dachte immer, das endet mit 22 und existiert nicht mehr mit 30 oder 40. Aber wenn ich mich so umschaue, dann ist man ewig auf der Suche nach sich selbst, nach Zufriedenheit, nach einer Stille und einer gewissen Harmonie in seinem Leben. Und das wollte ich in meinem Buch auch ein wenig zeigen.“

Ihr neueste Roman „Konec punku v Helsinkách“ ist schon vor einiger Zeit auf Tschechisch erschienen. Wann ist eine deutsche Übersetzung geplant und wann wird diese im Handel erscheinen?

Jaroslav Rudiš (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Das ist eine ganz andere Geschichte, da geht es um die Punk-Generation der späten 80er Jahre. Es geht auch um das erste Konzert der Toten Hosen im Ostblock. Was ist eigentlich aus diesen Punks geworden ist? Was machen sie und wie leben sie jetzt? Was ist aus der Revolte geworden, und kann man heute überhaupt noch revoltieren? Dieses Buch ist 2010 auf Tschechisch erschienen und wird jetzt auch auf Deutsch erscheinen, im März 2014, beim Luchterhand-Verlag.“

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