Jesenik - Region

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Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe des Regionaljournals. Heute werden wir Sie, verehrte Damen und Herren, in die abgelegene nordmährische Jesenik - Region führen, die sich auch kürzlich auf dem Altstädterring in Prag vorgestellt hat. Menschenleere Gebiete auf der einen Seite, für den Tourismus lebende Städte und Dörfer auf der anderer Seite, von Tal zu Tal anders. In die Bergregion Jesenicko, die auch das vergessene Paradies Tschechiens genannt wird, laden Sie ein. Am Mikrofon sind Daniela Kralova und Dagmar Keberlova.

Im Nordmähren, an der Grenze zu Polen, befindet sich diese vom restlichen Tschechien abgeschottete Gebirgs-Region, die gerade dieser Lage den erhaltenen Zauber verdankt. Von dem höchsten Berg, Praded - dem Altvater, übersieht man nahezu das gesamte Bergmassiv, dass weiter nach Polen übergeht. Das Besondere an Jesenicko - also an der Jesenik-Region ist, dass man bei diesem Anblick das noch zusammenhängende Grün des Waldbewuchses bewundern kann. Das ist in anderen tschechischen Bergen leider nicht immer der Fall. Die saubere Bergluft und die malerische Natur ist und war immer eine der wichtigsten Devisen von Jesenicko. Doch nicht nur durch den Tourismus und die Heilbäder war Jesenicko schon im vorigen Jahrhundert bekannt. Auch an Industrie fehlte es nicht. Bereits im Jahre 1900 gab es in der Hauptstadt des Kreises, in der Stadt Jesenik - Freiwaldau, städtische Gaswerke, die Gas sowohl für die Haushälter als auch für die Industrie lieferten. Beispielsweise wurde das Schloss in Javornik zu dieser Zeit bereits mit Gas versorgt. Auch war Jesenicko wegen seiner Textilindustrie bekannt. Leinen wurde hier verarbeitet und in die ganze Welt transportiert. Grosse Teile der Bevölkerung wurden hier zweimal ausgetauscht: vor dem Zweiten Weltkrieg verliess die tschechische Bevölkerung die Region, nach dem Krieg wiederum die deutsche Bevölkerung. Im Jahr 1960 verlor der Kreis Jesenik nach 112 Jahren, in denen es eine eigenständige Verwaltungseinheit war, den Status des Kreises und hat diesen erst am 1. Januar 1996 wiedererlangt.

Heute leben in dem kleinsten Kreis der Tschechischen Republik ungefähr 43000 Menschen und haben hier kein einfaches Leben. Schwache Industrie, schlechte Bedingungen für die Landwirtschaft und vor allem die komplizierten Verkehrsverbindungen machen Jesenicko zu einer der ärmsten Regionen des Landes. Grosse Schwierigkeiten gab es hier nach der Wende auch mit der Arbeitslosigkeit. Die letzten Entwicklungen zeigen einen Fortschritt, bestätigte uns Jiri Kratky, Bürgermeister der Stadt Jesenik:

"Nach dem Jahre 1990 waren wir schwer von der Arbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosen machten bei uns 30 Prozent der Bevölkerung aus, in einer Zeit, in der die anderen Teile der Tschechischen Republik noch gar nicht gewusst haben, wie man das Wort Arbeitslosigkeit ausspricht. Das haben wir heute hinter uns und wir haben daraus gelernt. So sind wir hinsichtlich der Vorbereitung auf das neue Entwicklungsprogramm und auf die alternative Arbeitsbeschaffung vielen anderen Regionen weit voraus. Wir bemühen uns zurückzubekommen das, was wir verloren haben und ich kann sagen, dass wir erfolgreich sind."

Der Motor der Region bleiben die Heilbäder und der Tourismus. Gleich mit zwei bekannten Heilbäderstädten rühmt sich die Gegend unterhalb des Altvaters. Die bekannteren sind die Priessnitzbäder im Kurort Jesenik/Gräfenberg, ca. 2 Kilometer oberhalb der Stadt Jesenik gelegen. Gegründet wurden sie bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Vinzenz Priessnitz, der mit seiner Wasserheilmethode sowohl in ganz Europa als auch in Amerika seinerzeit große Popularität erlangte. Priessnitz beobachtete die Heilwirkungen des kalten Wassers zuerst bei den Tieren, dann bei sich selbst und weiteren Menschen. Am Anfang hatte er um die Anerkennung seiner Methode hart kämpfen müssen, obwohl die Heilwirkungen des Wassers bereits seit der Zeit Hippokrates bekannt waren. Er war aber der erste, der anhand der Reaktionen des Patienten eine individuelle Prozedur vorschrieb. Er wurde mit seiner Methode schnell bekannt und berühmte Persönlichkeiten waren seine Kurgäste wie z.B. der deutsche Dichter Heinrich Laube oder der russische Schriftsteller N.V.Gogol. Der Kurort ist auch heute noch ein sehr wichtiges Element für die Wirtschaft der Region. Hierzu noch einmal der Bürgermeister Jiri Kratky:

"Also ich glaube, dass der Kurort nicht nur der wichtigste Arbeitgeber in der Region ist, sondern auch der größte Magnet für die Touristen aus dem In- und Ausland. Die Stadt ist untrennbar verbunden mit dem Kurort, auch wenn er heute vollkommen privat ist. Wir treten immer als Stadt und Kurort zusammen auf und ersetzen uns gegenseitig und helfen uns."

Auch der zweite Kurort Lipova Lazne, wenn auch kleiner und weniger bekannt, hat eine interessante Geschichte. Er wurde von Johann Schrott im Jahre 1829 gegründet. Schrott erfand seinerzeit eine Abmagerungskur. Heute wird die Kur jedoch nur noch eingeschränkt betrieben, da an ihrer Verbesserung gearbeitet wird. Lipova Lazne arbeitet mir dem bayerischen Kurort Oberstaufen zusammen, denn gerade hier wurden die aus dem tschechischen Kurort nach 1945 ausgesiedelten Deutschen ansässig - und hatten die Kur mitgenommen. Jetzt arbeiten sie mit den tschechischen Kollegen an der Ersetzung des einzigen störenden Teils der Abmagerungs-Therapie, dem Alkohol. Warum, hierzu der Bürgermeister von Lipova Lazne Lubomir Zmolik :

"Es ging uns darum, die Schrottmethode zu erhalten. So gründeten wir mit unseren deutschen Partnern den Schrottband 2000, der sich mit der Innovation der Schrottheilmethode beschäftigt. Die bestehenden alkoholischen Getränke müssen mit passendem Mineralwasser gemischt werden, so dass die Kur auch für heutige Zeit interessant ist und die gesunde Lebensweise verfolgt."

Vielleicht haben Sie den Eindruck bekommen, verehrte Damen und Herren, dass die Gegend um Jesenik nur von Kurorten lebt. Doch genauso wichtig für diese Region ist der Tourismus. Im Sommer ist Jesenik als unbeschränktes Wanderungsgebiet beliebt, es bietet sehr schöne Wanderwege, die teilweise durch sehr gut für den Tourismus ausgestattete Ortschaften führen, auf der anderen Seite können die Wanderer kilometerlang berg auf und berg ab laufen, ohne auf nur eine Gaststätte zu stoßen. Ich fragte Milena Novakova, den Vorstand des Kreisamtes Jesenik, wie sie diese toten Orte auf der Landkarte belebt werden könnten:

"Was die vergessenen oder weniger besiedelten Gebiete betrifft, und ich meine vor allem Rychleby und Javornik, bemühen wir uns, diese Gebiete für den Touristen interessant zu machen. Deshalb haben wir dort an die 200 Kilometer an Radwegen in Karten verzeichnet und nun wollen wir auf diesen neuen Wegen auch die entsprechenden Dienstleistungen anbieten."

Bei den verheerenden Überschwemmungen im Jahre 1997 hatte die Region Jesenik große Schäden erlitten. Nachher hatte sie große Hilfe unter anderem beim ersten Prager Stadtbezirk gefunden und seitdem verbindet sie eine gute Freundschaft. Ein Beispiel dafür war zuletzt die vor kurzem vom ersten Prager Stadtbezirk organisierte Präsentation am Prager Altstädterring.

Wer den Prager Altstädterring kennt, weiß, dass hier fast immer irgendwelche Stände stehen. Doch die ca. 20 Holzhütten und zwei große weiße Zelte, die hier in der letzten Woche aufgebaut wurden, umrangt von frisch geschnittenen Fichten, haben den Besuchern durch den kräftigen Harzgeruch sofort ihren Ursprung verraten. "Jesenicko hat alles, was Prag nicht hat," sagte der Bürgermeister des ersten Prager Stadtbezirks, Jan Bürgermeister, bei der Eröffnung und hat vollkommen recht. Mit der Präsentation will man die gute Zusammenarbeit fortsetzten, wie uns Bürgermeister bestätigte:

"Die Zusammenarbeit begann mit finanzieller, materieller und persönlicher Hilfe nach den verheerenden Überschwemmungen im Sommer 1997. Wir haben gesehen, dass wir einander näher stehen, als die geographische Entfernung tatsächlich zeigt, und dass wir uns gegenseitig so viel zu bieten haben. Mit dieser Präsentation wollen wir nun Raum zu einer noch regeren Zusammenarbeit bieten."

Prag und seine Besucher zeigten ihr Interesse für das kleine Stück der Region, das eine Woche lang am Altstädter Ring präsent war. In den zwei großen Zelten lassen sie sich von der Schönheit der Berge und kleinen Ortschaften bezaubern, bei einem anderen Stand sehen sie dem Schmied zu. Dass auch Menschen, die diese bergige Region bereits sehr gut kennen, die Präsentation genutzt hat, bestätigte mir eine Besucherin, die ich mit meiner Frage aus ihrer Verzauberung ausgerissen habe:

"Ich habe Jeseniky sehr gern und bin oft dort und kenne sie ziemlich gut, aber hier habe ich festgestellt, dass es noch so viele Orte gibt, die ich besuchen kann. Noch dazu ist alles aus frisch geschnittenem Fichtenholz gemacht und das macht hier die Atmosphäre nur stärker und echter."

Andere suchen sich Unterlagen für den kommenden Winterurlaub oder Kuraufenthalt in einem der beiden Kurorte der Region, auch der warme kräftige Tee und der leckere Kuchen kommen keinesfalls zu kurz. Darüber freut sich Tomas Kaspar, der hier die junge Generation Jeseniks vertritt und sein Teehaus präsentiert:

"Wir wollen Jesenicko aus einer eher alternativen Sicht zeigen, verschiedene ökologische Aktivitäten, das Leben junger Menschen in unserer Region, zu dem auch Teetrinken gehört. Es freut mich sehr, dass sowohl unser Tee als auch der Kuchen sehr gut ankommen."

Genauso erging es auch dem Biobauer Libor Zavadsky, der hier seine Spezialität verkauft hat:

"Wir mischen die Ziegen- und Schafsmilch, womit wir ein eine einzigartige Mixtur für die Käseherstellung bekommen haben. Gleichzeitig sind wir die einzigen, die so einen Käse in der Tschechischen Republik herstellen."

Die Präsentation war den Worten des Bürgermeisters von Prag 1 erfolgreich und wird möglicherweise nächstes Jahr wiederholt.

Autoren: Dagmar Keberlova , Daniela Kralova
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