Jugend debattiert: Das sind die Sieger der tschechischen Finalrunde 2025
Anfang Juni wurde in der deutschen Botschaft in Prag das tschechische Landesfinale von „Jugend debattiert“ ausgetragen. Es steht nun die hiesige Gewinnerin beim diesjährigen Wettbewerb fest.
„Für mich war das Halbfinale gestern ziemlich anstrengend, weil ich die Position P 1 vertreten habe. Und diese Position mag ich gar nicht. Es ist mir unangenehm, die Debatte zu eröffnen, aber ich habe es trotzdem geschafft.“
Das sagte, am Tag des Finales von „Jugend debattiert“ in Tschechien, die Halbfinalistin Denisa Foldynová. P 1 oder auch Pro 1 bedeutet, dass ein Teilnehmer bei einer Debattenfrage für das vorgegebene Thema argumentieren soll. Die weiteren Positionen sind Pro 2 sowie Contra 1 und Contra 2 auf der Gegenseite, da man immer im Team argumentiert. Für Denisa war das Halbfinale leider die letzte Runde beim diesjährigen Wettbewerb. Die Debattenfrage lautete: „Soll ein allgemeines Gesellschaftsjahr nach dem Schulabschluss eingeführt werden?“
Das Konzept eines freiwilligen sozialen Jahres ist in Deutschland weit verbreitet. Das wusste auch Denisas Mitstreiterin, die Halbfinalistin Pavlína Střížová:
„Ich habe mich sehr intensiv darauf vorbereitet. Ich habe dafür auch Freunde aus Deutschland konsultiert, die ein freiwilliges soziales Jahr gemacht haben. Es war sehr interessant, mit ihnen darüber zu sprechen. Außerdem haben mir die Internetrecherche geholfen und mein Lehrer.“
Denisa geht auf das Pavel-Tigrid-Sprachgymnasium in Ostrava / Ostrau und dort in die 12. Klasse. Gefragt nach ihrem derzeitigen Berufswunsch, erzählte sie:
„Deutsch ist für mich eher eine praktische Kompetenz, die ich für mich in meiner Zukunft nutzen kann. Ich möchte vielleicht Medizin in Deutschland studieren. Für mich ist die Sprache also eher ein Mittel für das Studium.“
Das Sprechen von Deutsch auf einem hohen Niveau ist auch Voraussetzung, um bei „Jugend debattiert“ erfolgreich teilzunehmen. Denisa geht in ihrer Schule in eine Debattier-AG, in der sie zu sechst sind. Schon zwei Wochen vor der Halbfinalrunde wusste man in der AG, wie das Thema lautet. Um selbstbewusst und gut aufgestellt in eine Debatten zu gehen, ist im Vorfeld Teamwork nötig. Denisa sagt:
„Während der zwei Wochen bereiten wir uns auf die gesamte Debatte vor. Wir recherchieren und notieren die Argumente. Und dasselbe machen wir auch kurz vor der Debatte mit dem Partner oder der Partnerin. Dann setzen wir uns zusammen und schreiben bestimmte Argumente auf.“
Dieses Jahr waren 18 Schulen in Tschechien dabei
„Jugend debattiert“ wird weltweit in mehr als 35 Ländern durchgeführt. Die meisten davon sind in Europa. Seit 2005 gibt es den deutschsprachigen Wettbewerb auch in Tschechien. Wie viele Schulen an dem diesjährigen Durchgang teilgenommen haben, berichtete gegenüber Radio Prag International der Landeskoordinator von „Jugend debattiert“, Helmut Kehlenbeck von der Zentralstelle für Auslandsschulwesen:
„Man muss ja die Schulen erst einmal gewinnen. Das ist in Tschechien nicht das Problem. Wir hatten dieses Jahr 18 Schulen, die dabei sein wollten.“
17 der 18 teilnehmenden Einrichtungen sind Sprachdiplomschulen, also Schulen, an denen ein deutsches Sprachdiplom erworben werden kann. Die Schüler, die bei „Jugend debattiert“ teilnehmen, hätten alle mindestens ein Niveau von B2, so Helmut Kehlenbeck. Und weiter sagte er:
„Dadurch, dass die Schulen uns so gut mitunterstützen, ist die Vorbereitung eigentlich eine reine Freude.“
Das tschechische Landesfinale fand am 5. Juni in der deutschen Botschaft in Prag statt. Ins Finale hatten es Alžběta Dusová, Ondřej Kadleček und Tomaš Hofbauer geschafft, die alle an Prager Schulen gehen. Ondřej Petr war ebenfalls im Finale und kam aus Brno / Brünn angereist. Das Thema der Finalrunde hieß: „Sollen Smartphones an Schulen verboten werden?“
Der 18-jährige Tomaš Hofbauer vom Christlichen Gymnasium wurde Zweiter. Er sagte:
„Meine Vorbereitung auf das Finale war ganz kurz. Ich habe nur einen Tag davor die Zeit gefunden, mich vorzubereiten, weil ich nicht erwartet hatte, dass ich es ins Finale schaffe. Also es war ganz kurz und ziemlich stressig. Ich musste alle Argumente zusammensuchen, die Eröffnungsrede für Pro 1 schreiben, Studien suchen und persönliche Erfahrungen vorbereiten.“
Tomaš musste in der Finaldebatte gegen ein Smartphone-Verbot an Schulen argumentieren. An seiner Schule wird das Debattieren schon seit zwei Jahren in einer AG angeboten. Wie das genau abläuft, konnte die Lehrerin Silke Gester erläutern:
„Wir führen das Format der Debatte in allen Klassen ein. Das heißt also, dass jeder Schüler an der Schule debattiert. Und diejenigen, die sich besonders dafür interessieren, sind dann in einer Arbeitsgemeinschaft. Wir treffen uns einmal wöchentlich.“
Tomaš Hofbauer ist in der Septima. In den Debattier-Club an seiner Schule gehe er schon seit längerer Zeit:
„In diesem Club bin ich mehr als ein Jahr. Letztes Jahr war ich aber nur Zuschauer bei den Debatten, und dieses Jahr habe ich endlich debattiert.“
Deutsch lerne er allerdings schon seit sieben Jahren, also seitdem er auf das Gymnasium geht, fügt Tomáš hinzu. Und ist das Debattieren für ihn eine Fähigkeit, die er in seinem zukünftigen Beruf einsetzen kann?
„Ich bin noch nicht sicher, was ich in der Zukunft machen will. Aber vielleicht werde ich in Tschechien Finanzen studieren. Ich kann mir auch vorstellen, in Zukunft vielleicht in Deutschland zu arbeiten. Da verdient man mehr Geld.“
Tomašs Vorbereitungen auf das Landesfinale waren also knapp bemessen. Doch wie sehen seine Vorbereitungen auf das europäische Finale aus, das im September stattfindet?
„Auf das Europafinale habe ich mich noch nicht vorbereitet, weil wir noch nicht wissen, welche Fragen wir debattieren werden. Aber jetzt will ich noch meine Deutschkenntnisse verbessern, damit ich im September sehr gut debattieren kann.“
Für die Erweiterung seiner Sprachfähigkeiten sei der Debattierkurs gerade im letzten Jahr förderlich gewesen, betont der Schüler.
Die Nacht durch geübt
Den ersten Platz des tschechischen Landesfinales belegte Alžběta Dusová. Sie ist 18 Jahre alt und geht auf das Erzbischöfliche Gymnasium. In der Finaldebatte musste sie für ein Smartphone-Verbot an Schulen argumentieren, wofür sie auch eine Studie zitierte. Die Jury lobte aber vor allem Alžbětas Gesprächsfähigkeit. In der freien Aussprache sei es ihr gelungen, auf ihre Vorredner zu reagieren, hieß es da. Auch für die Gewinnerin waren die Vorbereitungen auf das Finale, gerade auf den letzten Metern besonders stressig:
„Ich habe mich innerhalb von drei Wochen vorbereitet, als wir das Thema bekommen haben. Als ich am 4. Juni erfahren habe, dass ich am nächsten Tag debattieren muss, da habe mich ich in der Nacht vorbereitet. Ich habe meiner Schwester einige Male die Eröffnungsrede vorgetragen oder sie vor dem Spiegel aufgesagt. Meine langfristige Vorbereitung sah so aus, dass ich Argumente sammelte und mit meiner Freundin darüber gesprochen habe, damit ich sie logisch strukturieren konnte.“
Alžběta wusste auch noch mehr über den Ablauf am Tag des Finales zu sagen:
„Wir hatten nur zehn Minuten zur Vorbereitung. Also musste ich antworten, aber ich wusste nicht, welche Fragen kommen würden. Da muss man schon improvisieren und spontan Ideen entwickeln.“
Denn in der sogenannten „freien Aussprache“ kommt es darauf an, Fragen zu beantworten, die der Debattierende auf der Kontra-Seite stellt.
Alžběta ist erst seit diesem Schuljahr bei „Jugend debattiert“ mit dabei. Ob ihr Berufswunsch mit dem Debattieren verknüpft ist, beantwortete sie so:
„Ich habe darüber nachgedacht, Jura zu studieren. Aber eigentlich möchte ich Geigerin werden.“
Beim Europafinale wird Alžběta im September gemeinsam mit Tomaš Hofbauer Tschechien vertreten. Um ihr Deutsch bis dahin zu trainieren, plant sie folgendes zu tun:
„Jetzt schaue ich Filme auf Deutsch an und lese Bücher, damit sich mein Deutsch verbessert.“
Das Europafinale steht noch aus. Alžběta kann aber jetzt schon stolz über den Titel beim Landesfinale sein.







